Stadtmuseum

Vaterland-Moped ist heimgeholt

Der Zahn der Zeit hat ein wenig am Vaterland-Moped genagt, aber für Baujahr 1954 und mit einer Fahrleistung von nur 2181 Kilometern ist es noch sehr gut erhalten und bald wieder fahrbereit. Die Technik ist simpel.
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Der Zahn der Zeit hat ein wenig am Vaterland-Moped genagt, aber für Baujahr 1954 und mit einer Fahrleistung von nur 2181 Kilometern ist es noch sehr gut erhalten und bald wieder fahrbereit. Die Technik ist simpel.

Neuenrade – Ein ganz besonderes Stück Heimat holten Klaus Peter Sasse, Ulrich Tillmann und Heinz-Werner Turk heim ins Stadtmuseum: Ein seltenes Vaterland-Moped.

548 Mark hat das Fahrrad mit Hilfsmotor – heute würde es Moped (zusammengesetzt aus Motorrad mit Pedalen) heißen – einst gekostet. Jetzt haben die Betreiber des Stadtmuseums das Gefährt – in Anlehnung an das Baujahr 1954 – für 2454 Euro aus Dorsten zurückgekauft. Mithilfe eines so genannten Heimatschecks, einer 2000-Euro-Förderung der NRW-Landesregierung, konnte dieser Ankauf gestemmt werden.

Das 2 PS starke Zweirad mit einem Sachs-Motor stammt von der Neuenrader Firma Vaterland, die einst im Mühlendorf beheimatet war. „Das heutige Café Karl war das Verwaltungsgebäude“, erklärt Ulrich Tillmann. Klaus Peter Sasse indes erklärt: „Ich kann mich sogar noch erinnern, dass in meiner Kindheit diese Mopeds hier herum fuhren.“ 40 Kilometer pro Stunde schnell konnten die Moped-Vorläufer werden. Heinz-Werner Turk weiß: „Damals waren die Motoren ja noch nicht gedrosselt.“

Ex-Bürgermeister Sasse kommt auf den frischen Ankauf zurück: „Das Teil ist augenblicklich nicht fahrtüchtig. Aber mit neuen Zündkerzen und den notwendigen Flüssigkeiten – Benzin, Öl, Bremsflüssigkeit – ist es bald wieder betriebsbereit.“ Außerdem müsste noch die Tank-Versiegelung rückgängig gemacht werden.

Die Stadtmuseums-Wärter haben das Vaterland-Erzeugnis im Februar selbst aus der Lippe-Stadt Dorsten abgeholt.

„Das ist ein ganz seltenes Teilchen“, freut sich Sasse über diesen Coup. „Ich bin selbst mit solch einem über Jahre hinweg gefahren“, erklärt derweil Tillmann. Drei Jahrzehnte war dies übrigens ohne Betriebserlaubnis möglich: „Eine solche wurde für das Teil erst nachträglich – genau: 1988 – erlassen“, weiß Sasse. Die sprichwörtliche deutsche Bürokratie ist folglich also nicht schon immer da gewesen, sondern erst gewachsen.

Besonders stolz sind die Museumsverantwortlichen nun, dass sie nicht nur das Vaterland-Erzeugnis selbst ausstellen können. „Wir haben auch die Betriebserlaubnis und sogar noch den Original-Kaufvertrag“, freut sich Sasse. Für ihn steht durch diesen Ankauf unumstößlich fest: „Vaterland war zurecht immer für die Qualität und Langlebigkeit seiner Produkte bekannt.“

Ebenso langlebig soll das Stadtmuseum noch werden, welches erst seit dem 3. Oktober 2015 besteht. Damit es für die Neuenrader und Besucher aus dem Umkreis attraktiv bleibt, suchen Sasse und seine Mitstreiter weiter nach „neuen“ Exponaten.

Stadtmuseum: Das Stadtmuseum Neuenrade hat ab Sonntag, 18. Juli, wieder geöffnet. Ab diesem Tag werden natürlich das neu erworbene Vaterland-Moped sowie alle anderen bislang ausgestellten Exponate für Besucherinnen und Besucher an jedem dritten Sonntag zwischen 15 und 17 Uhr zugänglich sein. Außerdem können bei Klaus Peter Sasse, Tel. 01 70 / 4 51 79 02, Sonderführungen vereinbart werden.

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