Lage ist längst gekippt

Der Borkenkäfer hat die Fichtenbestände in Neuenrade stark dezimiert

Das Fichtensterben hat das Landschaftsbild in Neuenrade – wie hier am Süllberg – für immer verändert.
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Das Fichtensterben hat das Landschaftsbild in Neuenrade – wie hier am Süllberg – für immer verändert.

Der strenge Frost tut dem Wald gut, denn er schadet dem Borkenkäfer. „Dennoch können wir leider nicht davon ausgehen, dass wir im April oder Mai käferlos sind“, sagte Jörn Hevendehl, Leiter des Forstamtes Märkisches Sauerland.

Der Zustand der heimischen Wälder – insbesondere der Fichtenbestände im Neuenrader Stadtwald – war am Dienstag Thema der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit und Forsten im Kaisergarten.

„2020 war ein Albtraum“, bickte Frank Bossong, Leiter des Forstbezirks Neuenrade, zurück. „Bis April hatten wir die Lage relativ gut im Griff. Doch dann kam das warme und trockene Frühjahr“, erinnerte sich Bossong. „Etwa Ende Mai kippte die Lage.“ Der Käfer habe sich mit einer Rasanz verbreitet, die kein Fachmann für möglich gehalten habe.

Fichtenbestände: Nur zehn bis 15 Prozent bleiben erhalten

Der Ausblick für den Neuenrader Stadtwald klang entsprechend bedrückend: „Zehn bis 15 Prozent der Fichtenstände bleiben vielleicht erhalten“, schätzte Bossong. So sei beispielsweise der Bestand am Kohlberg-Skihang dem Käferbefall komplett zum Opfer gefallen. „Wir haben große Mengen des Holzes in den Export schicken müssen. Das ist im Sinne der Nachhaltigkeit nicht gerade sinnvoll gewesen, aber es blieb keine andere Möglichkeit“, schilderte der Forstbezirksleiter die Misere.

In Affeln müsse man sich darauf einstellen, dass am Imberg „vielleicht noch einige Randfichten stehen bleiben“, erklärte Ronja Martens, die Leiterin des Forstbezirks Affeln. Am Süllberg werde etwa die Hälfte des Bestands erhalten bleiben, ebenso am Ennest, den Bereich um die Gaststätte Affelner Mühle. Etwa 6000 bis 7000 Festmeter, so schätzte Martens, müssten in diesem Jahr geschlagen werden.

Holzvermarktung: Viel bleibt nicht mehr hängen

Kämmerer Gerhard Schumacher erklärte, dass es noch wirtschaftlich sei, das Holz aus dem Stadtwald zu vermarkten. Viel bleibe aber nicht hängen: „Rücklagen, etwa für Pflegemaßnahmen, können nicht gebildet werden“, stellte Schumacher fest. 120 000 Euro seien im Haushaltsplan veranschlagt. Auch aus diesem Grunde freute sich der Kämmerer über den Bundeswaldzuschuss, der mit 50 000 Euro im Plan steht.

Mit der Wiederaufforstung werde man sich Zeit lassen, verdeutlichte Frank Bossong. „Schnellschüsse wären hier fehl am Platz.“ Wenn irgendwann aufgeforstet würde, werde man sicherlich auf Mischwald setzen, andererseits aber auch genau hinsehen, „was die Natur von sich aus auf den Kahlflächen wachsen lässt“.

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