Einblick in Gedankenwelt von Gewalttätern

NEUENRADE ▪ Im Rahmen des Wahlpflichtprogramms der Gertrudenschule befassen sich die Neuntklässler der Neuenrader Hauptschule aktuell mit den Aspekten von Recht und Gesetz.

Jugend und Recht heißt das Projekt, welches mit Thorben Schürmann, Sozialarbeiter und dem kommissarischen Schulleiter Stracke aufgelegt wurde. Nicht nur, dass die jungen Leute jüngst Rechtsanwalt Ulrich Schorner zu Gast hatten, der aus seinem Arbeitsalltag und zur Rechtsprechung einiges erzählt hatte, sie erfuhren von einem Kriminalbeamten einiges und sie werden noch eine Tour zum Altenaer Amtsgericht machen, werden möglicherweise einer Verhandlung beiwohnen und mit Richter Dirk Reckschmidt sprechen.

Gestern hatten sie Besuch von Jürgen Haas vom Institut für Kirche und Gesellschaft. Haas hat mit Gewaltverbrechern zu tun. Er bietet in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Gemeindedienst, verschiedenen Justizvollzugsanstalten (unter anderem Attendorn) ein Projekt an, dass inhaftierten Gewalttätern, die bereit sind, sich zu ändern, einen Ausweg an. Gang steht dabei für „Gewaltig, aber nicht gewalttätig“. Ziel des Projektes ist es, den Kreislauf von Angst, Macht und Ohnmacht zu brechen. Dabei haben Gefangene, die zunächst ein hartes Interview überstehen müssen und Änderungsbereitschaft zeigen, die Möglichkeit ihr Handeln zu überdenken, an Verhaltensänderungen zu arbeiten. „Wir machen den Gefangenen klar, dass es immer eine Alternative für ihr Tun gibt und dass sie für ihr Tun Verantwortung tragen.“ Und, dass Gewalt als Problemlösung nicht funktioniere. Dabei gehen Haas und Co davon aus, dass Gewalttätigkeit nicht angeboren, sondern eben im Laufe des Lebens erworben wird. Alkohol, Drogen und eine gestörte Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung (Sicht des Opfers) spielen dabei eine Rolle. In Gruppenarbeit lernen die Gewalttäter in Konfliktsituationen gewaltfrei zu reagieren.

Kritisch hörten die Jugendlichen gestern zu. Einige konnten zunächst nicht immer nachvollziehen, warum Gewalt in jedem Fall abzulehnen ist. Gewalt sei legitim wenn man sich wehren müsse, wenn man beim Fußballspiel provoziert werde, wenn es darum gehe, das Gesicht zu wahren. Haas sagte, dass man natürlich reagieren müsse – aber eben angemessen, und das müsse nicht Gewalt sein. Und wer ein gesundes Selbstbewusstsein und entsprechendes Auftreten habe, der lasse sich nicht provozieren. Kleinere Rollenspiele zu dem Thema rundeten die zwei Projektstunden ab. Die Jugendlichen gewannen so einen Einblick in die Mechanismen, die offenbar bei Gewalttätern für die Taten ursächlich sind und sie erhielten einen Einblick in das Bemühen der Gesellschaft, hier künftig Gewaltopfer zu vermeiden. ▪ vdB

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