Echter Detektiv in der Stadtbücherei

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Sie hörten gebannt den Ausführungen eines echten Detektivs zu. ▪

NEUENRADE ▪ Wie arbeitet eigentlich ein richtiger Detektiv? – Eine Frage, die sich viele Kinder und Jugendliche stellen. Den Wissensdurst einiger Neuenrader Jungen und Mädchen stillte am Dienstagnachmittag Alexander Schrumpf, Inhaber der Detektei Adler in Wiesbaden. So gibt es in der Hönnestadt nun rund 20 geprüfte Adler-Junior-Detektive, die ihre Fingerfertigkeit und Beobachtungsgabe in der Stadtbücherei unter Beweis stellten.

Oft entstünden bei den Kindern völlig falsche Vorstellungen der Detektivarbeit – meist durch Fernsehen und Bücher. „Der Detektiv löst keine Fälle mit Gewalt oder Waffen“, erklärte Alexander Schrumpf. Das sei auch der Unterschied zur Polizei. „Ein Detektiv darf nichts, was nicht jeder andere auch darf. Er hat keine Sonderrechte“, legte Schrumpf seinem gespannten Publikum dar.

Dazu lieferte er gleich einige anschauliche Beispiele: In 19 Jahren als Detektiv habe er nur drei Mal Handschellen gebraucht, vier Mal habe er friedlich und nur mit Diskussionen den Täter stellen können – und achtmal habe er zivil jemanden festgenommen. Das sei kein Sonderrecht: Wer jemanden bei einer Straftat erwische, dürfe diesen festhalten. „Alles was ein Detektiv an Aufgaben hat, kann man sich wie einen Kreis vorstellen“, so Schrumpf. Zu den Aufgaben gehören zum Beispiel zivilrechtliche Sachen wie die Überprüfung von Mietern oder Arbeitnehmern.

In sechzehn Jahren selbstständiger Tätigkeit hat Alexander Schrumpf 1200 Fälle bearbeitet. Seit 14 Jahren bietet er die Kurse für Kinder an.

„Man hinterlässt immer Spuren!“, verriet Schrumpf seinem Sieben- bis Zwölfjährigen Publikum, dem er direkt das Du anbietet – denn: „Das hier hat mit Schule nichts zu tun“, so der Detektiv weiter. Trotzdem zeigten die Kinder Know-How und Fantasie. Ein geprüfter Adler Junior-Detektiv kann sich nach Absprache die Detektei anschauen, bekommt per Brief und E-Mail jede Frage beantwortet und kann sich darüber hinaus um einen Praktikumsplatz bewerben.

Die Detektivausweise, die die Kinder am Schluss bekommen sollen, wurden jedoch gestohlen – und nun? Schnell war klar, dass der Täter einige Spuren hinterlassen hat. Da war zum einen ein Fingerabdruck an der Scheibe, außerdem hatte der Dieb sein Brecheisen und seine schwarze Strumpfhose vergessen. Die zieht er sich natürlich nicht über die Beine – sondern damit verdecken Verbrecher ihr Gesicht. „Der Vorteil ist“, wie Schrumpf weiß: Man könne von innen sehen, aber von außen nicht erkannt werden. Klar, dass sich für solche Versuche viele Assistenten aus dem Publikum meldeten. Auch einige Papierschnipsel waren in der Bibliothek verteilt – und außerdem hinterließ der Verbrecher einen großen Schuhabdruck. Bei richtigen Tatorten seien die Beweise natürlich viel weiter verstreut, plauderte Schrumpf aus dem Nähkästchen.

Das hat bei Detektiven natürlich einen doppelten und versteckten Boden – ist in Schrumpfs Fall aber auch kein Nähkästchen, sondern ein großer Koffer voll professioneller Utensilien. So wurde der unbekannte Schuhabdruck ausgemessen, fotografiert und dann mit Gips ausgegossen. Und das alles eingerahmt von echtem gelben „Crime scene – do not crossing“-Band. Das entspricht jedoch nicht der detektivischen Realität, denn das Band kommt aus Amerika. In Deutschland gibt es nur das rot-weißes Flatterband.

Spielerisch brachte er den Kindern so seinen Arbeitsalltag näher: Erste Devise ist das Anziehen von Handschuhen. Dann erfolge die Spurensicherung – immer von außen nach innen. Die Beweise kommen in Tüten, auf denen festgehalten wird, wer das Stück wo und wann gefunden hat. Die Tüte landet in der Asservatenkammer.

Bei Fingerabdrücken ist der Aufwand etwas höher: „Man sichert Fingerabdrücke, weil jeder einzelne einmalig ist“, sagte das Mitglied des Bundesverbands Deutscher Detektive. „Boah“, kommentieren die Kinder das staubende Rußpulver, mit dem Fingerabdrücke sichtbar gemacht werden. Assistentin Rebecca wird einer der teuersten Ausrüstungsgegenstände anvertraut: Der Zephyrpinsel. Damit bestäubt man Flächen, auf denen Fingerabdrücke vermutet werden. „Einen optischen Kontrast herstellen“, nennt man es in der Kriminalistik. Dort drücke man sich immer etwas schwierig aus, so der Experte. Danach wird der Abdruck mit Spurenfolie gesichert. Nachdem „wir Detektive“ am Ende noch ein spannendes Rätsel im Cäsar-Code knackten, war der Täter schnell gefasst und die ersehnten Ausweise gerettet.

Schrumpf hatte noch weitere Tipps in petto: „Tarnung vor Erfolg“ und „so nah heran wie möglich, so weit weg wie nötig“. Und er liebt seinen Beruf: „Detektiv sein ist super spannend.“ Das sahen auch die Neuenrader Kinder so. „Ich finde es gut, dass die keine Waffen haben“, sagte Silas über das, was er erfahren hat. Sein Freund Kai fand, dass die Zeit wie im Flug vergangen sei. Auch Janik hat viel dazu gelernt: Ein bisschen verwundert war er schon, „dass Detektive wie normale Menschen sind...“. ▪ Annette Kemper

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