Aufwendiges Projekt

Denkmalgeschütztes Haus für rund 300.000 Euro saniert

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Das Blanke-Haus an der Ersten Straße 21 ist nun fertig saniert, beherbergt eine Wohnung und ein Fotoatelier.

Neuenrade – Das Blanke-Haus an der Ersten Straße (B 229) im Herzen von Neuenrade ist durch sorgsame Restaurierung ein wahres Schmuckstück geworden.

In Dianas Fotoatelier wird der Kundschaft ein Blick auf das Jahrhunderte alte Bruchsteingemäuer gewährt und ein Blick in die Baukunst der Vergangenheit gegönnt. Das Raumklima ist angenehm, der Durchbruch zur Gasse zeigt einen Querschnitt von beeindruckenden 80 Zentimetern Mauerstärke. 

In der Obergeschoss-Wohnung sind die freien Fachwerke aus Eiche zu sehen. Sie zeigen den Wuchs der uralten Bäume, die damals von den Bauhandwerkern sorgsam verarbeitet wurden. Für jeden Liebhaber von alter Baukunst ist das Blanke-Haus (Entstehung um 1696) ein Leckerbissen. Der Dachstuhl mit seinen sanierten Balken hat sicher viele Neuenrader Geschichten erlebt. Vom Verkehrslärm der Bundesstraße ist nichts zu hören, die an das alte Haus angepassten Lärmschutzfenster tun ihren Dienst. In der Wohnung gibt es alte Türen mit geschwungenen Scharnieren, die immer noch funktionieren wie am ersten Tag. Das Fachwerk der Wand ist mit Strohmatten gefüllt und mit Lehm ver putzt. All das herzurichten ist nicht mal eben so zu leisten, vielmehr ist Handarbeit und Fachwissen nötig, weiß Manfred Höne. 

Aufträge blieben in der Region

Höne ist Bauingenieur, Geschäftsführer und technischer Leiter bei Eco.Plan, dem bauausführende Unternehmen. Architekt Peter Bastian aus Münster hat das Projekt geplant. Wert legte Hausbesitzerin Ruth Echterhage auch darauf, dass die Aufträge in der Region blieben. Höne verweist auf die Firma Santos aus Sundern: „Die haben extra einen Rentner reaktiviert, der mit alten Materialen noch umgehen kann und das alte Handwerk noch versteht.“ 

Sie freuen sich über die gelungene Sanierung: (von links) Fotografin Diana Heinrich, Richard Schwartpaul von der Unteren Denkmalbehörde, Eco.Plan-Geschäftsführer Manfred Höne, sowie Flemming Hülter, der fast zwei Jahre im Blanke-Haus gearbeitet hat, und Raimund Grevener, der dort ein Jahr mitwirkte.

Am meisten zu tun hatten allerdings Flemming Hülter und Raimund Grevener. Hülter war zwei Jahre lang auf der Blanke-Baustelle, Raimund Grevener ein Jahr. Zu tun gab es reichlich – und viel zu schleppen. Eine Schwierigkeit war dabei die Parksituation. Einen Lastwagen an die Bundesstraße zu stellen ist dort ohne Ärger kaum möglich. So musste Baumaterial von hinten, also von der Zweiten Straße herangeschafft werden, aber auch Schutt aus dem Haus über diesen Weg abtransportiert werden. 

Sinn fürs Detail erforderlich

Hülter und Grevener mussten auch viel Sinn fürs Detail mitbringen: „Manchmal war man den ganzen Tag mit einer Ecke beschäftigt und hat am Ende des Tages kaum etwas gesehen,“ sagte Hülter. Beide Handwerker lassen durchblicken, dass sie in der Zeit auch viel gelernt haben. Außerdem gab oder gibt es noch ein spezielles Hindernis; „Da war nichts gerade in dem Haus, sondern alles schief,“ heißt es von beiden. Und so gab es viel zu tun: Dachtragwerk, alte Holzbalkendecken, Bruchsteinmauerwerk völlig verkleidet, Fugen von Hand erneuern, Imprägnierung des Mauerwerks sind da nur Stichpunkte eines umfassenden Arbeitsprogramms. 

