Musikschule als Gegenpol

Musikschüler in Aktion. - Foto: Archiv/Koll

Neuenrade/Lennetal - Wohl kaum eine Institution steht hierzulande seit Jahren so unter Druck wie die Musikschule Lennetal. Vor allem jene Mitgliedsstädte, welche mehr als nur marode Haushalte haben, wollen möglichst geringe Mitgliedsbeiträge zahlen. Und fordern immer wieder massive Einsparungen.

Martin Theile, Chef der Musikschule, besuchte jetzt auch den Kulturausschuss in Neuenrade und präsentierte Zahlen, Fakten und neue Projekte des Kulturverbandes. Die Musikschule hat dabei gerade in Neuenrade besonders viel Rückhalt. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist die Zahl der Musik-Schüler dort mehr als ordentlich. Rund 210 Schüler gibt es aus Neuenrade. Altena, mit knapp 6000 Einwohnern mehr, hat gerade einmal 200 Musikschüler; besser sind da die Werdohler mit rund 290 Schülern. Die Plettenberger haben gar an die 450 Musikschüler. Der Blick auf die Zahlen offenbart: Bei gut gerechnet 78 000 Euro wird dabei der Beitrag von Neuenrade, bei 81 000 bei Altena für das Jahr 2015 liegen. Werdohl wird grob gerechnet 100 000 Euro zahlen. Gemessen an der Schülerzahl von 450 kommt Plettenberg bei den Beitragzahlungen offenbar ganz gut dabei weg. Die Plettenberger zahlen nur rund 44 Prozent mehr als die Neuenrader, haben aber rund 115 Prozent Schüler mehr.

Und künftig muss die Musikschule wohl mit immer weniger Beiträgen aus Altena und Werdohl auskommen. Theile präsentierte eine Tabelle, welche die geplante Zuschussreduzierung der Städte Altena und Werdohl aufzeigte. Im Jahr 2021 zahlt Altena dann 50 000 Euro weniger, Werdohl soll dann 40 000 weniger zahlen.

Bleibt an dieser Stelle noch der Hinweis auf die Bemerkung im Kulturausschuss der Stadt Neuenrade. Da hieß es, dass man sehr darauf achten werde, nicht die Beiträge der Stärkungspaktkommunen mitzufinanzieren.

Theile zeigte noch einmal auf, dass die Musikschule mit 60 Veranstaltungen pro Jahr und dem vielfältigen Unterricht nicht nur ein wichtiger Kulturträger sondern auch ein Ort der Begegnung sei. Theile betonte zudem, dass die Musikschule nun nicht viel mehr sparen könne, eine weitere Konsolidierung der Musikschule funktioniere nur mit massiven Einschnitten. Und dazu müssten eben politische Entscheidungen gefällt werden.

Doch nicht nur mit den Finanzen hat die Musikschule zu kämpfen. So kämpfe man auch an anderer Front. Der Musikschulchef stellte dar, dass man den „Gegenpol zur Bildungsdominanz“ der Naturwissenschaften an den Schulen bilde. Er sei der Meinung: Nur Mathematik und Co - das tauge nicht. Im Zuge von G8 werde einfach die kreative Bildung vernachlässigt. Dabei fördere beispielsweise das Erlernen eines Instrumentes das Selbstbewusstsein, das Durchhaltevermögen oder das konzeptionelle Denken der Menschen.

Wo geht die Reise nun hin, was ändert sich derzeit bei der Musikschule, was sind hier die Projekte. Theile hat hier jede Menge Stichworte: Mehr netzwerken, mehr flexibler Gruppenunterricht, Kooperationen mit Schulen oder Kitas (derzeit mit Villa mittendrin in Neuenrade), Projekte wie „Musizieren, tanzen, singen“; Einbindung der Einwanderer, Musik in den Seniorenzentren mit Senioren, Zusammenarbeit mit der VHS. Und es gelte neue Konzepte für die Musikschule im ländlichen Raum zu entwickeln. Theile monierte: Auf Landesebene herrsche urbanes Denken vor.

Von Peter von der Beck

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