Effektives Zusammenspiel trotz Personalmangels

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In Schutzanzügen gingen die Einsatzkräfte die anspruchsvollen Herausforderungen an.

NEUENRADE - Eine auslaufende Flüssigkeit rief am frühen Samstagabend zunächst die ABC-Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr Neuenrade auf das Gelände der Firma SK am Schöntalerweg. Doch Stadtbrandinspektor Karsten Runte hatte sich im Vorfeld gemeinsam mit seinen Zugführern für die groß angelegte Übung noch eine zusätzliches Szenario einfallen lassen. Im weiteren Verlauf des Einsatzes reagierte die Flüssigkeit heftig, wodurch ein Firmengebäude in Brand geriet – dieses Feuer breitete sich dann rasch aus – es wurde Stadtalarm gegeben.

Nicht angekündigte Alarmübungen finden eher selten statt und müssen deshalb wohl überlegt sein, erklärte Karsten Runte, da es nicht immer leicht ist, einen geeigneten Termin und ein geeignetes Objekt zu finden. Hinzu kämen das Risiko der Anfahrt sowie der finanzielle Aspekt. „Im Juli haben wir die Übung schon festgelegt“, hebt der Stadtbrandinspektor hervor, dass auch die Vorbereitungen nicht zu unterschätzen seien.

Bei der Planung wird darauf geachtet, dass das Szenario möglichst nicht während einer Großveranstaltung angesetzt wird. „Am Sonntag, bei der Einweihung des Karussells, hätte es zum Beispiel keinen Sinn gemacht“, so Karsten Runte. Zwar kann die Wehrführung öffentlich bekannte Veranstaltungen in ihren Planungen berücksichtigen, nicht aber private Feiern, Familienausflüge oder Urlaube der Kameraden. „Das kann man ja niemandem verbieten“, weiß der Stadtbrandinspektor. Das seien nunmal die Effekte einer Freiwilligen Feuerwehr.

Umso realitätsnaher wurde die Übung am vergangenen Samstag. „Wir hatten super Wetter. Viele waren unterwegs.“ Als der erste Alarm um 17.20 Uhr und der zweite um 17.45 Uhr gegeben wurden, musste die Wehrführung mit weniger als 50 Prozent des gesamten Personals auskommen – aktuell sind in der Neuenrader Feuerwehr 106 Blauröcke aktiv. „Da ist man nicht gerade auf Rosen gebettet. Wir mussten improvisieren. Doch das wurde sehr gut gemacht“, zieht Karsten Runte eine positive Übungs-Bilanz. Manche Einsatzkräfte mussten Aufgaben übernehmen, die sie zuvor nur einmal gesehen hatten. „Doch auch das haben sie gut gemacht“, lobte der Stadtbrandinspektor.

Da die Züge teils nicht komplett am Einsatzort eintrafen, wurden die Einheiten „gemixt“. „Wir mussten schauen, wie wir uns verschachteln. Wen kann ich noch in einen Chemie-Anzug stecken? Wo brauche ich noch einen Maschinisten?“. Herausforderungen, die an diesem Tag gelöst wurden und im Ernstfall eintreten können. „Manchmal haben wir nur 30 Feuerwehrleute im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung“, weiß Karsten Runte, dass viele seiner Aktiven außerhalb Neuenrades arbeiten und im Ernstfall dann nicht greifbar sind. Doch auch dann muss ein Großeinsatz durchführbar sein – im Ernstfall hätte die Neuenrader Wehr die Kameraden aus den Nachbarstädten um Hilfe gebeten. Das vorliegende Szenario war gedanklich so ausgelegt, dass Stadtbrandinspektor und Zugführer flexibel reagieren konnten. „Doch trotz des wenigen Personals haben wir das, was wir machen wollten, hinbekommen“, bestätigt Karten Runte. Statt der geplanten sechs C-Rohre wurden drei, statt sechs ABC-Träger drei zum Einsatz gebracht, nannte er ein paar Beispiele.

Eines der Hauptziele der Übung – eine Wasserversorgung aus dem Freibad an die Unglücksstelle zu legen – konnte reibungslos durchgeführt werden. „Zweieinhalb Tausend Kubikmeter Wasser mit in einen Notfall einbeziehen zu können, ist eine riesige Menge Wasser für ein nahe liegendes Industriegebiet“, weiß Karsten Runte um die Vorteile. Um die Wasserversorgung aus dem Schwimmbecken sicher zu stellen, musste die Wehr eine Strecke von etwa 600 Meter überbrücken.

„Seitdem ich bei der Feuerwehr bin, haben wir diese Übung zum ersten Mal gemacht“, blickt der Stadtbrandinspektor zurück. „Wie sie funktionieren kann, wollten wir unbedingt einmal ausprobieren.“

Von Susanne Riedl

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