Kiloweise Marihuana und Amphetamine: Das droht jetzt Drogendealer aus MK

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Symbolbild

Neuenrade/Hagen - Im Prozess um die mutmaßlichen Neuenrader Drogenproduzenten und Dealer wird die Beweisaufnahme umfassend. Möglicherweise wird auch eine Vertrauensperson vernommen. 

Im Prozess gegen drei mutmaßliche Drogenproduzenten und -händler aus Neuenrade ordnet die 6. große Strafkammer des Landgerichts noch die Beweismittel. Am zweiten Verhandlungstag ging es um die mögliche Vernehmung einer Vertrauensperson (VP), deren Hinweise die Ermittlungen offenbar ins Rollen gebracht hatten.

Als VP gelten Personen, „die, ohne einer Strafverfolgungsbehörde anzugehören, bereit sind, diese bei der Aufklärung von Straftaten auf längere Zeit vertraulich zu unterstützen und deren Identität grundsätzlich geheim gehalten wird“. Das schließt im Regelfall auch Vernehmungen vor Gericht aus, was die Arbeit der Richter erschwert. 

3000 Seiten Telefonat-Mitschnitte

Es überraschte deshalb nicht, dass sowohl die Richter als auch die Verteidiger eine Aussagegenehmigung für diesen Informanten anstreben. Die Kammer verzichtete deshalb vorerst auf die Vernehmung des polizeilichen „Ermittlungsführers“, um vor dessen Anhörung noch „eine Freigabeerklärung für die VP zu bekommen“. Erst wenn diese Bemühungen endgültig gescheitert sind, soll der Polizeizeuge von seiner Zusammenarbeit mit der Kontaktperson und von den Ermittlungen berichten.

Dimensionen machte der Hinweis auf eine bevorstehende Papierschlacht deutlich: Die Verschriftlichung abgehörter Telefongespräche der Angeklagten summiere sich auf rund 3000 Seiten, erklärte die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt.

Derzeit werde noch daran gearbeitet. Dazu kommen Gutachten des Landeskriminalamtes zum Ertrag der in Werdohl gefundenen Hanfplantage und zum Wirkstoffgehalt der dort und in einer Amphetaminküche in Neuenrade gefundenen Betäubungsmittel. 

Etliche Kilogramm Marihuana und Amphetamine

Polizeibeamte hatten an den beiden Tatorten Anfang 2019 rund vier Kilogramm Marihuana, 209 fast erntereife Hanfpflanzen und zwei Kilogramm Amphetamin beschlagnahmt. Die Angeklagten sollen über ihre Eigenproduktion hinaus weitere vier Kilogramm Marihuana in Letmathe gekauft haben.

Zu den Vorwürfen äußerten sie sich auch am zweiten Verhandlungstag noch nicht. Das war angesichts der noch eintröpfelnden Beweismittel allerdings auch nicht sonderlich überraschend. Zwei Dutzend weitere Verhandlungstermine bis ins Jahr 2020 und die Masse an Beweismitteln sprechen dafür, dass die Strafkammer mit einem Indizienprozess rechnet. Die Angeklagten haben sich dafür mit jeweils zwei Verteidigern gewappnet. 

Drogengewinne abschöpfen

Für sie geht es nicht nur um eine mögliche längere Haftstrafe, sondern auch um viel Geld. Die Anklageschrift beziffert die Forderungen, mit denen die geschätzten Gewinne aus den Drogenverkäufen abgeschöpft werden sollen: Sie liegen für jeden der Angeklagten (23, 24 und 33) zwischen 45 000 und 67 600 Euro.

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