Drogenprozess: Darum sind noch 20 Verhandlungstage erforderlich

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Prozess wegen Drogenhandels

Neuenrade/Werdohl/Hagen – Die Fülle an verhandelten Details und weitere 20 Verhandlungstermine bis zum 5. März 2020 lassen ahnen, wie schwierig die Beweisführung im großen Landgerichts-Drogenprozess gegen drei Männer aus Neuenrade ist.

Eindeutig sind die Funde in Werdohl: In zwei Etagen einer Wohnung an der Freiheitstraße wurde mit höchstem Aufwand und großer Professionalität Hanf angebaut und Marihuana produziert. 

Die vernommenen Zeugen, die von der Durchsuchung des Hauses, von den Beweisstücken und vom Abtransport durch das Technische Hilfswerk berichteten, unterstrichen die Dimensionen und den stattlichen Ertrag dieser gartenbaulichen Anlagen in einem Wohnhaus. Auch die Liegenschaften einer Amphetaminküche zeugen eindeutig von einer kriminellen Produktionsstätte. 

Fingerabdrücke und DNA-Spuren

Doch was die vier Angeklagten im Einzelnen damit zu tun hatten, liegt bisher noch weitgehend im Dunkeln. Keiner von ihnen hatte eine Wohnadresse an einer der Produktionsstätten. Die Ermittler haben indes eifrig Spuren gesammelt. Ob Fingerabdrücke oder DNA-Spuren auf die Angeklagten als tätige Gärtner oder Chemiker hinweisen, blieb bisher aber unklar. Sichergestellt wurden unter anderem Zigarettenkippen, die normalerweise eine gute Quelle für DNA-Spuren sind. 

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Bei diversen Durchsuchungen an den Neuenrader Wohnadressen der Angeklagten wurden Betäubungsmittel und Zubehör gefunden, die teils auf eigenen Drogenkonsum, teils auf den Handel mit Betäubungsmitteln hindeuten. Doch wie hat die Arbeitsteilung der Angeklagten an den Werdohler Tatorten ausgesehen? Wer hat sich worum gekümmert? Und welche Rolle spielte der ältere und immer noch flüchtige Bruder eines der Angeklagten, von dem die Staatsanwaltschaft vermutet, dass er der Kopf der Bande war? 

Wohl weitere Beteiligte

Die Aufklärung der Geschehnisse wird zusätzlich erschwert, dass es vermutlich weitere Beteiligte gegeben hat, die in unterschiedlichen Funktionen in die Produktion und möglicherweise den Verkauf eingebunden gewesen sein sollen. Im ersten Obergeschoss des Hauses an der Freiheitsstraße befand sich zwischen den beiden Geschossen mit den Hanfplantagen eine weitere Wohnung, in der immerhin sieben Matratzen ausgelegt waren. So berichtete es ein Zeuge. 

Die Anklage stützt sich offenbar maßgeblich auf Telekommunikationskontakte zwischen den Angeklagten, deren Umfang eine mühsame Kenntnisnahme im Strafprozess erwarten lässt. Derzeit ist die Kammer immer noch darum bemüht sicherzustellen, dass die Angeklagten die abgehörten Telefonate in ihren jeweiligen Untersuchungshaftanstalten anhören können. 

Massiver Medieneinsatz erforderlich

Die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt deutete bereits einen massiven Medieneinsatz an, in dessen Verlauf die Prozessbeteiligten die vorhandenen Aufzeichnungen gemeinsam anhören. Das Angebot, die abgehörten Gespräche und Kurznachrichten in Form übersetzter und verschriftlichter Wortprotokolle zur Kenntnis zu nehmen, stieß auf Skepsis.

Der Fall

Drei Männer aus Neuenrade (23, 24 und 33 Jahre) müssen sich im Landgericht Hagen wegen verschiedener Drogendelikte verantworten. In unterschiedlicher Besetzung sollen sie gemeinsam mit dem flüchtigen Haupttäter unter anderem eine Marihuanaplantage und eine Amphetamin-Küche in Werdohl betrieben haben. Der Prozess wird am 4. November im Landgericht fortgesetzt.

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