Mikro-Kraftwerk im Keller

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Dietrich Maurer schaut in die Innereien seines Kraftwerkes. ▪

NEUENRADE ▪ Der schottische Konstrukteur Robert Stirling hatte in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts die Idee für eine revolutionäre Maschine. Im Gegensatz zum heutigen Verbrennungsmotor kam der Stirling-Motor mit wenigen beweglichen Teilen aus, ist somit auch deutlich wartungsärmer als andere Konstruktionen.

Rund 200 Jahre später rückt das simple Antriebsprinzip wieder in den Fokus der Ingenieure. Sie haben den Kolbenmotor als Antrieb für ein Mikro-Blockheizkraftwerk schätzen gelernt. Blockheizkraftwerke zeichnet aus, dass sie neben Wärme zusätzlich auch Strom erzeugen können.

Als kürzlich die betagte, etwa 25 Jahre alte Gasheizung von Dietrich Maurer seinem Schornsteinfeger nur noch einen abwertenden Kommentar abrang, stellte sich der Neuenrader „Bündnis 90 - Die Grünen“-Fraktionsvorsitzende die Frage: „Was nun?“ Eine gute Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Das Angebot an Heizungssystemen hat mittlerweile Ausmaße erreicht, die nur noch von Spezialisten durchschaut werden. Gas oder Öl, Holz in Form von Scheitholz oder doch lieber Pellets, eine Wärmepumpe –oder ein Blockheizkraftwerk? Für den ökologisch denkenden Kommunalpolitiker stand schnell fest, es soll etwas Gutes sein. Der Wirkungsgrad moderner Brennwerttechnik, die noch die Energie nutzt, die in den heißen Abgasen steckt, reichte ihm nicht aus. Es muss noch besser gehen. Dann stieß er auf eine Blockheizkraft im Mikro-Format – geeignet für Einfamilienhäuser. „Das Effizienteste am Markt“, stellt er fest. Das BHKW, das auf den Namen Dachs hört, mag vielen bekannt sein, arbeitet aber statt mit dem simplen Stirling-Motor mit einem normalen Verbrennungsmotor. Der Physiker und Mathematiker Maurer, der sowohl technisch als auch ökologisch interessiert ist, stieß dann auf ein Produkt, das maßgeschneidert schien: ein stromerzeugender Gas-Brennwertkessel, der auf dem Stirling-Prinzip basiert.

Am Mittwoch legten die Installateure letzte Handgriffe an, führten einen hydraulischen Abgleich durch, montierten noch ein Steuergerät für die Hocheffizienzpumpe und nahmen sie in Betrieb. Seitdem arbeitet die neue Heizung reibungslos. Dabei war es für Maurer nicht einfach, einen Installateur-Betrieb zu finden, der sich in diesem Bereich auskennt – oder es sich zutraut. In Hagen wurde er fündig. Derzeit zählen die Mikro-BHKWs noch zu den Exoten. Bei weiter steigenden Strompreisen könnten sich aber immer mehr Immobilienbesitzer für diese Art der Energieerzeugung entscheiden, denn der produzierte Strom kann auch selbst genutzt werden und macht somit unabhängig von den großen Versorgern. Zudem wird der Eigenverbrauch des Stroms bei weiter steigenden Preisen noch attraktiver als er jetzt schon ist. Auf die Frage, wann sich solch eine Investition denn lohne, gibt Dietrich Maurer zu, dass er die Rechnung auf Heller und Pfenning nicht aufgemacht habe. Er habe sich für die Anlage aus Überzeugung entschieden. Dass sie sich rechnet, ist für ihn sicher.

Wie sehr der Küntroper hinter alternativen Ideen steht, fällt schon vor dem Haus auf, wo sein Toyota Prius Hybrid parkt. In der Garage zeigt er dann noch eine Experimental-Konstruktion, mit der er Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegte, um anschließend mit dem Gas zu heizen. Das Ergebnis habe ihn aber nicht zufrieden gestellt, gesteht er, hält die Augen und Ohren auf der Suche nach wegweisenden Technologien aber stets offen. ▪ Markus Jentzsch

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