„Die grüne Neune“: Einblick in die Kräuterkunde

NEUENRADE ▪ „Ach du grüne Neune“ ist eine Redewendung, die vielen geläufig sein müsste. Über die Herkunft gibt es unterschiedliche Aussagen. Aus dem Bereich der Kartenspiele könne der Ausdruck der Verwunderung stammen, oder vielleicht doch aus dem Umfeld eines Theaters, wie manch Historiker glaubt.

Die Affelner Heilpraktikerin Sabine Wiens weist auf eine ganz andere Herkunft hin. Es handelt sich um die neun (Zauber-) Kräuter, aus denen unsere Vorfahren die Gründonnerstagssuppe zubereiteten. Wegerich, Löwenzahn, Gundermann, Giersch, Vogelmiere, Ackerschachtelhalm, Bennnessel, Beifuß und Gänsblümchen fanden sich in dieser Suppe wieder und verliehen ihr ihren Namen. Das erklärte Sabine Wiens unter anderem am Freitagabend im Neuenrader Neri-Haus, wo sie auf Einladung des ökumenischen Arbeitskreises der Frauen einen überaus interessanten Vortrag zum Thema Pflanzenheilkunde hielt. Wiens informierte aber nicht nur umfassend über die verschiedensten Wildkräuter, sie hielt auch ein paar Rezepte zum Nachkochen für die Damen parat. Die hatten im Vorfeld für diesen Abend einige Vorbereitungen getroffen. Passend zum Thema Kräuter stand duftender Kräutertee bereit, ebenso wie verschiedene Sorten Kräuterquark, Kräuterbutter und frische Kresse.

Die Referentin unternahm zu Beginn einen Abstecher in die Vergangenheit, in die Zeit der Hexenverbrennungen. Damals habe man versucht, das Wissen um die Wirkungen der Kräuter auszulöschen – Teufelszeug. Es habe einige Zeit gedauert, bis die Menschen sich besannen und die „verhexten Zauberkräuter“ aufgrund ihrer positiven Wirkungen wieder verwendeten. Wiens wusste einiges zu berichten, sprach über die Verankerung im Glauben und magische Rituale. So habe Beifuß im Haus die Bewohner vor Donner und Blitz beschützt, denn Beifuß sei unter den Kelten als die Pflanze des Donnergottes Baldur bekannt gewesen, erklärte Wiens.

Die Heilpraktikerin aus Affeln stimmte zudem ein Loblied auf die Brennnessel an. Dafür sollte jeder in seinem Garten eine kleine Fläche reservieren, riet sie. Nicht nur 40 Schmetterlingsarten seien direkt von dieser Pflanze abhängig, für den Menschen könne sie ebenfalls viel Gutes tun. Dass die Wirkung vieler Pflanzen und Kräuter natürlich nur richtig wirke, wenn der passende Zauberspruch angewandt würde, vergaß Wiens nicht zu erwähnen. Sachlich, aber mit einer sympathischen Portion Humor brachte Sabine Wiens das Thema näher und ließ dabei altes Wissen wieder aufblühen.

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