Chormusik

Ein Stück Kultur geht verloren

Hier beschließen die verbliebenen Mitglieder des Männergesangvereins Liedertafel ihren Verein aufzulösen. 	Fotos: von der Beck
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Hier beschließen die verbliebenen Mitglieder des Männergesangvereins Liedertafel ihren Verein aufzulösen. Zuvor hatte der Vorstand den Antrag auf Auflösung eingebracht.

Neuenrade – Der Männergesangverein Liedertafel ist Geschichte. Am Dienstagabend fällten die anwesenden Mitglieder im Kaisergarten bei einer Enthaltung den Beschluss, ihren 117 Jahre alten Verein abzuwickeln.

Warmer Sliwowitz als Verkaufsschlager

Wenn möglich, soll das kontinuierlich gepflegte Archiv komplett ins Altenaer Kreisarchiv wandern. Auch das Heimatmuseum ist im Gespräch. Zwei Liquidatoren (Dieter Lötters und Hans Ulrich Klaucke), jeweils einzelvertretungsberechtigt, werden den Verein abwickeln. Auch gibt es noch „einige Kanister mit Sliwowitz“, die aufbereitet werden müssen. Das nach einem speziellen Rezept aufbereitete Getränk der Liedertafel – warmer Sliwowitz – wurde vor allem zu Gertrüdchen gut verkauft. Mit dem Erlös konnten die Unterhaltskosten für das Vereinsheim und diverse Aktivitäten des Vereins gedeckt werden. Zu mehr als die Hälfte trug so das Gertrüdchen zur Finanzierung der Vereinsausgaben bei. Letztlich waren es die Pandemie und der damit verbundene zweimalige Ausfall des Gertrüdchens, der das Ende des Traditionsvereins beschleunigte.

Durchschnittsalter 79 Jahre

Weitere Punkte waren die Altersstruktur – Durchschnittsalter 79 Jahre bei 30 Mitgliedern – wie der Vorstand durchblicken ließ, sowie der fehlende Nachwuchs. „Überall brechen die Chöre weg. Es ist der Zeitgeist“, sagte Schriftführer Siegfried Teller. Das fange schon in der Schule an, da werde Musik hinten angestellt. Hinzu kämen Internet, Youtube und Smartphone. Das halte die jungen Leute vom Chorgesang ab. Damit müsse man sich abfinden. „Wir müssen kein schlechtes Gewissen haben“, hieß es. Kassierer Hans-Ulrich Klaucke brachte noch den jüngsten Eurovision Song Contest ins Spiel. Da könne er gar nichts mit anfangen. „Das ist auch der Grund, dass Jung und alt hier nicht zusammen kommen.“

Angesichts des Alters spielen auch Dinge wie Ausräumen des Vereinsheims oder die Formalien zur Abwicklung des Vereins ein Rolle. Fest steht: Der Verein hat noch genug Geld, um seine eigene Abwicklung zu finanzieren, auch dank einer großzügigen Spende von Karl-Friedrich Kohlhage (2. Vorsitzende) im Vorjahr.

Am 19. Oktober hatte der Vorstand den Vorschlag für die Mitglieder erarbeitet, den Verein aus den genannten Gründen aufzulösen. Jetzt könne das noch ordentlich geschehen, sagte Kohlhage. Die Mitglieder folgten schließlich seinem Rat.

Laut Satzung sollte ein Kinderchor Nutznießer des Restbestandes werden. Den Chor gibt es nicht mehr, die Stadt wird nun den Rest des Vereinsvermögen erben. Wenn denn etwas bleibt, angesichts möglicher Kosten. Vielleicht könne man noch vor Abwicklung ein kleines Stimmbildungsseminar veranstalten, schlug ein Mitglied vor.

Klar ist auch: Mit der Auflösung des MGV Liedertafel werden die freundschaftlichen Beziehungen der Mitglieder natürlich nicht aufgegeben. Gleichwohl: Mit dem Ende des Vereins „geht ein Stück Kultur verloren“, wie es Dieter Lötters im Rahmen der Versammlung formulierte.

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