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Digitale Waldorfschule: Mit der Tafel online und Unterrichtsstunden in der Cloud

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Von: Peter von der Beck

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Das Tafelbild kann gespeichert und bei Bedarf noch einmal aufgerufen werden.
Das Tafelbild kann gespeichert und bei Bedarf noch einmal aufgerufen werden. © Peter von der Beck

Da kann man nicht meckern: Die digitale Infrastruktur der Waldorfschule steht, die Gebäude sind per Glasfaser vernetzt, W-Lan ist überall, und nun wird auch noch die Hardware in den Klassen digital ergänzt: Die Schule hat nun sieben digitale Tafeln im Einsatz.

Neuenrade – Damit die neue Technik auch bestmöglich eingesetzt werden können, erhalten die Lehrkräfte eine entsprechende Schulung. Für den operativen Manager der Waldorfschule, Klaus Giljohann, hat die Schule damit „den Digitalpakt erfüllt“. Fördergeld für all das gibt es auch. 50 000 Euro fließen für die digitalen Tafeln vom Land, bei einem Eigenanteil der Schule in Höhe von zehn Prozent. Nicht ganz einfach ist die Beantragung. Neben viel Bürokratie ist eine umfassende Begründung erforderlich.

Klaus Giljohann, die Pädagogen Jutta Wendering (Biologie, Geografie und Chemie) und Björn Bitter (Deutsch und Geschichte) bilden den Arbeitskreis „Digital“ an der Neuenrader Schule. Sie haben sich umfassend über das Thema „digitale Tafeln“ informiert, Messen besucht und sich die Entscheidungsfindung nicht leicht gemacht. Die Tafeln sind nun schon im Einsatz und werden zum Beispiel in der Oberstufe schon ganz selbstverständlich in den Unterricht integriert.

Auch den Schülern gefällt es: Der Runde angehender Abiturienten fällt es schwer Kritik zu üben, nur ein Jungendlicher wünscht sich mehr Funktionen am speziellen Schreibstift für die digitale Tafel. Die Sache mit dem Zugriff aufs Internet, die Möglichkeit, mal eben im Videoportal Youtube den passenden Film abzurufen, der Rückgriff auf Tafelbilder oder eine Power-Point-Präsentation abzuspielen – all das gefällt. Das Ganze erscheint pädagogisch hilfreich, zeitsparend und vor allem für die Schüler angenehm.

Die Vernetzung, die Archivierungsmöglichkeiten durch die Cloud – das alles sind Stichworte, welche die Digitalisierung und die Zukunft von Schule beleuchten. Bio-Lehrerin Wendering sieht in dem Einsatz der digitalen Tafel in ihrem Unterricht viele Vorteile:

„Groß sind sie und schön hell. Das kommt im Unterricht allen zugute. Der Mensch ist ein Augenwesen, da passiert auch das Meiste.“ Kollege Björn Bitter sagt dazu: „Ich kann spontan den Unterricht ergänzen oder mal eben einen Sachverhalt visuell verdeutlichen. Das bedeutet für uns deutlich mehr Flexibilität.“ Jutta Wendering: „Die Schüler sind häufig motivierter – dann ist auch die Rezeption besser.“

Die digitalen Tafeln haben eine enorme Bildschirmgröße. 86 Zoll – das gibt es eher selten im heimischen Wohnzimmer. Auch der Sound ist so, dass er den Klassenraum durchdringt. Der digitale Bildschirm hat auch eine analoge Komponente: Tafel-Flügel können aufgeklappt und beschriftet werden. Auch der Unterricht vom Heim der Lehrerin war schon Realität. Da hatte sich Jutta Wendering den Arm gebrochen und eben freiwillig von zu Hause aus den Unterricht per Stream übertragen.

Björn Bitter und Jutta Wendering gehören zum Arbeitskreis
„Digital“ an der Schule.
Björn Bitter und Jutta Wendering gehören zum Arbeitskreis „Digital“ an der Schule. © Peter von der Beck

So läuft es im Prinzip, wie Klaus Giljohann erläuterte. „Zuhause bereiten die Lehrer den Unterricht vor, der wird in die Cloud hochgeladen und nachts auf die Schulserver übertragen und in der Schule kann er von überall her abgerufen werden.“ Bei all dem sollten nicht nur die Lehrer geschult werden.

Es gibt auch Informatik für Schüler an der Waldorfschule. Giljohann: „Da geht es erst einmal vor allem um die Lebenswirklichkeit, um die Informatik im Alltag. Teams, Word, Power Point, wie funktioniert ein Kartenlesegerät oder wie funktioniert das mit der Cloud – das sind die Themen.“ Giljohann betonte zudem, dass eine Lehrerin einen Zertifikatskursus zum Thema Informatik absolvieren werde, damit es mittelfristig als Unterrichtsfach angeboten werden könne.

Grundsätzlich wird die Digitalisierung an Schulen immer bedeutsamer: Nicht von ungefähr gibt es die Vorgabe vom Land, dass das Mathe-Abi 2026 mit dem Tablett gemacht werden muss. Doch, dass nun Stift und Papier gänzlich verschwinden – das wird nach Ansicht der Pädagogen nicht passieren.

Ohnehin erfolgt der Unterricht an der Waldorfschule Neuenrade in den Jahrgangsstufen eins bis acht weitgehend analog. Dafür gibt es Ansicht von Björn Bitter und Jutta Wendering gute pädagogische Gründe. „Es ist wichtig, dass Inhalte auch per Stift und Papier erfasst werden.“ So könne man Inhalte im wahrsten Sinne des Wortes besser begreifen. Björn Bitter: „Inhalte können die Schüler beim Schreiben noch einmal nachvollziehen.“

Wichtig ist daher das Thema stetige Weiterbildung der Pädagogen. 1000 Euro gebe es dafür vom Land. „Schulungen sind auch nötig“, sagt Wendering. „Sonst geht man nicht in die Tiefe“, sagt die Lehrerin. Giljohann ergänzt die Aussage mit einer Nachricht aus dem NRW-Schulministerium: „Es ist eine landesweite Schuloffensive geplant.“ Die Schule ist also gut gerüstet, wenn 2026 das Abi in Mathe digital erfolgt.

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