Eröffnung für Herbst geplant

Drei junge Hebammen machen Gemeinschaftspraxis in Neuenrade auf

Die drei Hebammen Lea Schydla, Annabelle Holub (mit Tochter Felina) und Kim Quittmann eröffnen eine Praxis im Wallkarree.
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Die drei Hebammen Lea Schydla, Annabelle Holub (mit Tochter Felina) und Kim Quittmann eröffnen eine Praxis im Wallkarree.

Die drei jungen Hebammen Kim Quittmann aus Altena, Annabelle Holub aus Neuenrade und Lea Schydla aus Plettenberg arbeiten künftig eng zusammen. Die drei Frauen werden demnächst gemeinsam eine Hebammenpraxis in Neuenrade betreiben.

Voraussichtlich Ende September/Anfang Oktober werden sie zunächst im ersten dann fertig gestellten Haus am Wallkarree ihre Praxis beziehen. Es soll eine bunte und fröhliche Praxis werden.

Die drei Hebammen kennen sich schon länger und verstehen sich gut. Mit ihrem Kundenkreis decken sie ein großes Gebiet ab, das von Plettenberg und Herscheid im Süden über Neuenrade, Balve, Hemer, Iserlohn bis Schwerte im Norden reicht. Holub, Quittmann und Schydla sind Beleghebammen. Sie haben einen Vertrag mit dem Bethanien-Krankenhaus in Iserlohn. „Hier haben wir auch noch Ärzte im Hintergrund.“

Auch eine Hausgeburt ist möglich

Das bedeutet, dass die Babys – falls gewünscht – in Iserlohn zur Welt kommen. Natürlich ist auch eine Geburt in der gewohnten Umgebung der Schwangeren möglich – eine Hausgeburt. Selbstverständlich sind die schwangeren Frauen auch im Iserlohner Krankenhaus nicht allein. „Sie werden kein fremdes Gesicht sehen, sondern die Geburt mit ihrer Hebamme erleben“, versichert Annabell Holub. Klare Sache, dass die drei Hebammen vor diesem Hintergrund eine Rufbereitschaft haben und somit täglich 24 Stunden erreichbar sind.

Das Trio hat gut zu tun. Die Hebammen betreuen und begleiten ungefähr 15 Schwangere im Monat, die auch einen Entbindungstermin haben. Hinzu kommen Termine im Vorfeld und auch nach der Geburt. Das Spektrum, mit dem sich die Hebammen befassen, ist groß: „Wir sind da bei allen Fragen, Sorgen und Bedenken. Wir sind auch da, wenn es um Fehlgeburten geht“, sagt Holub. Seelische Betreuung für die Frauen, eine Eins-zu-Eins-Betreuung, sei dann besonders wichtig.

Ein breites Themenspektrum

In der Regel geht es aber um Familienberatung, um die Geburtsaufarbeitung, auch um die Aufarbeitung früherer Geburtserlebnisse, den persönlichen Austausch. Auch zum Thema Stillen beraten Schydla, Holub und Quittmann. Erst wenn die Säuglinge auch ihre Beikost bekommen, verzichten die meisten jungen Mütter auch auf die Dienste einer Hebamme.

Weil Hebammen begehrt und auch knapp sind, gibt das Trio einen eindeutigen Rat: „Ab dem positiven Schwangerschaftstest sollten sich die Frauen unbedingt bei uns melden. Zwei Monate vor Geburtstermin anrufen und fragen, das geht leider nicht. Dann müssten wir eine Übernahme der Patientin absagen.“

Der Beruf erfordert nicht nur Fachwissen

Es lässt sich erahnen, dass der Beruf der Hebamme nicht nur medizinisches Fachwissen erfordert, sondern vor allem auch Empathie und zeitliche Flexibilität. Hebamme zu sein ist also eher eine Berufung, denn Holub, Quittmann und Schydla haben den Anspruch, sich „für jede Frau individuell Zeit“ zu nehmen, jede Frau für sich zu sehen. Und wann ein Kind das Licht der Welt erblickt, entscheidet in der Regel das Kind. Kim Quittmann: „Wir müssen da schon sehr flexibel sein. Da denkt man, es ist gleich Feierabend – dann geht das Telefon.“

Das Trio hat einmal nachgerechnet, auf wie viele Arbeitsstunden jede der drei Hebammen in der Woche etwa kommt: „Im Durchschnitt sind das 50 Stunden pro Woche. Da wir alle eine Sieben-Tage-Woche haben, sind es dann knapp 7,2 Stunden pro Tag. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen können eine Last darstellen: Immer noch kostet eine Versicherung für Hebammen 11 000 Euro pro Jahr. Und pro Geburt gibt es „196 Euro für die Hebamme, plus eine Stunde vorher und eine Stunde nachher“, erläutert Kim Quittmann. Aber wie gesagt: Hebamme zu sein ist eine Berufung.

Viele Umstände spielen eine Rolle

Was die betreuten Mütter anbelangt, so können die drei Frauen keine bestimmte, herausragende Gruppe ausmachen. „Das ist quer durch den Garten“, erläutert Annabelle Holub. Schydla und Quittmann stimmen ihr zu. „Alle kriegen Kinder, wie sie kommen. Wir haben ganz junge Mamas, aber auch ältere.“ Allerdings: Der Großteil der Kinder sei geplant und die Mütter seien in der Regel schon älter, als zu früheren Zeiten. Das hänge mit den modernen Lebensumständen und Möglichkeiten zusammen. „Erst muss alles geordnet sein, die Frauen wollen sesshaft sein.“ Hochzeit, Haus, Ausbildung und Studium nennen die Hebammen als Stichworte in diesem Zusammenhang – da dauere es eben länger mit der Familienplanung. Und die Finanzen hätten natürlich auch ihre Bedeutung.

Was die Politik tun könne, um angehenden Familien das Leben zu erleichtern, liegt für die drei Hebammen auf der Hand: die Rahmenbedingungen verbessern. Annabelle Holub: „Mehr Elterngeld könnte hier eine Rolle spielen. Wichtig wäre auch, für mehr Flexibilität im Job zu sorgen.“ Mit nur einem Einkommen werde es eben für viele Familien schwierig. Kim Quittmann erklärt: „Wie früher, vier Kinder und nur Hausfrau – das geht heute nicht mehr.“

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