Zwei Lkw-Ladungen Fichtenholz verschwunden

Dreister Holzklau: Diebe holen sich 60 Festmeter

Holzdiebe holten sich 60 Festmeter, die zwischen Höllmecke und Nettenscheid gelagert waren. 
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Holzdiebe holten sich 60 Festmeter, die zwischen Höllmecke und Nettenscheid gelagert waren. 

Jan Humke bemerkte den Verlust des Holzes ziemlich schnell und setzt sogleich viele Hebel in Bewegung, die Täter ausfindig zu machen – vergeblich, die vielen Festmeter Fichtenholz bleiben verschwunden.

„Die Stämme sind mittlerweile bestimmt schon in Rotterdam oder Duisburg“, vermutet Humke.

Derzeit ist in den heimischen Wäldern viel los, weil viel „Käferholz“ geschlagen, aufgearbeitet und abtransportiert wird. Der Großteil geht als Bauholz nach Asien, vor allem nach China. Am Kohlberg und andernorts sind Sattelschlepper mit Seecontainern unterwegs, die nahezu ununterbrochen mit Holz beladen werden und – sogar nachts – gen Niederlande zum Rotterdamer Hafen fahren. Verschifft wird das Holz aus den Wäldern im Sauerland meist nach China. In Asien wird es als Bauholz genutzt.

Preis liegt auf einem miserablen Niveau

Klare Sache, dass der Preis angesichts des gewaltigen Angebots durch die Borkenkäferplage miserabel ist. Zwischen 20 und 30 Euro gibt es momentan noch für den Festmeter. Diese Summe war für Holzdiebe jetzt aber offenbar Anreiz genug, sich unberechtigt mal eben ein paar Festmeter unter den Nagel zu reißen. Gut 60 Festmeter, „zwei Lastwagen voll“, verschwanden am Donnerstag wohl nach sechs Uhr aus der relativ einsamen Ecke zwischen Höllmecke und Nettenscheid, keine 500 Meter von der Haustür Humkes entfernt. In diesem Zeitraum verließ Humke das Haus und glaubt aus den Augenwinkeln einen Lastwagen gesehen zu haben.

Wenig später hatte er Gewissheit: Das Holz war verschwunden. Jan Humke machte sich auf die Suche, recherchierte flott hinterher, fragte bei Verladeplätze nach seinem namentlich markierten Holz nach, postete die Angelegenheit zudem in den sozialen Medien – vergeblich. Dass das Holz – einigermaßen einsam gelagert und gekennzeichnet – gestohlen wurde, liegt für Jan Humke auf der Hand: „Da ist viel Bewegung derzeit und die Täter nutzen eben die Gunst der Stunde.“ Ein Versehen hält er deshalb für ausgeschlossen.

Wertvolles Holz wird mit GPS-Sendern versehen

Gegen Diebstahl gibt es durchaus Gegenmaßnahmen. Wertvolles Laubholz werde schon mal mit GPS-Sendern, die unauffällig an den Stämmen angebracht werden, gekennzeichnet, sagt Humke.

Die Recherche ergibt: Tatsächlich gibt es Berichte von Holzdieben, die durch diese GPS-Sender überführt wurden. So wurde in Bad Hersfeld ein Holzdieb erwischt und verknackt, eben weil ein GPS-Sender die Polizei direkt zum Dieb führte. Doch GPS bei dem Käferholz – das lohne sich nicht, lässt der Experte durchblicken.

Kleinere Diebstähle gehören quasi zum Alltag

Frustrierend zudem: Kleinere Diebstähle von einzeln Stämmen oder kleineren Holzmengen gehörten quasi zum Alltag. Das Unrechtsbewusstsein gehe da offensichtlich gegen Null. Generell kritisiert Humke das Verhalten mancher Leute im Wald, die noch nicht mal an die Seite gehen würden, wenn er mit seinem Wagen in seinem Wald nach dem Rechten sehen würde.

Jan Humke, Inhaber von JTH Holzprodukte e.K. , hat derzeit viel mit Holzeinschlag und Verkauf – auch für andere Waldbesitzer – zu tun. Da geht es um tausende Festmeter. Und wenn Holz einfach so verschwinde, gebe es am Ende bei der Menge Diskrepanzen, die niemand erklären könne.

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