Lob gab es von Manfred Höne: „Ohne die beiden wäre das nicht zu regeln gewesen.“ Und so schleppten Hülter und Grevener reichlich Säcke mit Perlite-Schüttung, mit der der Fußboden des Spitzbodens gedämmt wurde. Denn bei den Dachsparren sollte die historische Schalung mit Eichenbrettern erhalten bleiben. 

Haus steht seit 2002 unter Denkmalschutz

Die Untere Denkmalbehörde, bei der Stadt Neuenrade durch Richard Schwartpaul gemanagt, spielte bei der Sanierung ebenfalls eine Rolle. Das Gebäude steht nämlich seit 2002 unter Denkmalschutz, musste entsprechend sorgsam saniert werden: Auflage waren unter anderem die historischen Türen und ihren Standort zu erhalten. Gleiches galt für die Strohausfachung einer Wand und die historische Raumstruktur. Auch die Denkmalbehörde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe mit Sitz in Münster stand bei der Sanierung zur Seite. Manfred Höne lobte jedenfalls die Behörden als sehr kooperativ. Fachkundige Beratung habe es zudem vom Neuenrader Peter Riecke, der unter anderem Mitglied beim Verein für Geschichte und Heimatpflege ist, gegeben. 

Das Fachwerk wurde unter fachkundige Anleitung hergerichtet.

Das Gebäude ist Privateigentum von Ruth Echterhage, die rund 300 000 Euro in die Sanierung investierte. Die Nutzfläche, im Erdgeschoss ist das Fotoatelier, die Wohnung wird von einer Angestellten der E-Holding der Echterhages bewohnt, beträgt 140 Quadratmeter. Der Eco.Plan-Geschäftsführer und Bauingenieur Höne betonte vor diesem Hintergrund: „Es war Frau Echterhage wichtig, das Haus für Neuenrade zu erhalten“. 

Eine echte Herausforderung

Dabei sei die denkmalgerechte Sanierung eine echte Herausforderung gewesen. Höne: „So etwas ist eine Bürde, eine Last. Das geht nur durch Engagement und Idealismus.“ Auch könne man froh sein, dass in diesen Zeiten alles vermietet werden konnte. Der Bauingenieur ist jedenfalls begeistert von dem Ergebnis und wagt eine Prognose: „Wenn das Haus gepflegt wird, hält es die nächsten 300 Jahre auch noch.“ 

Bleibt noch ein letzter Hinweis. Bei der Sanierung und Entrümpelung des Hauses haben Flemming Hülter und Raimund Grevener nichts von historischem Wert gefunden. „Wir hatten auf den Pott voll Gold gehofft. Da war aber nix“, sagt Hülter schmunzelnd.

Das „Blanke-Haus“ wurde in der Wiederaufbauphase nach dem großen Stadtbrand von 1695 errichtet: als Wohnhaus mit zentralem Eingang, Ladeluke im Giebel und Krüppelwalmdach. 1816 wurde es klassizistisch umgebaut – daher die Haustüröffnungen mit Oberlichtern. Lange war hier das sogenannte „Lehrerhaus“. Dort wohnte immer ein Lehrer, im Gebäude gegenüber (ehemaliges Rathaus, ehemalige Gertrudenapotheke) wurde unterrichtet. Denkmalwert hat das Äußere des Hauses mit seinen Bruchsteinwänden, Fensteröffnungen und der Dachgestaltung, der Gewölbekeller und der Grundriss mit Mittelflur im Obergeschoss. Zuletzt genutzt wurde das Gebäude von Ehepaar Blanke, das hier seit 1994 bis zum Verkauf 2016 eine Drogerie mit Foto-Abteilung betrieb.

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