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„Die Fichte ist am Ende“: Auch letzte Bestände vom Borkenkäfer befallen

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Von: Peter von der Beck

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Kaputte Waldwege durch die Borkenkäferholzabfuhr erfordern einen hohen Reparaturaufwand. Die Aufforstung und die dadurch erforderliche Lohnarbeit auf unwegsamem Gelände bei Setzlingsknappheit erschweren die Forstwirtschaft.
Kaputte Waldwege durch die Borkenkäferholzabfuhr erfordern einen hohen Reparaturaufwand. Die Aufforstung und die dadurch erforderliche Lohnarbeit auf unwegsamem Gelände bei Setzlingsknappheit erschweren die Forstwirtschaft. © Witt, Carla

Damals, vor Kyrill und vor der Borkenkäferplage, da war es ein ausgefuchstes System. Beim Sparkassenwald ein paar Fichten einschlagen und mit dem Erlös wieder aufforsten, ein paar Wege reparieren und noch etwas an die Seite legen.

Das ist vorbei – oder wie es Revierförster Frank Bossong formulierte: „Die Fichte ist am Ende“, sagte der Experte am Dienstagabend im Ausschuss für Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit und Forsten. Vorbei also auch die Zeiten für den Bauern, der in einer Ecke seines Besitzes noch Fichtenbestand hatte und die Bäume für den neuen Schlepper verkaufte.

Jetzt ist der Wald weg, verkauft zum Kyrill- oder Borkenkäferpreis. Die letzten Fichtenbestände am Kohlberg (Nähe Skiwiese) seien nun auch vom Käfer befallen, hätten Hitzeschäden und würden braun. Teilweise sei das feine Wurzelwerk geschädigt, die Bäume hätten dadurch an Vitalität verloren. Nicht viel besser sieht es in Affeln aus. So berichtete Bossong, dass es bis 2019 dort noch „die stehende Sparkasse“ gegeben habe. Das sei jetzt auch vorbei. Am Imberg sei alles futsch, ein paar Reste stünden noch in Ennest.

Erste Erträge wohl erst in rund 40 Jahren

Klar ist nun: Neuenrade mit seinem knapp 300 Hektar Stadtwald muss zunächst viele, viele Jahre investieren, Wege sanieren, neue, besonders resistente Bäume pflanzen, hegen und pflegen. Irgendwann, vermutlich in 40 oder noch mehr Jahren, wird es wieder erste Erträge geben, welche zur Bestandspflege herangezogen werden können. Vorher werde man allerdings Minus machen, ließ Bossong im Rahmen eines Telefongesprächs durchblicken. Eine wohl siebenstellige Zahl von Bäumchen muss gepflanzt werden. Das erfordere Manpower und jede Menge Pflanzen.

Doch mit dem Jungpflanzenmaterial sieht es bescheiden aus, zudem fehle die Manpower. Auch der Korridor für die Pflanzzeiten ist enger geworden. Die Flächen sind zum teil schlecht zugänglich, ein Aufforsten ist mühselig. Hinzu kommt die Pflege wie der Verbissschutz. Auch die Waldwege, zum Teil stark durch Lastwagen, Harvester und Rückaktionen geschädigt, spielen noch eine Rolle bei der Rechnung. Es gibt Fördermittel, welche die Stadt aus diversen Töpfen (Aufforstung, Wegebau) beantragt hat, die allerdings die Schäden nicht kompensieren können. Auch die Waldprämie, 100 Euro pro Hektar, ist hilfreich, aber reicht sicher nicht.

Ausschuss verabschiedet Wirtschaftsplan

Ein Wirtschaftsplan für das Jahr 2022 wurde vom Umweltausschuss verabschiedet. Ein kleiner Überschuss in Höhe von knapp 9400 Euro wird auf dem Papier erzielt – bei einem Aufwand von 277 600 Euro und einem Ertrag von 287 100 Euro. Der Ausschuss stimmte dieser Beschlussempfehlung zu.

Anwesend war im Ausschuss auch Jörn Hevendehl. Der Mann ist Fachgebietsleiter für den Geschäftsbereich Dienstleistungen des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland. Er hatte einen Vorschlag parat, der bei den Ausschussmitglieder auf ein reges Interesse stieß. Er schlug eine Art Public-Private Partnership vor, bei der private Unternehmen sich für den Wald einsetzen und zum Beispiel die Rechnung für die Baumschule übernehmen könnten. So könne ein Unternehmen auch etwas für den Klimaschutz tun. Möglicherweise könne die Verwaltung auch ein Bürgerwaldlogo entwickeln und so ein Sponsoring für Waldwege etablieren, sagte er.

Bürgermeister optimistisch

Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) zeigte sich optimistisch und sagte dazu, dass Neuenrade beim Sponsoring eine gute Tradition habe.

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