Neuenrader (21) wegen mehrerer Verfehlungen vor Gericht

Symbolbild Urteil Gericht Justiz

Neuenrade - „Reinen Tisch“ wollte ein 21-jähriger Neuenrader vor dem Jugendschöffengericht in Altena machen. Doch die Aufklärung der ihm vorgeworfenen Taten gestaltete sich schwieriger als erwartet. Die Gerichtsverhandlung wurde nach ersten Klärungen vertagt.

Schon beim ersten großen Brocken gab es Überraschungen: Laut Anklage sollte der junge Mann im Januar 2017 zahlreiche Kunden des Internetauktionshauses Ebay über den Tisch gezogen haben: Sie bestellten iPhones und Samsung-Smartphones zu Preisen zwischen 150 und 400 Euro und sahen anschließend weder die versprochene Ware, noch ihr bereits überwiesenes Geld.

Der Gesamtschaden dieser neun Betrugsfälle soll bei 2400 Euro gelegen haben. „Da stecke ich schon mit drin“, gab der Angeklagte zu. „Ich habe mein Konto zur Verfügung gestellt.“ Federführend sei aber ein Kumpel gewesen, mit dem er das ergaunerte Geld geteilt habe. „Ja, ich wusste es, aber ich habe mir nichts dabei gedacht“, schilderte der 21-Jährige seine interessante Geistesverfassung.

Aufgrund seiner Erklärung wurde allerdings eine Vernehmung des von ihm belasteten Mittäters unverzichtbar.

Bedrohung und Körperverletzung

Als „Missgeburt“, „Depp“ und „dumm hatte der Angeklagte schon 2015 den Vater einer Exfreundin beschimpft. Die Beleidigung gab er zu: „Das stimmt.“ Mit seiner damaligen Freundin habe er sich „am Ende viel gestritten – auch wegen der Dinge, die hier heute verhandelt werden“.

Das Schöffengericht stellte diesen Anklagepunkt im Interesse der Übersichtlichkeit ein – ebenso wie das Strafverfahren wegen einer Marihuana-Zucht im Miniaturformat. Im Frühjahr 2017 hatte der junge Mann zwei Hanfpflanzen in seinem Zimmer in Neuenrade großgezogen, die bescheidene 1,1 Gramm Marihuana lieferten.

Schwerer wiegen weitere Fälle von Bedrohung, Beleidigung und Körperverletzung. In Engelskirchen soll der Angeklagte einer weiteren Ex-Freundin einen unehrenhaften Lebenswandel vorgeworfen und ihren Begleiter mit einem Messer bedroht haben. Ein weiterer Zeuge soll nach einem Schlag des Angeklagten ein Hämatom und eine Prellung im Gesicht gehabt haben. Hier brachte der 21-Jährige eine Notwehrsituation ins Spiel.

Auch der Bruder mischt mit

Eine weitere „Schlacht“ schlug der Angeklagte gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder, der deshalb für einige Minuten neben ihm auf der Anklagebank saß: Am 22. Mai 2017 hatten die beiden mit einer Schreckschusspistole und einem Baseballschläger zwei Zeugen bedroht und beleidigt. Der jüngere Angeklagte tauschte sein Geständnis in dieser Sache gegen eine nachdrückliche Ermahnung und eine Einstellung des Verfahrens ein.

Der 21-Jährige zeigte durchaus vorhandene Einsichtsfähigkeit, als er den noch nicht gelungenen Berufsstart seines jüngeren Bruders mit gewichtigen Worten kommentierte: „Der hat noch nicht die richtigen Ansichten, aber das kommt noch!“

Zu klären gab es nach diesem Auftakt noch einiges – der Tisch blieb mit einigen offenen Fragen gedeckt. Die Sitzung des Jugendschöffengerichts wurde deshalb zunächst ausgesetzt.

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