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Ein Leitfaden für die Neuenrader Altstadt

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Von: Peter von der Beck

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Die Neuenrader Altstadt, Blick auf die Dritte Straße, die zu den gepflegten Arealen gehört. Die Häuschen sind nett hergerichtet, zum Teil Hingucker. Bei der neuen Gestaltungsrichtlinie wird so etwas gefördert. Sogar Mülltonnenverkleidungen bis hin zu Mülltonnensocken sind drin.
Die Neuenrader Altstadt, Blick auf die Dritte Straße, die zu den gepflegten Arealen gehört. Die Häuschen sind nett hergerichtet, zum Teil Hingucker. Bei der neuen Gestaltungsrichtlinie wird so etwas gefördert. Sogar Mülltonnenverkleidungen bis hin zu Mülltonnensocken sind drin. © von der Beck, Peter

Mit einem Gestaltungsleitfaden, der die bisherige Satzung ersetzt, soll ein ganzes Stadtviertel optisch gefestigt oder auch aufgewertet werden. Das Viertel zählt dabei zu den Neuenrader Hinguckern: die Altstadt.

Schöne alte Häuschen, dominieren das Bild, um die manch Bürgermeister die Stadt Neuenrade beneidet. Die Altstadt weist eine gemischte Struktur auf. Einzelhandelsgeschäfte wechseln sich mit Friseurläden, Eiscafé, Kneipen und zum Teil putzig hergerichteten Wohnhäusern ab. Es gibt Ausreißer – das eine oder andere Objekt ist verhunzt.

Im Zuge des Stadterneuerungsprogramms Isek (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) soll die Altstadt quasi eine Runderneuerung erfahren, ohne den vorhandenen Charme zu stören. So wird der zentrale Bürgermeister-Schmerbeck-Platz umfassend neu gestaltet und die Altstadt insgesamt soll nun einen Rahmen bekommen. Das Ganze soll mit Hilfe eines – unverbindlichen – Gestaltungsleitfadens geschehen, welcher die aus dem Jahr 1993 stammende – verbindliche – Satzung ersetzt. Allerdings wird der Bebaungsplan geändert. Es wird ein gemischtes Gebiet bleiben, wie Bauamtsleiter Marcus Henninger versicherte. „Das macht ja auch den Charme aus“, sagte er. Festgeschrieben werde zum Beispiel, wo eine gewerbliche Nutzung nicht möglich sei.

Bürgerbeteiligung ist möglich

Die beiden Quartiermanager Denise Hilgenböker und David Knospe präsentierten am Dienstagabend im Bau-, Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss das Gerüst des Gestaltungsleitfadens, bei dem eine gewisse Bürgerbeteiligung möglich ist. Man werde Inhalte mit der Verwaltung noch abstimmen und dann bei einer Versammlung der Altstadtgemeinschaft präsentieren, wo man weitere Ideen sammeln und in den Leitfaden einfließen lassen werde. Auf die Inhalte wollte Hilgenböker daher noch nicht eingehen.

Die Quartiermanager Denise Hilgenböker und David Knospe präsentieren den Entwurf des Gestaltungsleitfadens, der halböffentlich über die Altstadtgemeinschaft mit Leben gefüllt werden soll.
Die Quartiermanager Denise Hilgenböker und David Knospe präsentieren den Entwurf des Gestaltungsleitfadens, der halböffentlich über die Altstadtgemeinschaft mit Leben gefüllt werden soll. © von der Beck, Peter

Immerhin war sie bereit zu sagen, dass Thema unter anderem Mülltonnenverkleidungen oder gar sogenannte Mülltonnensocken seien. Unansehnliche Mülltonnen so verschwinden zu lassen, sei sogar förderfähig. Bei der Präsentation nannte sie zudem einige Arbeitsansätze, die schon einmal von Bürgern bemängelt worden waren: sichtbare Mülltonnen, renovierungsbedürftige Fassaden, ungepflegte Vorgärten oder Höfe, wenig Lebensraum für Insekten.

„Die in Stein gebaute Geschichte Neuenrades soll in ihrem Charme erhalten werden“

Klar ist bei allem: „Die in Stein gebaute Geschichte Neuenrades soll in ihrem Charme erhalten werden“, sagte sie. „Der Leitfaden soll eine Hilfestellung für Anwohner und Eigentümer sein, für Gewerbe, Händler und Dienstleister.“ Es sei aber alles informeller Natur, auf freiwilliger Basis. Als Zeitrahmen für die Erstellung des Leitfadens nannte sie drei Monate.

Unterteilt wird das Werk in Privat und Gewerbe. Bei den Privateigentümern gehe es dabei eben um Fassaden, Höfe und Vorgärten bis hin zu Fenstergestaltung. Das reiche von dem neuen Anstrich über eine eventuelle Fassadenbegrünung bis hin zu farblichen Akzenten der Fensterläden. Auch für Dachaufbauten, Fensterformen und sich ins Bild einfügende Fotovoltaikanlagen sind Leitlinien angedacht. Ebenso für Schmuckzäune und die standortgerechte Gestaltung von Hecken.

Tipps zur Schaufenstergestaltung

Beim Thema Gewerbe gebe es einen Leitfaden beispielsweise für die Bestuhlung bis hin zu Tipps zur Schaufenstergestaltung. Die sollten mit den übrigen Fenstern harmonieren, auch die Außenwerbung sollte zum Haus passen. Gastronomen sollten drauf achten, möglichst „keine Monoblockstühle“ zu nutzen, Einzelhändler könnten auf stilvollen Warenpräsentation achten (Holzkisten).

Ziel sei es, die Eigentümer und Bewohner zu motivieren, Gebäude und Grundstücke aufzuwerten und auch gestalterische Ausreißer zu vermeiden und aufzuzeigen, wie man diese mit einfachem Mitteln schon schön gestalten kann, hieß es im Bauausschuss der Stadt Neuenrade. Im Leitfaden ist auch ein Blick in das Jahr 2030 enthalten: Darin wird von „schnuckeligen Gassen“ und „vielen älteren Menschen“ erzählt, die „das bunte Treiben auf den Bänken genießen“ und sich „angeregt unterhalten“. Auffällig seien die wenigen Autos, das saubere Erscheinungsbild. Die Altstadt im Jahr 2030 sei gemütlich, lebendig, sehenswert und ein Mehrgewinn.

Kurze Diskussion im Ausschuss

Im Bauausschuss gab es eine kurze Diskussion. Eventuelle Probleme wurden seitens der SPD angerissen. Ein Sprachproblem sieht man demnach – aber man will seitens der Stadt den Leitfaden auch direkt in die Communitys tragen.

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