Dreiwöchiges Praktikum der Gertruden-Schüler

Kneten, Formen, Backen: Dario Walter (15) absolviert sein dreiwöchiges Praktikum in der Backstube der Bäckerei Kayser. Produktionsleiter Fabian Liste (links) schaut ihm dabei über die Schulter. -  Foto: Domke

Neuenrade - Die Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse der Getrudenschule schnuppern derzeit in den Berufsalltag hinein. Im Rahmen eines Betriebspraktikums lernen sie die Arbeitswelt kennen. Und so unterschiedlich wie ihre Interessen, sind auch ihre derzeitigen Arbeitsplätze.

Auf eine kleine Stippvisite zu den Praktikanten machten sich am Mittwoch die beiden Lehrkräfte Karen Güttler und Otmar Hermans. Die Schule habe Wert darauf gelegt, dass sich die Schüler selbst um einen Praktikumsplatz bemühen. Mit einem Schreiben der Schule hätten die Jungen und Mädchen Bewerbungsmappen verfassen und sich bei den Unternehmen vorstellen müssen, berichten die Pädagogen.

Ismail Aksoy und Faruk Can Sönmez erleben die Arbeitswelt derzeit bei der Firma IBG Automation GmbH. Der 16-jährige Ismail sitzt in der Zentrale des Unternehmens und bearbeitet dort unter Anleitung der Mitarbeiter Bestellungen und Lieferscheine. „Meine Erwartungen des Praktikums wurden hier auf jeden Fall übertroffen“, so der Neuntklässler. Ihm gefalle die kaufmännische Arbeit und er könne sich eine Ausbildung in diesem Bereich sehr gut vorstellen. Auch Faruk (14) ist mit seinem Aufgabenbereich zufrieden. Er hat sich während der drei Wochen für Versand, Montage und Elektrik entschieden. Michael Horner, tätig im Vertrieb der Firma IBG, freut sich, dass sich in den vergangenen Jahren immer wieder Schüler der Gertrudenschule für ein Praktikum in dem Unternehmen entschieden haben.

Teigrolle und Mehl gehören derzeit zum Handwerkszeug von Dario Walter. Der Schüler absolviert sein Praktikum in der Backstube der Bäckerei Kayser. Sein Tag fängt bereits um sieben Uhr an. Das aber, so der 15-Jährige, störe ihn überhaupt nicht. In der Backstube darf er richtig Hand anlegen: Stutenkerle formen und Streusel sieben oder einen Hefeteig bearbeiten, all das hat er in den vergangenen Tagen gelernt. „Ich koche und backe sehr gerne, die Arbeit liegt mir.“ Das bestätigt auch der Produktionsleiter Fabian Liste: „Dario macht einen guten Job und hat Talent für das Handwerk eines Bäckers.“

Schwächen und Stärken erkennen und sich in der Arbeitswelt probieren, das sei laut Lehrer Hermans das Ziel der Betriebspraktika. „Viele merken auch erst dann, dass ihnen eigentlich ganz andere Dinge Spaß machen und liegen“, so Karen Güttler.

Anna Schaefer weiß, woran sie Spaß hat: Kinder liegen ihr am Herzen. Deshalb hat sie sich für ein Praktikum im evangelischen Familienzentrum Hummelnest entschieden. Frühstücken, basteln, mit den Kindern toben – die Arbeit mit Kleinen mache nicht nur Spaß, sondern sei auch stressig, weiß Einrichtungsleiterin Danny Bexten. Da eigne sich ein Praktikum besonders gut, um den Alltag und die eigene Belastbarkeit kennenzulernen.

Kundenkontakt steht hingegen bei Christine Schwarz auf der Tagesordnung. Im Haarstudio L von Sabrina Kontowski erlernt sie den ersten Umgang mit Schere und Fön. „Ich mag kreatives und künstlerisches Arbeiten“, erzählt Christine. Ein Bürojob sei definitiv nichts für sie. Zuhause frisiert sie schon mal ihren Vater, im Salon aber darf sie ihre Fertigkeiten während des Praktikums erstmal nur an der Puppe testen.

Mit Hemd und Schlips steht schließlich Kerim Yildiztas im Empfangsbereich der Commerzbank und begrüßt seine Lehrer. Er hat sich bereits im Vorhinein des Praktikums richtig ins Zeug gelegt, um den Platz bei dem Geldinstitut zu bekommen. „Von seiner kreativen und außergewöhnlichen Bewerbung waren wir so begeistert, dass wir ihn einfach nehmen mussten“, so Tim Rettig und Simone Goertz. Und die Entscheidung haben sie nicht bereut: „Er macht seinen Job wirklich gut, ist engagiert und kommunikativ“, so Rettig weiter. Für einen eventuellen Ausbildungsplatz benötigt der 14-jährige Schüler eine Fachoberschulreife. Und gute Noten, betonen seine Kollegen. „Ab Montag werde ich mich reinhängen“, verspricht Kerim. Denn dann geht wieder die Schule los.

Von Friederike Domke

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