Zum Jahresende

Der nächste Einzelhändler gibt auf

Volker Cremer hat schon seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann an der Ersten Straße absolviert. Doch die wirtschaftliche Entwicklung hat ihn dazu veranlasst, das Fachgeschäft zum Ende des Jahres zu schließen.
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Volker Cremer hat schon seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann an der Ersten Straße absolviert. Doch die wirtschaftliche Entwicklung hat ihn dazu veranlasst, das Fachgeschäft zum Ende des Jahres zu schließen.

„Für mich ist es schon schwer. Ich habe mir die Entscheidung auch nicht leicht gemacht, aber ich sehe keine andere Möglichkeit“, sagt Volker Cremer, Inhaber des Fachgeschäftes Kettler-Cremer.

Er wird das Geschäft, in dem es unter anderem Schreibwaren und Schulzubehör, Spielwaren und Bücher gibt, zum Ende dieses Jahres schließen.

Schon seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann hat Volker Cremer an der Ersten Straße absolviert – 1979. Nach seiner Bundeswehrzeit und den ersten Berufserfahrungen kehrte er dann in die Hönnestadt zurück, um das Geschäft am 1. Januar 1991 von seiner Mutter Doris zu übernehmen. Seine Eltern waren zuvor schon 20 Jahre Inhaber. „Und das Geschäft Gustav Kettler ist schon vor mehr als 120 Jahren gegründet worden“, erzählt der Einzelhändler.

Fahrkarten für die MVG und DPD-Shop

Bis zum Jahr 2000 gehörte noch ein Reisebüro dazu. „Das wurde aber immer weniger“, sagt Cremer. Nach wie vor bietet er dagegen Fahrkarten für die Linien der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) an; und betreibt nebenbei einen DPD-Shop. Der Einzelhändler hat schon viele Jahre keine Angestellten mehr beschäftigt. Seine Mutter übernahm bisher die Urlaubsvertretung. „Aber das kann und will ich nicht mehr von ihr Verlangen.“

Doch dass die Selbstständigkeit mit viel Arbeit und auch mit Verzicht verbunden sei, wäre kein Grund für die Geschäftsaufgabe. „Immerhin arbeite ich jetzt seit 31 Jahren selbstständig.“ Volker Cremer gibt auf, weil er nicht mehr von seiner Arbeit leben kann. „Seit fünf, sechs Jahren habe ich jährlich gut 5000 Euro draufzahlen müssen“, erklärt der Einzelhändler. Er stellt fest: „Der Umsatz hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als halbiert.“ Die Corona-Pandemie und der Lockdown habe ihm dann noch den Rest gegeben – und zu weiteren, ganz massiven Umsatzeinbußen geführt.

Viele Faktoren sorgen für Negativentwicklung

Volker Cremer ist überzeugt davon, dass viele Faktoren zur negativen wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen haben. So sei vor mehr als 20 Jahren während einer Versammlung das Thema Mühlendorf angesprochen worden.

Schreibwaren, Spielwaren, MVG-Tickets, ein DPD-Shop und vieles mehr: Wenn das Geschäft geschlossen ist, hinterlässt das einen Lücke in der Hönnestadt.

„Damals habe ich gefragt: ,Wie sieht es denn dann mit einer Umgestaltung unserer Innenstadt aus, damit sie attraktiv bleibt?’“ Man habe ihm geantwortet, dass diese Umgestaltung im Zuge des Baus der Umgehungsstraße in Angriff genommen werden solle. „Ich habe schon damals prophezeit, dass die Stadt bis dahin tot ist. Und wer heute die Erste Straße entlanggeht, der muss feststellen, dass es genau so gekommen ist.“ Es habe sich zwar ein bisschen ´was getan, „aber der klassische Einzelhandel stirbt aus.“

Konzentration auf die „Neue Mitte“

Doch natürlich habe nicht nur die Konzentration auf die „Neue Mitte“ wie das Mühlendorf – übrigens ebenso wie das Centro in Oberhausen – manchmal liebevoll genannt werde, zur fatalen Situation der Einzelhändler beigetragen. „Die Menschen bestellen immer mehr im Internet“, stellt Volker Cremer fest. Einerseits habe er dafür gerade in der ländlichen Gegend durchaus Verständnis. „Andererseits trägt aber gerade dieses Verhalten dazu bei, dass weitere Einzelhändler aufgeben müssen.“

Speziell in seiner Branche habe sich darüber hinaus noch eine Menge verändert. „Die Buchhaltung wird elektronisch geführt, Spaltenbücher werden nicht mehr benötigt. Und wenn jemand Geburtstag hat, gratuliert man heute per WhatsApp oder Facebook – Geburtstagskarten verschickt kaum noch jemand. Und selbst der Verkauf von Büchern ist rückläufig, seit es E-Book-Reader gibt“, stellt Volker Cremer fest.

Kaum noch Schulranzen verkauft

Und das sei noch nicht alles, beschreibt er. Vor Jahren habe er 30 bis 40 Schulranzen pro Jahr verkauft. „In den letzen zwei Jahren waren es noch fünf Stück. Und das, obwohl ich mit den Preisen der Online-Händler mithalten kann. Aber es gab einfach keine Anfragen.“

Aus all diesen Gründen sei der Schlussstrich jetzt unvermeidlich. Ende Oktober werde er das Geschäft für zwei Tage schließen, um sich eine Auszeit zu nehmen. Ab November sei dann der große Ausverkauf mit vielen Angeboten geplant. „Buchbestellungen sind von der Rabattierung aber ausgenommen“, unterstreicht Cremer vorsorglich. Spätestens am Freitag, 31. Dezember, endet dann die Geschichte des Fachgeschäftes Kettler-Cremer.

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