Eine große Motivation treibt sie an

Die einzige Frau unter Männern: Ronja Martens ist die erste Försterin im Märkischen Sauerland

Ronja Martens ist die neue Försterin im Bezirk Affeln und damit die erste Frau als Bezirksleiterin im gesamten Regionalforstamt Märkisches Sauerland.
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Ronja Martens ist die neue Försterin im Bezirk Affeln und damit die erste Frau als Bezirksleiterin im gesamten Regionalforstamt Märkisches Sauerland.

„Bereits als ich in der dritten Klasse war, wollte ich Wildbiologin werden“, erinnert sich Ronja Martens. Ihr Vater war Jäger „und wir hatten zuhause auch immer Rebhühner“, wuchs sie mit einer Verbundenheit zur Natur auf. „Doch später habe ich gemerkt, dass Du mit Wildbiologie nicht soviel anfangen kannst“, sagt sie – und entschied sich deshalb für eine andere berufliche Laufbahn.

Seit Anfang des Monats ist Ronja Martens nun die Leiterin des Forstbezirks Affeln und damit zugleich die erste Försterin in der 70-jährigen Geschichte des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland. „Dass ich gleich nach der Ausbildung eine Leitungsfunktion übernehme und keine Assistenzstelle, hätte ich nicht gedacht, aber das ist jetzt auch aufregend und spannend so“, sagt Martens erfreut.

Die 24-Jährige stammt gebürtig aus Sittensen bei Hamburg. Aber da ist ja nicht soviel Wald“, begründet Martens, warum sie für ihre Anwärterinnenstelle im Oktober 2019 bereits ins Sauerland kommen musste. „Das Team war hier so nett, dass ich bleiben wollte.“ Und wie es der Zufall wollte, wurde eine Stelle frei – in Affeln. Denn Vorgänger Frank Bossong wechselte nach Neuenrade, wo Franz-Josef Stein nach 40 Jahren in den Ruhestand ging. „Bis dahin habe ich in Altena gewohnt, bin jetzt aber eigens nach Garbeck umgezogen“, erzählt die junge Frau.

Bereits mit 16 Jahren den Jagdschein gemacht

Mit 16 Jahren machte Martens ihren Jugendjagdschein. „Jugendliche dürfen an keinen Gesellschaftsjagden teilnehmen und überdies nicht alleine zur Jagd gehen“, erklärt die Mitttzwanzigerin den Unterschied zum Erwachsenenjagdschein. So ging sie also die ersten zwei Jahre in Begleitung ihres Vaters in den Wald.

Das macht sie mittlerweile längst ganz für sich. „Meine Familie findet meinen beruflichen Weg gut. Alle finden das cool. Es gibt ausschließlich positives Feedback“, freut sich Martens über den familiären Rückhalt. Als Single habe sie kein Partner im hohen Norden gehalten. „Nur den Kontakt zu meinen Freunden halten, ist etwas schwieriger geworden. Und hier im Sauerland neue Leute kennenzulernen geht ja momentan auch nicht, bei den coronabedingten Einschränkungen.“

Studium der Forstwissenschaft und Waldökologie in Göttingen

Vier Jahre hat die neue Försterin vor ihrer Anwärterzeit im Märkischen Kreis Forstwissenschaften und Waldökologie in Göttingen studiert. „Dort habe ich mir zwar auch einen Freundeskreis aufgebaut. Doch meine Mitstudenten sind ja nun auch überall verstreut“, berichtet sie.

Nach den ersten Wochen in ihrem neuen Job seien die bisherigen Erfahrungen überaus positiv, unterstreicht sie. Noch laufe zwar nicht alles wie am Schnüchen, wenn sie aber Fragen habe, helfe ihr insbesondere Amtsvorgänger Frank Bossong. Etwas Negatives fällt Martens dann aber doch noch ein: „Ich bin ja nur 1,61 Meter, sehe jünger aus, als ich bin und außerdem bin ich eine Frau. Manchmal fehlt mir schon die Autorität. Aber Ende zählt ja nur mein fachliches Wissen“, sagt sie schmunzelnd, um schnell zu ergänzen: „Ich weiß aber auch gar nicht, ob das nur meine eigene Sicht der Dinge ist mit der fehlenden Autorität. Vielleicht gibt es das Problem auch gar nicht. Überhaupt gab es nur eine Situation, in der ich leicht diesen Eindruck hatte.“

Im Sauerland „brenn es derzeit“

Neben den „tollen Kollegen hier vor Ort“, gab es mit dem Klimawandel für Martens noch eine zweite große Motivation, im Sauerland zu bleiben. „Hier brennt es derzeit, hier werde ich gebraucht.“ So ist sie an einem durchschnittlichen Arbeitstag nun mindestens neun Stunden im Auftrag des heimischen Waldes tätig, zur Hälfte im Büro oder am Telefon.

Die andere Hälfte des Tages verbringt Martens draußen in der freien Natur. „Auch mal anpacken zu müssen, stört mich nicht, im Gegenteil: Für meinen Geschmack könnte das ruhig noch etwas mehr sein. Das macht ja auch Spaß.“ Die wirklich schweren Handgriffe übernehmen die Forstwirte und Unternehmer, deren Chefin sie jetzt nun einmal sei. Die Waldbesitzer auf der anderen Seite nennt Martens ihre „Kunden“.

Arbeitsvertrag ist zunächst auf zwei Jahre befristet

Ihr Arbeitsvertrag ist zunächst befristet auf zwei Jahre. „Doch schon nach einem Jahr kann es sein, dass ich mit etwas Glück verbeamtet werde.“ Mit Blick auf ihr Konto und in Erinnerung an die Zeit als Studentin, zeigt sie sich zufrieden: „Jetzt kann ich mir schon auch mal etwas leisten.“ Einen Dienstwagen habe sie auch bekommen, „allerdings ist der nicht ganz so geeignet für Fahrten im Wald“, schränkt sie sogleich ein. „Er ist nicht hoch genug, setzt manchmal auf dem Boden auf.“

Eigentlich sei für sie jeder Arbeitstag anders. „Andererseits hat 100 Prozent meiner Arbeit momentan mit dem Borkenkäfer zu tun.“ Als Försterin sei sie Einzelkämpferin und oft allein im Wald, genieße dann die Ruhe. Das Gebiet, welches sie betreut, umfasst rund 1400 Hektar.

Gemeinsam den Wald zukunftsfähig machen

Mit 130 Waldbesitzern arbeite sie nun daran, den Wald zukunftsfähig zu machen. „Auf jede Aufforstungsfläche sollten künftig vier verschiedene Baumarten.“ Eine Fläche, das seien zwei oder drei Hektar, führt sie weiter aus. „Die Waldbesitzer sind da alle voll und ganz auf meiner Seite, wenn es darum geht, den Wald stabiler zu machen. Die sind sämtlichst sehr offen für mein Konzept.“

Wenn Martens Feierabend oder Wochenende hat, ist sie momentan noch mit dem Auspacken ihrer Umzugskartons beschäftigt. Aber gelegentlich sitzt sie auch schon wieder an ihrem Klavier, auf dem sie leidenschaftlich gerne spielt. „Ansonsten sind meine Hobbys Klettern, Schwimmen und Inliner-Fahren“, zählt sie weiter auf.

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