Amphetamin in der eigenen Wohnung hergestellt

Drogenkoch aus Neuenrade bekommt eine letzte Chance

Der Prozess gegen einen Neuenrader Drogenkoch vor dem Landgericht ist abgeschlossen.
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Der Prozess gegen einen Neuenrader Drogenkoch vor dem Landgericht ist abgeschlossen.

Ein 51-jähriger Neuenrader bekommt die Chance, seinem Leben noch einmal eine Wendung zum Besseren zu geben: Die 9. große Strafkammer des Landgerichts Hagen ordnete seine Einweisung in eine geschlossene Entziehungsanstalt an, wo er zwei Jahre lang an seiner Drogensucht arbeiten darf.

Sollte er die Therapie erfolgreich abschließen, blieben ihm vier Jahre und sechs Monate Haft erspart, zu denen die Richter den 51-Jährigen verurteilten – wegen Besitzes einer nicht geringen Menge Amphetamin und wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel.

„Ohne die Maßregel würde der Angeklagte weitere Straftaten zur Finanzierung seiner Drogensucht begehen“, begründete der Vorsitzende Richter Christian Hoppe das Urteil. Der Angeklagte habe die Grenze zur nicht geringen Menge etwa um das 100-Fache überschritten, sei wegen Drogendelikten vorbestraft und habe zum Zeitpunkt der Tat unter laufender Bewährung gestanden. Die Richter gingen nicht von einem minderschweren Fall aus, hielten dem 51-Jährigen aber sein umfassendes Geständnis zugute. Ohne seine Angaben hätten manche Geschehnisse kaum aufgeklärt werden können.

Weitere Drogenküche in Herscheid

Was die Polizei in seiner Wohnung und im dazugehörigen Keller fand, stammte nicht aus eigener Produktion des Angeklagten. Die Droge war aber in seiner Wohnung angerührt worden, weil er sich für den Produktionsprozess interessierte. Zuvor hatte der 51-Jährige über einen längeren Zeitraum hinweg Amphetamin in größeren Mengen bei einem Mitbeschuldigten gekauft, der unter anderem wegen einer Drogenküche in Herscheid derzeit ebenfalls vor Gericht steht.

Vermutlich im Juni oder Juli 2020 organisierte dieser ein Treffen mit einem weiteren flüchtigen Beschuldigten in der Wohnung des Neuenraders. Der Herscheider brachte mehrere Zehn-Liter-Eimer, Batteriesäure, Koffeinpulver und einen großen Pürierstab mit in die Wohnung. Der flüchtige Mittäter steuerte eine Plastikflasche mit dem entscheidenden Ausgangsstoff für die Droge bei: Amphetamin-Öl. In zwei Eimern rührten die Täter mindestens 14 Kilogramm Amphetamin an. Der 51-Jährige tütete die fertige Ware in einer nächtlichen Aktion ein und verstaute sie in einer Sporttasche, die am nächsten Tag abgeholt wurde. Die Reste, etwa 700 bis 800 Gramm, durfte er für seine Hilfsdienste behalten.

Masseverlust mit Koffeinpulver ausgeglichen

Im Strafverfahren stellte sich heraus, dass es ein weiteres Treffen in seiner Wohnung mit den beiden Mitbeschuldigten gegeben hatte. Dabei war offenbar eine noch größere Menge Amphetamin hergestellt worden. Dem 51-Jährigen blieben dabei nicht nur die Reste aus den Eimern. Er berichtete, dass er nach einer der Rühraktionen heimlich einige Kilogramm Amphetamin aus den Eimern für sich abgezweigt hatte. Den Masseverlust glich er mit Koffeinpulver aus.

Angst vor den beiden Produzenten der Ware habe er dabei nicht gehabt, erklärte er vor Gericht. Seine Verurteilung stützte sich letztlich aber „nur“ auf etwa ein Kilogramm der Droge. So viel stellte die Polizei bei der Durchsuchung der Wohnung und des Kellers des Angeklagten im Dezember 2020 sicher.

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