Windpark Kohlberg

Windräder laufen erstmal nur nachts

Eins der sechs Windräder auf dem Kohlberg. Die  Anlagen dürfen fertig gestellt werden und nachts laufen.
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Die Windräder auf dem Kohlberg dürfen weitergebaut werden. Die fertig gestellten Anlagen dürfen schon vorerst nachts laufen.

Neuenrade/Altena – Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat den Baustopp für die Windenergieanlagen auf dem Kohlberg aufgehoben. Beim Investor SL Windenergie ist man hoch erfreut und will die Anlagen so schnell wie möglich fertig stellen.

Recht kräftig weht der Wind auf dem Kohlberg und eins der Windräder dreht sich im so genannten „Trudelbetrieb“. Die Flügel bewegen sich im Freilauf, damit das Lager nicht beschädigt wird. Das zweite fertiggestellte Windrad steht still, hier arbeiten noch Service-Techniker. Ansonsten ist es weitgehend ruhig an diesem Montag nach dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Münster – noch. Denn die Windräder dürfen weitergebaut werden, der Baustopp ist aufgehoben.

SL Naturenergie will die Anlagen zunächst im Frühjahr und Sommer nur nachts betreiben, damit Rotmilane, Schwarzstörche und Fledermäuse nicht gefährdet werden. Vor allem dieser Umstand ließ die Richter des Oberverwaltungsgerichtes zu ihrem Beschluss vom Freitag kommen. Gewisse Kritikpunkte wiesen die Richter ab: Einwände wie mögliche Beeinträchtigungen der Bewohner der Pflegeeinrichtung am Kohlberg seien „nicht substanziiert vorgetragen“ worden, außerdem sei eine Beeinträchtigung des Trinkwasserschutzgebietes „nicht erkennbar“.

Letztlich wägten die Richter ab: Demnach „überwiegen das öffentliche Vollzugsinteresse und das private Interesse der Beigeladenen (SL Windenergie) das Aufschubinteresse des Antragstellers.“

Investor Klaus Schulze Langenhorst ist angesichts des jüngsten Beschlusses bestens gelaunt und optimistisch, was einen möglichen Ausgang des Hauptsacheverfahrens anbelangt. Zumal er schon Einblick in das neue Gutachten habe, das im Herbst komplett fertig gestellt werde: „Die Brutvogelkartierung ist durch, es gab keine Überraschungen.“

Es werde jetzt alles daran gesetzt, die restlichen vier Anlagen fertig zu stellen. Die Windräder werden danach nur nachts in Betrieb genommen. Zu einem Großteil lagern die Elemente bereits auf dem Kohlberg, ein paar Teile und vor allem der Kran fehlten noch. Allerdings ist die Dahler Straße an der Ortsdurchfahrt wegen Straßensanierungsarbeiten gesperrt, was die Logistik etwas erschwert. Klaus Schulze Langenhorst: „Ich habe deshalb schon mit der Stadt Neuenrade telefoniert.“

BI denkt an Aufgabe


Dr. Frank Hoffmann, Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Bau der sechs Windräder auf dem Kohlberg, ist enttäuscht über die Aufhebung des vor knapp einem Jahr verhängten Baustopps. Hoffmann sagte, dass es sich um einen Beschluss handele, nicht um ein Urteil. Nach Mitteilung des Gerichts ist das Hauptsacheverfahren noch offen. Er könne sich allerdings kaum vorstellen, dass weitergebaut werden dürfe und die Genehmigung später doch noch versagt werde, sagte Hoffmann.

Die Bürgerinitiative werde gemeinsam mit der als offizielle Klägerin auftretenden Landesarbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt überlegen müssen, ob die Klage angesichts dieser offensichtlichen Vorentscheidung überhaupt weiter betrieben werden soll. Der SL Windenergie wirft Hoffmann „Taschenspielertricks“ vor. Grund: Am 1. April beantragte das Unternehmen eine gravierende Veränderung der Betriebserlaubnis. Aus Gründen des Vogelschutzes sollen die Anlagen zwischen dem 15. Februar und dem 31. Oktober nur noch nachts laufen. Es sei vom Investor auch schon angekündigt worden, dass man zum Rund-um-die-Uhr-Betrieb zurückkehren wolle, sobald die juristische Auseinandersetzung um die Genehmigung beendet sei. Alles andere ergebe auch keinen Sinn, meint Hoffmann: Laufe er nur nachts, rechne sich der Windpark nicht.

Investor Schulze Langenhorst bestätigt das. „Dauerhaft ergäbe das keine Wirtschaftlichkeit.“ Deshalb werde man auch einen entsprechenden Änderungsantrag stellen, nachdem das neue Umwelt-Gutachten vorliege. Er gehe davon aus, dass es bei einem separaten Änderungsverfahren „andere Abschalt-Algorithmen mit nicht so umfassenden Betriebseinschränkungen“ geben werde. Zum aktuellen Nachtbetrieb sagte er, dass man ohnehin nur zwei Möglichkeiten gehabt habe: Abwarten, bis das neue Gutachten im Oktober vorliege und dann erst loslegen oder bis zur Fertigstellung des Schriftwerks auf den Betrieb der Anlagen tagsüber zu verzichten.

Bürgerinitiativen-Sprecher Hoffmann ist der Meinung, dass sich SL Windenergie so „die Genehmigung erschlichen“ habe. Zudem sieht er die Wirtschaftlichkeit der Anlagen ohnehin noch mehr eingeschränkt, weil die Anlage, die dem Kohlberghaus am nächsten steht, nachts ohnehin nur mit zehn Prozent Leistung laufen dürfe. So werde nur die Hälfte des möglichen Ertrags geliefert. Klaus Schulze Langenhorst verwies auf die Menge erneuerbare Energie, die auf dem Kohlberg nicht produziert worden sei: „Wir hätten schon 60 bis 80 Millionen Kilowattstunden produzieren können.“

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