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Kulturverein derzeit ohne Moschee

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Von: Peter von der Beck

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Die ehemalige Moschee des Türkisch-islamischen Kulturvereins Neuenrade und Umgebung
Die ehemalige Moschee des Türkisch-islamischen Kulturvereins Neuenrade und Umgebung © von der Beck, Peter

Der türkisch-islamische Kulturverein Neuenrade ist derzeit ohne Moschee. Der Verein musste aus den Gebäuden an der Werdohler Straße ausziehen, die neue Moschee ist noch nicht fertig.

Verzögerungen beim Neubau

Neuenrade – Die aktuellen Zustände in der Baubranche mit exorbitant gestiegenen Preisen, unterbrochenen Lieferketten, damit verbundener Materialverteuerung und der Schwierigkeit, Handwerker zu finden, gehen auch an einen großen Neuenrader Bauprojekt nicht ohne Auswirkungen vorbei: Der Bau der neuen Moschee am Schöntaler Weg verteuert und verzögert sich. Das machte das Vorstandsmitglied der Gemeinde und Moscheebeauftragter, Hamit Yilmaz, in einem Telefongespräch deutlich. Zudem ist das Mietverhältnis des bisherigen Moschee-Gebäudes an der Bahnhofstraße zwischen Kulturverein und Stadt Neuenrade durch die vertragsgemäße Räumungsfrist beendet. Aktuell hat der islamische Verein in Neuenrade keine Moschee.

Übergangsfrist für alte Moschee

Die Stadt gewährte nach einem politischen Beschluss noch eine dreimonatige Übergangsfrist. Am vergangenen Freitag räumten Mitglieder des türkisch-islamischen Kulturvereins Neuenrade den Gebäudekomplex, am Dienstag gab der Vorstand den Schlüssel im Rathaus ab. All das sei vor allem den Älteren nicht leicht gefallen, die ja die Moschee mit viel Herzblut aufgebaut hätten, ließ Yilmaz durchblicken.

Zwischenlösung in Sicht

Aktuell stehe der Kulturverein zwar ohne Moschee da, man habe aber ein Übergangsobjekt im Blick und warte auf die Genehmigung für eine Nutzungsänderung, sagte Hamit Yilmaz. Solange noch nicht alles unter Dach und Fach ist, will der Moscheebeauftragte nicht sagen, wo man bis zur Fertigstellung des Neubaus unterkomme. Es soll aber in der Innenstadt sein, war von anderer Stelle zu hören. Yilmaz ließ zudem durchblicken, dass man auch noch für Angebote offen sei. Maximal zwei Jahre, so stellt es sich Yilmaz vor, soll der Übergangszeitraum bis zum Bezug des Neubaus dauern. Die neue Moschee (damals geschätzte 1,5 bis 2 Millionen Euro Baukosten) soll Platz für bis zu 500 Menschen bieten. In dem Gebäude sind auch Schulungs- und Seminarräume geplant.

Verteuerungen

Es seien schwierige Zeiten, sagte Hamit Yilmaz. Handwerker zu finden sei nicht einfach, zudem hätten sich die Kosten für Projekte teils verdreifacht. Auch die aktuellen Dachdeckerarbeiten kosteten erheblich. Die Miete für den Gebäudekomplex mit der Alt-Moschee an der Bahnhofstraße könne man nun sparen. Es handele sich um ortsübliche Miete, die sich mit Nebenkosten im mittleren vierstelligen Bereich bewegt habe. Zum Hintergrund: Der Türkisch-islamische Kulturverein Neuenrade hatte die ehemalige Tankstelle mit benachbarten Gebäuden für rund 300 000 Euro 2017 an die Stadt Neuenrade verkauft und bis Neubaufertigstellung zurückgemietet.

Emug betreut Neubau

Dieses Kapital dient neben Spenden und persönlichem Engagement der Gemeindemitglieder als Grundstock für den Neubau am Schöntaler Weg, der von der Emug (Europäischer Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft) betreut wird. Die Emug gilt als eng verzahnt mit der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüs. Eine Religionsgemeinschaft, die seit August 2015 einen Ableger in Neuenrade hat.

Stadt stellte eigene Planungen zurück

Für die Stadt pressierte es allerdings. Wie Amtsleiter Marcus Henninger erläuterte, habe man schon eigene Planungen zurückgestellt. Nun werde man eine Machbarkeitsstudie für den Bereich an der Bahnhofstraße ausschreiben.

Gelände mit Alt-Moschee wird überplant

Er persönlich könne sich eine Nachnutzung der vorhandenen Gebäude nicht vorstellen. Er glaube aber, dass die Überplanung in Richtung Wohnwirtschaft gehen werde. Gleichwohl gehe die Verwaltung ergebnisoffen an die Angelegenheit heran. Aber: „Es wird natürlich wirtschaftliche Vorgaben geben,“ sagte Henninger.

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