Federico Ferrari verlässt den Musikverein 

Federico Ferrari war seit Februar 2016 Chefdirigent beim Affelner Musikverein.

Affeln - Federico Ferrari, Dirigent des Affelner Musikvereins, beendet diese Tätigkeit Ende des Monats. 

Seit Februar 2016 hält er in Affeln den Taktstock in seinen Händen und steht als Chefdirigent vor dem Musikverein Affeln. In den vier Jahren hat der gebürtige Italiener den Musikern sein musikalisches Denken und seine Musikauffassung nahe gebracht. Proben sind bei ihm nie langweilig und die Intonation kann durchaus zum fragenden Meinungsaustausch führen. 

Ende diesen Monats endet die Zusammenarbeit, Federico Ferrari muss den Musikverein verlassen. Denn der Musikverein hat entschieden, den Posten des Chefdirigenten künftig mit Julian Kampmann, aktuell Leiter des Jugendorchesters und Sohn der Vereinsvorsitzenden Renate Kampmann, zu besetzen. 

Seinen Abschied kann Ferrari aber nicht mit dem für den 28. März geplanten Frühlingskonzert verbinden. Coronabedingt hat der Vorstand das Frühlingskonzert und auch andere vereinsinterne Aktivitäten bis auf weiteres abgesagt. 

Niveauvolle Musik mit einem nach oben tendierenden Schwierigkeitsgrad kennzeichnen den Anspruch von Federico Ferrari. Mit einem „geht nicht“ kann er sich nur ganz selten abfinden, das ist ihm einfach zu wenig. Beim Dirigat sucht er die Nähe zum Komponisten, gleichwohl hat er eine individuelle Klangvorstellung. Einzelne Takte erklärt er wort- und gestenreich mit der ihm eigenen Gefühlsebene. Falls erforderlich werden Abschnitte gleich mehrfach und hintereinander geprobt. 

Die musikalische „Vermittlerrolle“ zwischen dem Werk des Komponisten und dem Orchester ist für ihn eine Herausforderung. „Das Leistungsdenken der Marke Qualität muss auch gefordert werden“, sagt Ferrari. Dies überträgt er temperamentvoll und richtungsweisend auf seine Musiker, von denen er Konzentration und Aufmerksamkeit erwartet. Auf viele und erfolgreiche Auftritte kann der 34-jährige Ferrari mit dem Musikverein Affeln zurückblicken. 

Eigentlich sollte er in wenigen Tagen im Rahmen des Frühlingskonzerts den Dirigentenstab niederlegen und sich von seinen Musikern und den Affelnern verabschieden. Das Coronavirus hat diesen Abschied gekippt – wie alle anderen Veranstaltungen in der Hönnestadt wurde auch dieses Konzert abgesagt. Eine würdige Verabschiedung wird der Musikverein Affeln zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, zumal der Musikverein das erste Blasorchester ist, dem Federico Ferarri als Chefdirigent in seiner Laufbahn in Deutschland vorsteht. Insofern ist die Verabschiedung auch für ihn von besonderer Bedeutung. 

Die zurückliegenden Jahre haben zwischen Musikern und Dirigent zu nachhaltigen Gemeinsamkeiten geführt, das musikalische Miteinander stimmte, ein qualitativ ansprechendes Repertoire reichte von der Klassik bis zur Polka und vom Marsch bis zur Filmmusik. Konzerte und öffentliche Auftritte überzeugten das Publikum, der untereinander gezollte Respekt war der Garant für ein gutes Klima. Ferrari erinnert sich gern an die vergangenen Zeiten. Nach wie vor ist er beeindruckt von der Tatsache, dass es in dem „kleinen Dorf Affeln einen Musikverein mit etwa 45 Aktiven gibt, der kontinuierlich Musik auf hohem Niveau macht“. 

Positiv auch seine Einstellung zum vereinseigenen Jugendorchester, mit dem die Weichen zum personellen Weiterbestehen gestellt sind. Eine Tatsache, die bei Ferrari besondere Zustimmung findet: „Der Zusammenschluss der Generationen hat in Affeln dazu geführt, dass Jung und Alt den Bestand des Musikvereins sichern!“ 

Wenn Ferrari an seine Affelner Zeit denkt, fällt ihm auch seine erste Teilnahme an einem Schützenfest ein. Brauchtum und Besonderheiten dieses Volksfestes waren anfangs für ihn neu. Einführungshilfe in Sachen Tradition bekam er einst von Otto Levermann: „Das war in Wennigloh. Der Otto hat mir das Schützenfest erst einmal erklärt und verständlich gemacht“ erinnert sich Ferrari schmunzelt, um gleich zu ergänzen, dass „dies eine tolle Zeit war“. 

Auch künftig wird an er seinen Musikverein Affeln denken, wenn er zur Realisierung musikalischer Projekte nach China reist, in der Dortmunder Brass-Band mitspielt oder als Dirigent vor einem anderen Musikverein steht. Mit der ihm eigenen Musikauffassung wird er sich neuen Aufgaben stellen, seine kommenden Schützlinge in Sachen Musik führen und überzeugen – und dabei bleiben, dass es ein „geht nicht“ bei ihm nicht gibt, dafür das „es muss auch gefordert werden“ weiterhin Gültigkeit haben wird.

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