Schlemmer-Ranch-Gelände

Diskussion über Bauprojekte: CDU-Mehrheit drückt Planungen durch

Die ehemalige Pommesbude Schlemmer-Ranch soll abgerissen werden, um auf dem Areal zwei Mietshäuser bauen zu können.
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Die ehemalige Pommesbude Schlemmer-Ranch soll abgerissen werden, um auf dem Areal zwei Mietshäuser bauen zu können.

Das war gleich ein blutdruckfördernder Auftakt zur Sitzung des Bau-, Planungs- und Stadtentwicklungsausschusses am Dienstagabend im großen Sitzungssaal des Rathauses.

Neuenrade – Selten ist der Zuschauerraum besetzt. Diesmal aber waren einige Zuschauer da und es meldete sich tatsächlich ein Einwohner bei der „Einwohnerfragestunde“.

Der Mann war ganz offensichtlich empört, weil seit langer Zeit die Anwohner der Küntroper Straße benachteiligt würden. Es ging um die Bebauung des Plangebietes Küntroper Straße II und die weitere Nachbarschaft. Das ist jene Fläche an der Bundesstraße 229 auf der noch das Gebäude der ehemaligen Schlemmer-Ranch steht. Die frühere Frittenbude soll bekanntlich abgerissen und das Areal mit modernen Mietshäusern bebaut werden. Insgesamt bis zu 16 Wohnungen sollen entstehen.

Daniel Wingen hat Grundstück ersteigert

Daniel Wingen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, ist hier mit involviert. Der Geschäftsführer der Drahtwerk Elisental GmbH hatte das Grundstück von rund 1400 Quadratmetern ersteigert, um ein Projekt sozialen Wohnungsbaus zu verwirklichen. Die Pläne für die zwei Gebäude wurden auch schon präsentiert. Der Wohnungszuschnitt ist familienfreundlich gestaltet, das Design modern und entspricht den aktuellen, eher sparsam gestalteten Gebäuden, die heutzutage vielfach entstehen.

Nun meldete sich aber der Anwohner und Nachbar zu Wort und machte seiner Wut Luft: Nicht unbedingt wegen des anstehenden Projektes an der Küntroper Straße, sondern generell in Sachen gesetzlicher Bürgerinformation. Warum würden die Betroffenen nicht direkt informiert, fragte er. Die bloße Information in der Zeitung reiche ihm nicht, manches werde übersehen. So ließ er durchblicken, dass er wichtige Änderungen der Rahmenbedingungen nur am Rande oder später mitbekommen habe.

Ärger mit dem Bauamt

So habe er Mitte der 1990er-Jahre Ärger mit seinem Haus an der Küntroper Straße gehabt. Da habe man damals seitens des Bauamtes bei seinem geplanten Ausbau moniert, dass die Dachfläche zum Straßenbild passen müsse und dass die Höhe von zweieinhalb Geschossen nicht überschritten werden dürfe. Das habe erhebliche Mehrkosten verursacht. Dann sei noch der Flächennutzungsplan geändert worden. Nun stehe sein Haus in einem Industriegebiet und nicht mehr in einem Mischgebiet – mit entsprechenden finanziellen Folgen.

Und nun habe sich auch der Verkehr auf der Küntroper Straße vervielfacht, weil die Verkehrsführung geändert worden sei. Statt über Schöntaler Weg und Bahnhofstraße, wo nun Tempo 30 vorgeschrieben sei, würden alle über die Küntroper Straße fahren. Der Verkehr habe sich verdoppelt. Damit sei der Wert seines Grundstücks erheblich gesunken. Jetzt komme noch die Sache mit den neuen Mietshäusern. Da gebe es Verschattungen, die neuen Nachbarn könnten von oben auf sein Grundstück schauen.

Diskussion entbrennt

Der Gipfel bei dem Projekt sei, dass es nun möglich sei, die Richtung der Bauweise zu ändern und auch noch ohne Schrägdach zu bauen. Er frage sich zudem, warum heute so etwas möglich sei. Zudem könne es nicht sein, dass in Neuenrade immer dichter gebaut werde wie an der Werdohler Straße oder der Straße Am Bahnhof.

Als schließlich der Tagesordnungspunkt zu Küntroper Straße II an der Reihe kam, entbrannte eine Diskussion. Die in dieser Sache sichtlich gut vorbereitete Freie Wählergemeinschaft Neuenrade (FWG) hakte in Person von Detlef Stägert und Heinz Friedriszik nach. Friedriszik verwies darauf, dass in der Nähe kein einziger Flachdachbau sei und die geplanten Mietshäuser nicht ins Gesamtbild passten. Planerisch könnte man das sicher auch anders gestalten, zum Beispiel mit einem schrägen Dach.

FWG möchte Gespräch mit dem Bauherrn suchen

Stägert verwies ebenfalls auf die Verschattung und sagte zudem, dass ein richtiges Dach sich doch besser ins Gesamtbild einfüge. Friedriszik ergänzte noch, dass man das mit dem schrägen Dach so gestalten könne, dass das Gebäude insgesamt nicht höher werde. „Wegen des Daches könnte man doch vielleicht noch mal mit dem Bauherren sprechen“, sagte Stägert. Er könne Daniel Wingen verstehen, der Geld verdienen wolle, aber auch den Bürger, der geschädigt werde.

Der Vorsitzende des Ausschusses, Mark Hantelmann (CDU), verwies auf Flachdächer in der Nähe wie beim Rewe-Markt oder der Feuerwache. Ludger Stracke (CDU) sagte, dass die Sache mit den Dächern doch nur eine Geschmacksfrage sei. An anderer Stelle verwies er auch noch auf die Bedeutung des Vorhabens. Es gehe doch „um den sozialen Wohnungsbau“. Nicht mitdiskutieren konnte Daniel Wingen, der sich wegen Befangenheit aus der Sitzung während dieses Tagesordnungspunktes verabschiedet hatte.

Bauamtsleiter sorgt für Klarheit

Bauamtsleiter Marcus Henninger blieb während der Diskussion wie immer ruhig und sachlich und verglich „das bisher Zulässige und das künftig Zulässige“. Demnach hätte der Investor noch mehr gedurft als bei seiner jetzigen Planung. Er hätte das Gelände dichter bebauen und noch bis auf drei Meter an die Grundstücksgrenze des Nachbarn heran gedurft. Und natürlich sei die Dachform im Bebauungsplan vorgegeben. Ein geneigtes oder eben auch ein Flachdach seien zulässig.

Bei der anschließenden Abstimmung votierte allein die CDU-Mehrheit für die Empfehlung an den Rat den Bebauungsplan Küntroper Straße II auf den Weg zu bringen. Dagegen stimmte die FWG, die SPD enthielt sich. Bei der nächsten Ratssitzung wird das Thema nochmals auf die Tagesordnung gebracht. Die öffentliche Sitzung findet am kommenden Dienstag ab 17 Uhr im Saal des Hotels Kaisergarten statt. Anschließend wird das Projekt – falls mehrheitlich auf den Weg gebracht – nochmals öffentlich ausgelegt. Dann können auch die Anwohner nochmals offiziell ihre Bedenken vortragen.

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