Stadt Neuenrade möchte eine Grünanlage

Deutsches Haus und Nebengebäude sollen abgerissen werden

Falls das Vorhaben als Ikek-Projekt gefördert wird, sollen die ehemalige Gaststätte Deutsches Haus und das Gebäude links daneben abgerissen werden.
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Falls das Vorhaben als Ikek-Projekt gefördert wird, sollen die ehemalige Gaststätte Deutsches Haus und das Gebäude links daneben abgerissen werden.

Die Stadt Neuenrade möchte zwei Gebäude an der Ersten Straße erwerben und abreißen lassen. Anschließend soll dort, quasi zwischen Eulengasse und Evangelischer Kirche, eine Grünanlage entstehen. Während der Sitzung des Bau-, Planungs- und Stadtentwicklungsausschusses haben die Kommunalpolitiker am Montag beschlossen, für dieses Projekt Fördermittel im Rahmen des Integrierten kommunalen Entwicklungskonzeptes (Ikek) zu beantragen.

Neuenrade - Abgerissen werden sollen die ehemalige Gaststätte Deutsches Haus und das angrenzende Gebäude. Die Häuser seien der Stadt zum Kauf angeboten worden, berichtete Bauamtsleiter Marcus Henninger. Durch das Projekt könne man im innerstädtischen Bereich Flächen entsiegeln und Erholungsraum schaffen, auch einige Stellplätze seien geplant. Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) ergänzte, auch die Statue des Stadtgründers Graf Engelbert könne dort – in der Nähe des Rathauses und der Evangelischen Kirche – ein neues Zuhause finden.

Um für das Projekt Fördergelder beantragen zu können, benötige die Verwaltung umgehend grünes Licht von den Ausschussmitgliedern. „Bis Ende dieses Monats müssen wir die Förderung beantragen“, sagte Henninger. Er unterstrich: „Deshalb ist dieser Vorschlag mit der heißen Nadel gestrickt.“

Genau damit konnten sich die Sozialdemokraten nicht anfreunden. „Wir sollten bei den priorisierten Ikek-Projekten bleiben und die Förderung für die Erste Straße beantragen, wenn wir mehr wissen“, meinte Sozialdemokrat Frank Bäcker. Schließlich entscheide man über eine beachtliche Summe – und das Ganze sei noch mit vielen Fragezeichen versehen.

In der Verwaltungsvorlage waren die Gesamtkosten für die „Grünanlage Eulengasse“ mit 250 000 Euro angegeben. Der voraussichtliche Eigenanteil der Stadt würde sich demnach auf 87 500 Euro belaufen. Die Kosten für die bisher priorisierten Projekte Schulwegkonzept und Barriereatlas werden mit 36 500 Euro (Eigenanteil: 12 775 Euro), beziehungsweise 20 000 Euro für das Spielplatzkonzept (Eigenanteil 7000 Euro) angegeben.

Ulrich Naumann von den Grünen hakte nach, ob es nicht möglich sei, die Gebäude zu erhalten, um dort günstigen Wohnraum zu schaffen. Das bezweifelte der Bauamtsleiter. Die Bausubstanz sei in keinem gutem Zustand, ein Abriss vermutlich unumgänglich. Und falls die Gebäude dann tatsächlich neu aufgebaut würden, sei fraglich, ob dort noch Wohnraum zu einem günstigen Preis zur Verfügung stehe.

Weitere Fragen von SPD und Grünen zum Verkäufer und dem Hintergrund des Angebotes an die Stadt durften im öffentlichen Teil der Sitzung nicht beantwortet werden.

„Wir begehen kein Harakiri, wenn heute ein entsprechender Beschluss gefasst wird“, verdeutlichte Kämmerer Gerhard Schumacher. Die entsprechende Summe sei nicht in den Haushalt eingestellt worden. „Wir reden hier nur über einen Kauf, falls wir auch die entsprechende Förderung erhalten.“ Das unterstrich auch Daniel Wingen (CDU): „Wir müssen Fristen einhalten. Wenn dann ein positiver Förderbescheid kommt, können wir uns um das Grundstück kümmern.“ Der Bürgermeister warb ebenfalls für eine positive Abstimmung: „Wir brauchen heute nur das Signal aus diesem Ausschuss, um überhaupt weitermachen zu können.“

Bei der Abstimmung enthielten sich die beiden SPD-Mitglieder und der Grüne. Sie seien nicht gegen das Projekt, aber benötigten für ein positives Votum weitere Informationen, hieß es.

Die Eigentümerin des Hauses, Ruth Orthaus-Echterhage, hatte das ehemalige Deutsche Haus bereits 2017 gekauft – und dort in einer Wohnung neun Messer, zwei Revolver, Munition und Zubehör vorgefunden. Die Polizei wollte prüfen, ob die Waffen mit einem Verbrechen in Verbindung standen. Zudem war eine Wohnung völlig vermüllt und verdreckt. Orthaus-Echterhage hatte damals im Gespräch mit der Redaktion erklärt, die bisherige Besitzerin sei eine Seniorin, die sich selbst nicht mehr um das Gebäude und die Mieter kümmern könne. Sie habe die Geschäftsfrau darum gebeten, das Gebäude zu einem symbolischen Preis von einem Euro zu kaufen.

Weitere Fragen konnte Ruth Orthaus-Echterhage – sie ist selbst Mitglied des Ausschusses, nahm aber an der Sitzung am Montag nicht teil – der Redaktion am Dienstag nicht beantworten; sie war nicht erreichbar.

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