Drei Priester und die Zukunft der katholischen Kirche

Heidi Renz moderierte die Talkrunde mit Generalvikar Klaus Pfeffer, Pater Irenäus und Pater Kamil

Neuenrade - Von der Zukunft der Katholiken, von Vielfalt, von anderen Kulturen, vom Motiv Priester zu werden, von dem was verbindet, von tiefer Verunsicherung, vom Geist subtiler Gewalt und sogar von „America first“ handelte dieser Vormittag in Neuenrade.

Zu einem feierlichen Gottesdienst mit jazziger Live-Musik und einer anschließender Talkrunde mit drei Priestern kamen am Sonntag etliche Mitglieder der Pfarrei St. Michael Werdohl-Neuenrade zusammen.

Gewürdigt wurden Klaus Pfeffer, einstiger Neuenrader und als Generalvikar im obersten Management des Bistums Essen sitzend, für seine 25-jähriges Priesterjubiläum, Pater Irenäus Wojtko, Chef der Pfarrei wurde für 20 Jahre Priester geehrt und auch Pater Kamil Pawlak, der vor zehn Jahren zu Priester geweiht wurde.

 Klaus Pfeffer hielt den festlichen Gottesdienst. Er blickte zurück auf seine Jugendzeit in Neuenrade und noch vergleichsweise idyllische Zeiten, um dann den Bogen zur heutigen Situation mit den vielen Veränderungsprozessen in der Gesellschaft zu spannen. Pfeffer betonte, dass er Schmerz darüber empfinde, wie sich alles wandele in der Kirche. Die Kirche der Vergangenheit gehe zu Ende.

Die Kirche wirke zerrissen, es gebe viel Aggressivität. Tonfall und Stil in Zuschriften, die er und andere bekämen, seien unschön, vielfach gehe es nur ums Rechthaben, es fehle die Suche nach Kompromissen und Ausgleich. Zudem: Der Geist der subtilen Gewalt sei ständig gegenwärtig. „Da müssen wir Christen gut aufpassen“, sagte Pfeffer. Er erinnerte an die Werte Jesus: „Wir sind einander in Liebe verbunden“. Und vor diesem Hintergrund sei auch der Spruch „America first“ nicht christlich. So etwas grenze aus. Das bedeute „Wir hier, ihr da“. Und auch in Europa gebe es viele Tendenzen hin in Richtung Trennung. „Wir werden als Christen nur Zukunft haben“, sagte Pfeffer, „wenn wir miteinander handeln, wenn wir über die Grenzen unserer Kirchtürme hinausdenken“. Pfeffer betonte: „Wir brauchen Zusammenhalt und das gilt weltweit“. Wie attraktiv könne man doch werden, wenn man „den Geist der Liebe“ lebe.

Die anschließende Gesprächsrunde im Philipp-Neri-Haus, moderiert von der aus Werdohl stammenden Journalistin Heidi Renz, war sicher gelungen. So wurde es in der Runde durchaus persönlich, die Priester ließen einblicke zu. Pater Irenäus, Pater Kamil und Generalvikar Pfeffer offenbarten auf Nachfrage, wie und warum sie Priester wurden. Antworten, die von inneren Kämpfen zeugten, von den Fragen nach Gott, von Zweifeln, von Loyalitätsproblemen gegenüber der Familie.

So wurde aus dem junge, gelernten Automechaniker und angehender Technikstudent dann Pater Irenäus. Klaus Pfeffer, gelernter Journalist, wurde Priester, weil ihm jemand unbewusst einen Denkanstoß gab. Und der Jugendliche, der auf jene charismatische Gruppe traf, die gemeinsam den Glauben teilte, der Junge, der sich früh die Fragen nach Gott stellte und dennoch vier Jahre brauchte, um den Entschluss zu fassen, Priester zu werden, das war Pater Kamil.

Vom Alltag als Priester erzählten die drei auch noch, von den Schwierigkeiten allen alles recht zu machen, vom Alleinsein aber auch davon, dass man an den Schwierigkeiten wachse. Die Unterschiede zwischen dem deutschen und polnischen Katholizismus kamen zur Sprache, dass dort der Zusammenhalt unter der Diktatur gestärkt wurde, dass ein Pfarrfest in Deutschland funktioniert, nicht aber in Polen. Und, dass man „von den Polen lernen könne, über den Glauben zu sprechen“. Wichtig war sicher, was auch Pater Irenäus immer wieder betonte: Auf die Gemeinsamkeiten zu schauen und nicht auf das, was trenne.

Patent-Rezepte für eine Verbesserung der Situation der Katholischen Kirche gab es nicht in der Runde, wohl aber Tipps: Pater Kamil setzt auf die Werte, die Verbinden, gleichzeitig sollte sich jeder immer wieder vor der Realität befragen. Klaus Pfeffer riet ebenfalls dazu über Glaube und Kirche und miteinander zu sprechen. Pater Irenäus rief dazu auf mehr Zeit mit Gott zu verbringen. Und er hat Hoffnung. Denn es gebe Menschen, die für den Glauben alles geben würden. Klaus Pfeffer hatte am Ende der Talkrunde dann noch ein Szenario für die Kirche in 20 Jahren. Wichtig sei die christliche Haltung. Es werde dann noch eine Menge Menschen geben, die an ein paar Zentren zusammen kämen, mit tollen schönen Kirchen und spiritueller Erfahrung. Pfeffer sagte: „Es wird eine andere Kirche sein“. Und die werde aber noch gesellschaftlicher Relevanz behalten.

Von Peter von der Beck

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