Drei Neuenrader vor Gericht

Drogenprozess: Darum könnte das Urteil jetzt schnell fallen

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Neuenrade/Werdohl/Hagen – Wie muss die Zusammenarbeit mehrerer Täter beschaffen sein, um ihre Bezeichnung als eine „Bande“ zu rechtfertigen? Welchen Organisationsgrad muss ihr kriminelles Zusammenwirken erreichen?

Im Drogenverfahren gegen drei Neuenrader zeichnet sich ein Verzicht auf eine Beantwortung dieser Fragen ab. 

Denn in einem klärenden Rechtsgespräch haben Gericht und Staatsanwalt sowie die Angeklagten und ihre Verteidiger über einen möglichen prozessualen Weg gesprochen, in dessen Verlauf die Angeklagten den Anbau und das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln zugeben. Im Gegenzug würde die Kammer nicht mehr von einem „bandenmäßigen“ Handeltreiben mit einer nicht geringfügigen Menge Betäubungsmitteln ausgehen. Denn in diesem Fall würde die Mindeststrafe bei fünf Jahren Haft liegen, während die Mindeststrafe für Herstellung und Handel mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel ohne Bildung einer Bande bei „nur“ einem Jahr liegt. 

„Verzwergen“ die Vorgänge?

Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sich die Verteidiger gegen die etwas windige Feststellung eines bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln „wehren“. „Fällt die Bande weg, verzwergen die Vorwürfe“, lautete eine ergänzende Behauptung. Damit sollte darauf hingewiesen werden, dass unter der Annahme eines bandenmäßigen Zusammenwirkens viele Handlungen der Beteiligten einen anderen Stellenwert bekommen. 

Ein im Auftrag der Bande erledigter Kurierdienst etwa könne aus dieser Perspektive als die Tat eines „Gehilfen“ gedeutet werden. Dem entgegen sollen die Beteiligten aus Sicht der Verteidiger aber stets „eigennützig“ gehandelt haben. „Eine Zusammenarbeit hat es zweifellos gegeben, aber keine Bande“, lautete die Verteidiger-Formel für die spezifische Kooperation der Angeklagten. 

Fülle abgehörter Telefonate

Der mühsame Nachweis dessen, was gerichtsfest als Bildung einer Bande gewertet werden könnte, versteckt sich möglicherweise in einer Fülle abgehörter Telefonate und Nachrichten, deren Auswertung das Verfahren auf jene ursprünglich geplante Länge mit Gerichtsterminen bis März 2020 bringen würde. Vorsorglich kündigte die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt das gemeinsame Anhören abgehörter Telefongespräche der Angeklagten für eine der nächsten Sitzungen an – so weit diese auf Deutsch geführt wurden. 

Derzeit sieht es so aus, als würden alle Beteiligten eine monatelange Verfahrensdauer mit unsicherem Ausgang vermeiden wollen. Einer der Verteidiger machte sogar schon einen Vorschlag für einen zügigen Beginn der Plädoyers. Dem steht allerdings auch im Fall einer prozessualen Verständigung ein gewisses Restprogramm entgegen.

Mehr zum Prozess lesen Sie hier:

Drogenprozess gegen Neuenrader: Doch kein bandenmäßiges Vorgehen?

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