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Die Zukunft ist hier digital

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Von: Peter von der Beck

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MKL-Juniorchef Denny Kunsleben
MKL-Juniorchef Denny Kunsleben © Peter von der Beck

Neuenrade - Dicht gepackt stehen die großen Maschinen, die geschäftig brummen. Durch Sichtfenster an den Gehäusen können Besucher verfolgen, wie im Innern lange grobe Stangen am Ende zu kurzen und feinen Gebilden mit Löchern und abgeschrägten Rundungen verwandelt werden: Ein Gemeinschaftsprodukt von Handwerks- und Ingenieurskunst ist entstanden.

Dazu huschen Spindeln mit enormer Geschwindigkeit hin und her. Aus Leitungen fließt ein permanenter Strom von Bohröl direkt an die Werkstücke, um den Bearbeitungsvorgang kühl zu halten. Bis auf wenige Mikrometer genau wird hier gefräst. Software wurde dafür geschrieben, viel digitale Technik eingesetzt. Am Ende wird dieses kleine präzise gearbeitete Teil eine wichtige Funktion in der Hydraulik der Fahrwerksdämpfung eines Renn- oder teuren Oberklassewagens erfüllen. „Das ist das schnellste hydraulische Regelventil der Welt,“ sagt MKL-Juniorchef Denny Kunsleben.

Klimatisierter Prüfraum

Um die Ausschussquote gen Null zu bringen, durchlaufen die Teile noch eine händische Prüfung. Doch auch hier wird demnächst digitale Technik mit Spezialkameras eingesetzt „Die Prüf-Anlage schafft dann an einem Tag soviel wie ein Mitarbeiter in einer Woche,“ sagt Kunsleben. Wieder wird so neues Potenzial frei. Schon während der Fertigung werden die Teile, die eine Prüfnummer haben, kontrolliert. Es gibt einen mit digitaler und konventioneller Technik ausgestatteten klimatisierten Prüfraum. Dort können Fehler sofort entdeckt, die Toleranzen von wenigen Mikrometern gehalten werden.

Großer Erweiterungsbau mit Vision von mannloser Fertigung

Die MKL Dreh- und Frästechnik wächst und gedeiht, zählt inzwischen 28 Mitarbeiter und man investiert laufend. Ein Millionenbetrag für die Firmenerweiterung nebst Maschinen wird in die Hand genommen. 1600 Quadratmeter mehr Platz und entsprechend mehr Kapazität entsteht durch den Anbau, der in der 32. Kalenderwoche in Betrieb gehen wird. Der 36-jährige Juniorchef Kunsleben hat die Vision, dass hier langfristig „eine mannlose Fertigung“ möglich sein wird.

Digitalisierung in vollem Gange

Die Dititalisierung in dem Unternehmen ist denn auch in vollem Gange. Das Unternehmen hat einen Programmierer eingestellt, eigene Software wird für innerbetriebliche Vorgänge geschrieben, der Wertstrom im Unternehmen abgebildet. Denny Kunsleben, gelernter Werkzeugmechaniker und angehender Maschinenbauer, hat die Vision, dass mit Künstlicher Intelligenz (KI) alles im Unternehmen erfasst und gesteuert wird. Dabei gehe es jetzt erstmal auch ums Datensammeln. All das ist für den Unternehmer auch eine Frage der Zukunftssicherung. „Wir wollen im Prinzip für die Mitarbeiter, die wir haben, sichere Arbeitsplätze. Und zeitgleich mit diesen technischen Hilfsmitteln den Ausstoß erhöhen.“

Mensch nicht ersetzbar

Den Menschen da insgesamt zu ersetzen – das sei allerdings schon eine Hausnummer. Es passiere immer etwas Unvorhergesehenes – da müsse der Mensch dann immer wieder eingreifen. „Aber für die nächsten zehn bis 20 Jahre brauchen wir hochausgebildete Prozesse. Und wenn die aktuelle Entwicklung eine Parabel sei, so sei das produzierende Gewerbe jetzt an der Steigung, verdeutlicht Kunsleben den generellen Digitalisierungsprozess.

„Firmen, die diesen Trend (zur Digitalisierung) verschlafen, wird es irgendwann nicht mehr geben.“

Den Wandel zu bewältigen sei nicht einfach. So dürfe man bei KI nicht wie eine Maschine denken. Vieles sei auch Neuland. Es gebe schon etliche automatisierte Verfahren, aber es gebe eine ganze Reihe Prozesse, die in der Vergangenheit nie aufgetaucht seien. Es gebe Hürden. „Firmen wie wir müssen uns monatlich auf Änderung der Marktverhältnisse einlassen – und da müssen immer noch wir Menschen ran.“ Kunsleben verweist auf Lieferkettenprobleme und andere Gegebenheiten. Es sei schwierig, so etwas technisch abzubilden. „Wir sind lange noch nicht da.“ Aber in einem ist er sicher: „Firmen, die diesen Trend (zur Digitalisierung) verschlafen, wird es irgendwann nicht mehr geben.“

Familienbetrieb

MKL ist hervorgegangen aus einem Handel mit Schmiedeteilen und ein wenig Drehteil-Herstellung. Als sich das Geschäft mit Schmiedeteilen wegen der Verlagerung nach Osten nicht mehr lohnte, sei die Sache mit den Drehteilen ins Spiel gekommen. Fortan verdiente der Familienbetrieb damit Geld. Kurz vor der Krise 2008 hatte MKL in nagelneue Maschinen investiert. „Das kam uns zugute“, erläuterte Denny Kunsleben die Entwicklung.

Komplexe Teile

Inzwischen produziert MKL hochwertige Bauteile mit ordentlicher Wertschöpfung. Kunsleben: „Unser Maschinenpark ist auch jetzt so auf komplexe Teile ausgelegt.“ Zudem pflege man eine enge Zusammenarbeit mit Kunden wegen der Qualität „Wir sind nicht so schnell ersetzbar,“ sagt Kunsleben. Das Unternehmen lege dabei auch Wert auf Unabhängigkeit. „Unabhängigkeit bedeutet für uns auch eine ordentliche Verhandlungsbasis.“

Breit aufgestellt

Breit gestreut ist daher das Kundenspektrum. 10 bis 15 Prozent Automobilindustrie, 50 Prozent Hydraulik-Industrie, dann gibt es noch Kundschaft im Bereich der Medizin oder auch der Luftfahrt. Die MKL Dreh- und Frästechnik will wachsen und ist immer auf der Suche nach Fachkräften. Auch Azubis kann Kunsleben immer gebrauchen – man bildet aus.

Partnerschaftlich im Umgang mit den Kunden

Derzeit läuft es – trotz der widrigen Umstände wie laufende Verteuerung und damit verbundener Unsicherheit, drastischer Verlängerung von Lieferfristen – dennoch gut. „Die Kunden sind derzeit froh, überhaupt Teile zu kriegen.“ Kunsleben betonte, dass man dabei den Markt nicht ausnutze. Grundsätzlich setze man auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Kundschaft. „Und Probleme sollte man in beiderseitigem Interesse lösen“. Kunsleben lobt den Mittelstand, der in vielen Facetten nachhaltig denke. „Bei den Großen zählt allein das Geld.“

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