Drogenprozess gegen Neuenrader: Doch kein bandenmäßiges Vorgehen?

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Neuenrade/Hagen – Nur langsam kommt Bewegung in den Prozess gegen drei mutmaßliche Drogenhersteller und -verkäufer. Noch haben die drei Angeklagten sich nicht zusammenhängend zu den Vorwürfen geäußert.

Dass es bei ihrem Schweigen hauptsächlich um die Art ihrer Zusammenarbeit geht, wurde nach einem weiteren Rechtsgespräch der Kammer mit den Verteidigern und Staatsanwalt Axel Nölle deutlich. 

Die Verteidiger hätten klar gemacht, dass es aus ihrer Sicht kein bandenmäßiges Vorgehen der Angeklagten gegeben habe, gab die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt nach dem Gespräch bekannt. Diese Sicht könnte möglicherweise durch den reichen Fundus an aufgezeichneten Telefongesprächen der Angeklagten infrage gestellt werden. Der Staatsanwalt erklärte seine Bereitschaft und Entschlossenheit, das Strafverfahren bei Bedarf „auch in der geplanten Länge durchzuführen“ und das vorhandene Material zu sichten und vor allem zu hören. Auch die Kammer hat entsprechend geplant mit Verhandlungsterminen bis zum März 2020. 

Aufzeichnungen schwer verständlich

Eine erste Kostprobe schwer verständlicher Aufzeichnungen von Telefongesprächen der Angeklagten machte deutlich, was den Beteiligten droht: Ein enervierendes Ohrenspitzen, um die möglicherweise entscheidenden Passagen geistig herauszufiltern. Dazu kommt eine gehörige Portion Auslegung, denn natürlich bekundeten die Beteiligten nicht die Absicht, eine bestimmte Menge Marihuana an der Freiheit-straße in Werdohl abzuholen. Stattdessen gab es zwischen zwei der Angeklagten fantasievolle und auslegungsbedürftige Fragen wie „Hast du noch Zeit?“ und die Antwort „Ja, einen Tag!“ Oder auch die Auskunft, einer der Angeklagten wolle „trainieren“. 

In einem ersten Aufklärungsgespräch über diese quasi verschlüsselten Nachrichten erntete die Vorsitzende Bestätigungen, aber auch bestreitende Äußerungen: „Ich bin zur Freiheitstraße gefahren, habe aber nichts geholt.“ Dieses Frage- und Antwortspiel könnte sich noch einige Sitzungen hinziehen. Vorzeitig beendet werden könnte es wohl nur durch Erklärungen der Angeklagten. Diese wurden zwar immer mal wieder angekündigt, aber nie abgegeben. 

Alles nur ein Pokerspiel?

Das Ganze macht den Eindruck eines Pokerspiels um Vorteile: Die Kammer machte bereits deutlich, dass sich eine erhebliche Verfahrensabkürzung positiv auf das zu erwartende Strafmaß auswirken würde. 

Definitiv erspart bleiben den Prozessbeteiligten zumindest die O-Töne auf Türkisch geführter Gespräche. Ihre übersetzten Inhalte sollen in Form verschriftlichter Übersetzungen in den Prozess vor dem Landgericht eingeführt werden. Die beiden türkischstämmigen Angeklagten sollten deshalb Laptops mit den Aufzeichnungen abgehörter Gespräche mit in ihre jeweiligen Haftanstalten nehmen, um die Übersetzungen überprüfen zu können. 

Im „Taxi“ zur Haftanstalt durften sie diese allerdings nicht mitnehmen. Nun ist die öffentliche Postzustellung gefragt.

Der Fall

Drei Männer aus Neuenrade (23, 24 und 33 Jahre) müssen sich im Landgericht Hagen wegen verschiedener Drogendelikte verantworten. In unterschiedlicher Besetzung sollen sie gemeinsam mit dem flüchtigen Haupttäter unter anderem eine Marihuanaplantage und eine Amphetamin-Küche in Werdohl betrieben haben.

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