Dieser Neuenrader ist der Mann für alle Fälle

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Pasquale Lategano in seinem Büro im Erdgeschoss der Hönnequell-Schule.

Neuenrade - Es ist ein anspruchsvoller und anstrengender Job, der Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl erfordert – und auch Managementqualitäten. Hausmeister – das kann sicher nicht jeder.

Vor allem wenn es um so große Objekte wie die Hönnequell-Schule (HQS) mit den diversen Sporthallen plus Bücherei und Jugendzentrum geht. Wenn es darum geht, mit Menschen umzugehen. Und wenn es darum geht, dafür zu sorgen, dass etwas wieder funktioniert – oder immer noch. 

Zu denen, die es können, zählt sicher Pasquale Lategano, der derzeit viel um die Ohren hat, weil sein Mitstreiter länger ausgefallen ist. So war Pasquale Lategano eben der Mann für alle Fälle. Das allerdings auch nicht mehr allzu lange: „Ich gehe auf die 70 zu.“ 

Am 31. Dezember ist Schluss

14 Jahre macht er diese Arbeit nun. Seitdem der 69-Jährige Rentner ist, arbeitet er halbtags. Doch am 31. Dezember ist offiziell Schluss. „Mehr Zeit mit Frau und Enkelkindern“ will er verbringen. Zudem gibt es stressbedingte gesundheitliche Einschränkungen. Doch Lategano ist nicht der Typ, der jammert, sondern sein Leben annimmt. „Ich danke Gott, dass ich mit 70 noch so fit bin“, sagt er. In all der Zeit als Hausmeister war er „nur zweimal krank, nicht einmal zu spät“. 

Schon jetzt bezieht er Rente, seine Frau ebenfalls. Arbeiten müsste Lategano deshalb eigentlich nicht mehr. Dennoch: Ein bisschen bleibe hängen, sagt er. Aber er mache den Job eben nicht nur wegen des Geldes, sondern auch aus Freude an dieser Arbeit. 

Etliche Kilometer und viele Treppen

Auch eine gewisse Fitness gehört zu Lateganos Job. Etliche Kilometer legt der Haumeister auf dem Gelände zurück, dabei sind viele Treppen zu steigen. Und das Multitasking ist sicher in dieser Branche erfunden worden. Gleichzeitig telefonieren, Fensterhebel reparieren und sich um verlorene Sachen kümmern gehört zum täglichen Geschäft. Das Telefon bimmelt „30 bis 40 Mal pro Tag“. Lategano gibt Auskunft und weiß, wo welche Spezialbirne eingedreht werden muss. „Man muss eben die Arbeit so nehmen wie sie kommt“, sagt Lategano. 

Das Reich der Niederheide-Hausmeister erstreckt sich auch unterirdisch. Die Katakomben haben die Ausmaße einer kleine Fabrikhalle, Lagerräume gibt es in der Größe kleiner Klassenzimmer. Ein Raum beherbergt gewaltige Mengen Klopapier und Reinigungsmittel, ein Hausmeisterwerkraum ist mit allerlei Werkzeugen bestückt, ein Lagerraum für Stühle und Tische ist vorhanden, es gibt zudem jede Menge Besen, Bodenpflegegeräte, kanisterweise Pflegemittel. Dazu Gerätschaften, deren Sinn sich dem Außenstehenden nicht sofort erschließt. 

Hausmeisterbüro als Anlaufstelle

Das Hausmeisterbüro im Erdgeschoss ist zentraler Ausgangspunkt. Hier wird der Papierkram erledigt, hier laufen die Anfragen und Hilfeersuchen ein. Ob verstopftes Klo reparieren oder Bilder an die Flurwände hängen, alle Anfragen landen in Lateganos Büro. Die Lehrer wissen die Leistungen der Hausmeister zu würdigen: „Es gibt schon mal ein kleines Geschenk“, erzählt Lategano. Im Hausmeisterbüro sammeln sich die verlorenen Gegenstände. Derzeit sind es zum Beispiel drei Brillen. Ein weiteres Klamottenlager mit vergessenen Jacken, Pullovern und dergleichen gibt es im Keller. 

Weil laufend etwas zu tun ist, wird im Hausmeisterbüro auch manch pfiffige Idee geboren. Pasquale Lategano hatte zum Beispiel ständig mit defekten Eingangstüren zu tun. Die waren meist kaputt, weil die Türhebel beim Zuschließen nicht richtig in das Arrettierungsloch am Boden einrasteten. Ein kleiner Trick von Lategano, der eine kleine Metallleiste als Anstoßpunkt am Boden befestigte, löste das Problem – und erspart der Stadt seitdem bares Reparatur-Geld. 

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Fingerspitzengefühl muss der Hausmeister aber nicht nur beim Anschrauben der Metallleiste unter Beweis stellen, sondern immer wieder auch im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen. Das sei nicht immer einfach. Früher traf er bei abendlichen Kontrollgängen auch mal auf betrunkene Halbwüchsige, die Stunk machten, Flaschen an der Wand zerbersten ließen. Doch: „Diese Zeiten sind vorbei. Es ist sehr ruhig geworden“, findet Lategano. 

Auch wenn es kaum noch Ärger gibt, zu tun hat Lategano auch nach Dienstschluss. Denn: Abends lässt ihn das Diensttelefon nicht in Ruhe: Irgendwas ist immer. „Es ist nie richtig Feierabend.“

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