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Ärger um geplante Schul-Erweiterung

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Von: Peter von der Beck

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SPD-Fraktionschef Thomas Wette, FWG-Vertreter Malik Neuhaus und Uli Naumann als Vertreter der Grünen sind verärgert wegen der aus ihrer Sicht mangelhaften Beteiligungsmöglichkeit.
SPD-Fraktionschef Thomas Wette, FWG-Vertreter Malik Neuhaus und Uli Naumann als Vertreter der Grünen sind verärgert wegen der aus ihrer Sicht mangelhaften Beteiligungsmöglichkeit. © Peter von der Beck

Neuenrade – Es ist ein wegweisendes Projekt für Neuenrade: Die Erweiterung von Burgschule und Offener Ganztagsschule. Ein kurvenförmiger Anbau ist vorgesehen, das pädagogische Raumkonzept mit Klassen-Clustern gilt als innovativ, orientiert sich an Beispielprojekten in Köln und ist auch in Bauvorschriften abgebildet.


Die Stadtverwaltung zitiert die Schulaufsicht, welche gar von einem „Leuchtturmprojekt für die Region“ spricht. Dem Bürgermeister liegt an einem Konsens, er hofft bei der Abstimmung im Rat auf Einstimmigkeit. Und es könnte alles so schön sein. Doch es gibt Ärger.

SPD, FWG und Bündnisgrüne sind sauer

Teile der Opposition – SPD, FWG und Bündnisgrüne sind von dem Projekt und vor allen Dingen von der Vorgehensweise nicht angetan. Auch die Baumfreunde und unmittelbare Nachbarn freuen sich keineswegs darüber, dass drei mehr als 100 Jahre alte Bäume nach den vorliegen Plänen dem Anbau weichen müssen. Nicht nur die Bäume verschwinden, auch das vorhandene Biotop geht bei Realisierung der Pläne unter.

Arbeitskreis

Seitens der Opposition gab es von Anfang an Verwunderung und zunehmend Ärger. So wurde nach einem einstimmigen Beschluss ein Erweiterungsentwurf präsentiert. Zu der Zeit begann das Murren dieser drei Oppositions-Fraktionen. Offenbar hatten die Mitglieder das Gefühl, dass sie hier nur etwas abnickten. Auch mit Unterstützung der Baumfreunde – die zudem ein Gutachten über die demnach erhaltenswerten Bäume präsentierten – stellten sich SPD, Bündnisgrüne und FWG gegen das so präsentierte Projekt. Als Kompromiss wurde nach einer turbulenten Ratssitzung ein Arbeitskreis gebildet – mit bestimmten Rahmenbedingungen: Das Architektenbüro soll demnach einen neuen Planungsentwurf erstellen. Folgende Eckpunkte mussten dabei in der genannten Reihenfolge berücksichtigt werden: Ausschließlich das bereits überplante Grundstück steht für die Neuplanung zur Verfügung, am pädagogischen Konzept der Schule und dem damit verbundenen Raumkonzept darf nicht gerüttelt werden, so viele Bäume wie möglich sollen erhalten werden. Vertreter aus Verwaltung, Schule, OGS-Leitung, Schulaufsicht und Fraktionsvertreter waren Teil des Gremiums.

Schulvertreter für Ursprungsentwurf

Um es vorwegzunehmen: Schule, OGS-Leitung, Schulpflegschaftsvertreter und Schulaufsicht befürworten den Ursprungsentwurf, nur wird das Gebäude um einen halben Meter niedriger, ein Baum bleibt möglicherweise erhalten. Im Grunde bleibt alles – nach zwei Arbeitskreissitzungen – wie gehabt. Die Verwaltung schreibt zudem, dass die Kosten dabei überschaubar blieben, auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch gar keine seriöse Kostenschätzung möglich ist. In einer Verwaltungsvorlage für die Ratssitzung am Dienstag, 26. April, werden die Alternativvorschläge als teuer dargestellt. Ohne Ross und Reiter zu nennen heißt es in der Vorlage, dass Gremiumsmitglieder unbedingt möglichst viele Bäume erhalten wollen und „Kosten dabei keine Rolle spielen“ dürften, Schülern sei zuzumuten, während der Bauphase in Container auszuweichen oder auf andere Schulen zu gehen.

Reduzierung der Gebäudehöhe

Weitere Kritikpunkte waren die Massivität des Anbaus. Ein erster Kompromiss, die Reduzierung der Gebäudehöhe um einen halben Meter und Ersatzpflanzungen weit über das geforderte Maß hinaus, wurde nicht akzeptiert. Eine zweite Runde war nötig, bei der die Fraktionen auch Pläne präsentierten, welche die vier Bäume retten sollten. Doch die Alternativvorschläge erforderten den Abriss eines Wohnhauses, außerdem würde ein Cluster-Raum fehlen, der Schulgarten würde verkleinert. Für die Fraktion der Schulvertreter keine ordentliche Alternative.

Bürgermeister verweist auf Verhältnismäßigkeit

Laut Verwaltungsentwurf bringt Bürgermeister Antonius Wiesemann noch Paragraf 54 II der Gemeindeordnung ins Spiel. Es müsse die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben – die Bäume müssten zugunsten der Schulerweiterung nach den vorliegenden Plänen weichen. Auch die Wirtschaftlichkeit sei zu berücksichtigen.

Fragen und Kritik

FWG, SPD und Bündnisgrüne sind sauer angesichts der Vorgehensweise. So reichen die Kritikpunkte der FWG von der Dimension der Mensa über Fragestelllungen zu den mobilen Wänden bei der Clusterlösungen, Nutzung des Poststraßengartens als grünes Klassenzimmer oder baumfreundliche Baualternativen. Die SPD will genau wie die FWG das pädagogische Konzept vorliegen haben, man kritisiert die Ausrichtung der Klassenräume nach Norden oder will alles zur Nutzung der alten Villa wissen. Die Bündnisgrünen erinnern neben altbekannter Kritik auch an die Pflicht, die Bürger an dem Projekt zu beteiligen. Um Einfluss auf den Entwurf nehmen zu können, müsse den Bürgervertretern diese Möglichkeit ausreichend gegeben werden. Bei so einem Projekt reiche keine einfache Mehrheitsentscheidung.

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