DRK-Kleiderladen

Bei diesem Geschäft in Neuenrade gewinnen alle

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Lilia Birukova (links) und Cordula Weier arbeiten beide ehrenamtlich und mit viel Herzblut in dem neuen Ladenlokal an der Werdohler Straße.

Neuenrade – Ob Markenware, gut erhaltene Allerweltskleidung, ob mehrteiliges Service, Gläser, Kindersachen oder gar ein Vaterland-Klappfahrrad: Der Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist eine Fundgrube.

Und es steckt ein spezielles Konzept dahinter: Längst nicht mehr ist der Kleiderladen ausschließlich eine Anlaufstelle für arme Menschen, sondern auch für jene, die das Konzept der Nachhaltigkeit befürworten. „Ressourcenschonend“ kann man hier in frisch renovierten Räumen günstig einkaufen: Gute, kaum getragene, ordentlich gefertigte Kleidung wird hier angeboten. Aber auch eine Kaffeemaschine, das gut erhaltene Bügeleisen, Modeschmuck oder eine Herrenlederjacke. Zur Kundschaft gehören jene, die den Einkauf selbst nutzen, oder diejenigen, die für andere kaufen, die sich nicht trauen vorbeizukommen. 

Lilia Birukova und Cordula Weier arbeiten beide ehrenamtlich und mit viel Herzblut in dem neuen Standort im Ladenlokal an der Werdohler Straße. Dort ist zwar nicht mehr so viel Platz wie im ehemaligen Gasthof zur Post, doch dafür ist es hier nun besser sortiert. Es gibt eine Frauen-, Damen- und Kinderabteilung. Dazu eine Ecke mit Spielzeug. Tatsächlich gibt es hier viel davon: vom Legostein bis zum Puzzlespiel und Kinderbuch. 

Nicht alles kann angenommen werden

Wer einen Laden betreibt muss auch für gute Waren sorgen. Frei nach dem alten Kaufmannsspruch „Im Einkauf liegt der Segen“ müssen die Ehrenamtlichen schon schauen, was sie bei nun beengteren Platzverhältnissen annehmen. „Wir sind froh, dass die Bürger uns was bringen. Aber es wird ausgesucht“, erläutert Weier. Und manches Mal, wenn etwas nicht vollständig ist oder gar zu altmodisch oder zu sehr gebraucht, dann müssen Weier, Birukova und Co. schon mal „schweren Herzens“ etwas ablehnen. Die Ware soll schließlich verkäuflich und die Verkaufsprognose akzeptabel sein. Das Sortiment wird auch regelmäßig ausgetauscht, was nicht läuft, kommt weg. „Neue“ Sachen füllen dann Ständer und Regale. Dinge, die man für einen Hausstand und im alltäglichen Leben benötigt, gibt es hier für wirklich wenig Geld. Cordula Weier betont: „Zu teuer dürfen wir nicht sein.“ 

Wer etwas für den Haushalt sucht, kann sich hier eindecken: Kochtöpfe gibts reichlich.

Ein Loblied wird auf die Neuenrader gesungen – die ließen das DRK mit guten Klamotten nicht im Stich. Aber auch aus Werdohl und Balve kämen Menschen, um Sachen zu bringen. Neuwertige Sachen sind im Sortiment ebenso zu finden, wie Fehlkäufe der einstigen Besitzer. Schuhe, Taschen. Filzhüte mit Preisschild. Auch Saisonartikel sind in der DRK-Boutique zu haben: Weihnachtsdeko, aber auch eben Sommer- und Winterbettwäsche, ebenso Tischdecken. Ob die Sachen verkauft werden? „Jede Kleidung oder Ware bekommt zumindest eine Chance. Sie ,wohnt eine Weile hier’“, sagt Weier. 

Auch seltene Einzelstücke

Seltene Einzelstücke gibt es im Kleiderladen auch. Etwas einsam in der Männerabteilung liegt da ein Hut, der aus dem Fundus der Fernsehserie „Babylon Berlin“ stammen könnte: Ein Federhut, wie er in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts bei der Dame von Welt begehrt war. Das Etikett zeigt, dass der Hut einst im Ruhrgebiet erworben wurde. „Vielleicht haben ja Theatervereine Interessen“, sagt Weier. 

Das DRK hat im Kleiderladen ein gutes Team und auch die Ehemänner machen mit, außerdem sind da noch zwei Mitarbeiter, die sich kümmern. „Karl Heinz Kuche und Zikrulla Gültekin müssen ran, wenn Not am Mann ist. 

Nur Spielzeug gibt es kostenlos

Punktuell hole man in Ausnahmefällen Sachen auch mal ab, sagt Weier. Außer Spielzeug wird im DRK-Laden nichts kostenlos abgegeben. Flüchtlinge, die frisch ankommen und nichts haben, bekommen von der Stadt einen 20-Euro-Gutschein, mit dem sie schon mal das Nötigste im DRK-Laden einkaufen können. „Und für 20 Euro bekommen sie hier richtig viel.“ Die Sache mit dem Gebot, außer Spielzeug nichts zu verschenken, habe auch mit gegenseitiger Wertschätzung zu tun. Und arm sei auch relativ, sagt Weier: „Jeder hat Geld zur Verfügung.“ Gefeilscht werde im DRK-Laden übrigens nicht: „Wir müssen ja auch die Miete erwirtschaften.“ 

Federhut aus den 20er Jahren in der DRK Kleiderkammer.

Stammkunden gibt es. Jene, die für Angehörige einkaufen. Und einige nutzen die Möglichkeiten, um die Armut in ihren Herkunftsländern zu lindern. Dazu gehört auch eine Frau, die nicht genannt werden möchte. Sie tut lieber still und leise etwas Gutes. So stöberte sie am Donnerstag nach Anziehsachen. Sie versorge Menschen auf den Philippinen mit guter Kleidung und Lebensmitteln, sagt sie. Sie mache das auf eigene Rechnung und sie unterstütze auch kleinere Projekte. „Die Menschen dort sind arm, sie verdienen vielleicht 100 Euro im Monat.“ DRK-Helferin Cordula sagt dazu: „Ich habe Bilder gesehen. Das ist schon berührend.“ 

Stadt hilft beim Umzug

Der Umzug zum neuen Standort an der Werdohler Straße, nur einem Steinwurf vom ehemaligen Kleiderladen im Gasthof zur Post entfernt, geschah auch mit Unterstützung der Stadt. Die stellte einen Wagen und zwei Männer, die beim Transport halfen, genauso wie „der Schwiegersohn von Lili“. Cordula Weier freut sich: „Die Männer haben richtig reingehauen.“ 

Und so kann das DRK-Team nun am neuen Standort fleißig am Ziel arbeiten: die Sachen unters Volk bringen. „Denn am Ende helfen die Einnahmen unseren sozialen Projekten in Neuenrade“, sagt Cordula Weier.

Die Öffnungszeiten: Verkauf: dienstags, 15 bis 17 Uhr; Annahme: mittwochs, 15 bis 17 Uhr; Annahme und Verkauf: donnerstags, 10 bis 12 Uhr.

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