Neuenrader verurteilt

Datenklau: Angeklagter zeigt im Gericht, wie es geht

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Über das Internet bestellte ein Neuenrader unter falschen Identitäten immer wieder Waren, ohne diese zu bezahlen.

Neuenrade/Altena – Ein Rätsel gab das scheinbar sehr professionelle Vorgehen eines 28-jährigen Neuenraders auf.

Wie war er an Personal- und Kontodaten von Personen in ganz Deutschland gekommen, in deren Namen er Internet-Bestellungen getätigt hatte, um seine eigenen Bestellungen zu verschleiern und die Lieferungen anschließend selber entgegenzunehmen? 

Um auch über die Auslieferungen nicht identifiziert zu werden, nutzte er Zustelladressen bei Freunden und diverse Packstationen – unter anderem in Balve. Weitere Fragen stellten sich: Wie hatte er die Punkte-Rabattkarte eines Geschädigten für seine Zwecke aktivieren können? Und wie kam er an diverse Passwörter, um diese ganzen Taten zu begehen? 

Schaden von rund 10.000 Euro

Die Staatsanwaltschaft warf ihm für den Tatzeitraum von Anfang 2017 bis Ende 2018 vor, dass er sich „unberechtigt Zugang zu fremden Daten verschafft und auf unbekannte Weise Datenverarbeitungsprozesse manipuliert“ habe. 60 Mal sollte er sich laut Anklage auf diese Weise Konzertkarten, Sportbedarf, Unterhaltungselektronik, Laptops und Smartphones betrügerisch verschafft haben. Insgesamt sollte dadurch ein Schaden von rund 10 000 Euro entstanden sein. 

Zum Auftakt des Prozesses im Amtsgericht Altena hatte sich der Neuenrader noch recht bedeckt gehalten und nur wenige Taten zugegeben. Das änderte sich bei der Fortsetzung des Strafverfahrens, die für eine Überraschung im Gerichtssaal sorgte. Denn der Angeklagte machte bei einer praktischen Vorführung am Computer deutlich, wie leicht es ist, an Daten zu kommen, wie er sie für solche Betrugsdaten gebraucht hatte. Zur Verblüffung und einem gewissen Erschrecken der Beteiligten verdeutlichte er den kurzen Weg von der Aktivierung einer Suchmaschine bis zur Anzeige persönlicher Kontaktdaten – einschließlich Passwörtern. 

Systematische Verschleierung

Das relativierte die Vermutung von der angeblichen erheblichen kriminellen Energie und dem professionellen Vorgehen des Angeklagten. Einiges blieb: Seine systematische Verschleierung der Bestellungen und ihrer jeweiligen Auslieferung deutete durchaus auf ein gewisses Maß an krimineller Energie hin. Im Interesse einer erheblichen Verfahrensabkürzung blieben schließlich 44 von den 60 angeklagten Betrugstaten übrig. Das Schöffengericht verurteilte ihn dafür zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. 

Verteidiger Dominik Petereit verriet nach dem Prozess im Amtsgericht, dass sein Mandant angesichts der vielen Taten nicht mit einer Bewährungsstrafe gerechnet hatte und über das Urteil recht erleichtert war.

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