Doppelter Erfolg beim Modeln

Neuenrader Zwillinge Dritte bei "Face of Germany"

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Wer ist denn jetzt wer? Verwirrspiele mit Freunden, Bekannten und während ihrer Schulzeit manchmal auch mit Lehrern haben Narthana und Keerthana gelegentlich gern getrieben, verrieten sie im Gespräch. Narthana ist übrigens links im Bild.

Neuenrade - Über die großen Laufstege der Welt schreiten, in TV-Werbespots auftreten und für bekannte Modemarken fotografiert werden: Die eineiigen Zwillinge Narthana und Keerthana Manoranjan aus Neuenrade sind dem Traum vieler junger Menschen ein ganzes Stück näher gekommen – und das gleich im Doppelpack. Im Fashionshow-Casting „Face of Germany“ belegten die jungen Frauen den dritten Platz.

Ganz bodenständig wollen alle beide jetzt trotzdem bleiben, studieren weiter und gehen eine mögliche Model-Karriere ganz entspannt an.

Dass sie überhaupt an dem Wettbewerb teilgenommen haben, „hat sich einfach so ergeben“, berichten die beiden 22-Jährigen lachend und haben so viel zu erzählen, dass sie am liebsten alles gleichzeitig loswerden würden. „Freunde haben uns überredet, zum Casting nach Köln zu fahren“, fängt Narthana an. „Wir haben das dann ganz ohne Erwartungen gemacht. Was darf man sich bei deutschlandweit 4000 Bewerbern schon erhoffen?“ Ihren Erfolg können die Zwillinge offenbar noch immer nicht richtig fassen, eine so gute Platzierung hätten sie sich nicht träumen lassen.

„The Male and the Female Face of Germany“ – so heißt die Casting- und Modeveranstaltung, die nicht im Fernsehen übertragen wird, vollständig. Gesucht werden einmal jährlich das männliche und das weibliche Gesicht Deutschlands. Die Veranstalter werben damit, die größte und aufwändigste Show dieser Art umzusetzen. Wer teilnehmen will, muss „jung, stylish und sexy“ sein, heißt es auf der Internetseite.

„Beim Casting wurde auf alles geachtet, auf das Gesicht und die Körperproportionen und natürlich wie man läuft und sich präsentieren kann“, erinnert sich Keerthana. Letzteres haben die beiden ohne jede Vorerfahrung intuitiv richtig gemacht. Die Jury – unter anderem Modelagent Peyman Amin und Model Larissa Marolt – wählten die beiden unter die besten 40 und luden sie zum Halbfinale nach Dresden ein – das war Anfang September. „Dort waren wir erst mal überwältigt davon, wie schön und interessant die anderen Teilnehmer sind, und haben uns gar keine Chancen ausgerechnet“, sagt Narthana.

Weltoffenheit und Toleranz

Auch wenn es letztlich anders kam, wäre es „nicht ganz so schlimm“ gewesen, wäre an dieser Stelle Schluss gewesen. Beide studieren, sind engagiert und motiviert, es im Berufsleben weit zu bringen. Keerthana absolviert ein Verbundstudium im Unternehmen IBG und an der Fachhochschule Hagen mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht, im fünften Semester. Die Ausbildung zur Industriekauffrau, die dazugehört, hat sie bereits abgeschlossen. „Ich möchte Wirtschaftsjuristin werden“, so klar ist das Ziel formuliert, das sie nicht aus den Augen verlieren will. Narthana studiert im dritten Semester „Business and Management Studies“ an der Business and Information Technology School in Iserlohn. Ein Auslandssemester und Praktika stehen in den nächsten eineinhalb Jahren an. Sie will in Richtung Management und Controlling – irgendwann auch mal Verantwortung tragen. Schon vor dem Studium hat sie sich die Welt angeschaut, war in Amerika, Norwegen, Thailand und Australien. Erfahrungen, seien das, die die Persönlichkeit prägen.

„Das ist uns ganz wichtig, weltoffen zu sein und Lebenserfahrung zu sammeln“, sagt Narthana, und Keerthana ergänzt: „Die Vorlesungen, das Studentenleben, das Arbeiten in einem Unternehmen, das sind alles wertvolle Erfahrungen und man kann da ganz viel mitnehmen.“

Weltoffenheit ist für die Neuenraderinnen mit Eltern aus Sri Lanka ein Stichwort, auf das sie noch einmal zurückkommen wollen. „Dass wir es auf den dritten Platz geschafft haben, zeigt doch, wie tolerant Deutschland sein kann“, freut sich Narthana. „Stimmt“, sagt Keerthana, „die Erwartung ist bei vielen bestimmt erst mal, dass jemand mit deutschem Aussehen gewinnt.“ Und Narthana erinnert: „Gewonnen hat ja am Ende auch ein Mädchen mit blonden Haaren und blauen Augen, aber ein dritter Platz ist trotzdem toll.“

Einige Jobs sind in Aussicht

Der Tag, an dem sie diesen dritten Platz nach Neuenrade geholt haben, haben die Zwillinge noch in lebhafter Erinnerung. „Das Finale war im Alten Schlachthof in Dresden. Das ist eine große Eventhalle. Es waren mehr als tausend Zuschauer da und ganz viel Prominenz. Zum Beispiel Joachim Llambi und Motzi Mabuse. Der Steg, auf dem die 20 Finalisten um den Sieg gekämpft haben, war 24 Meter lang.“

Lampenfieber oder ein bisschen Angst – diese Gefühle seien komischerweise gar nicht dabei gewesen, eher Adrenalin, das durch den Körper rauscht. „Den Moment des Final-Auftritts wollte ich aber einfach nur genießen“, sagt Narthana.

Die Zwillinge konnten bei „Face of Germany“ viele Kontakte knüpfen und haben jetzt Set-Cards bei Agenturen in Hamburg und Berlin, erste Model-Jobs sind in Aussicht. Keerthana sagt: „Aber darüber können wir leider noch nicht sprechen, da ist noch nichts offiziell.“

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