Trotz Ruhestand viel zu tun

Darum suchte Uni München Hilfe bei kleinem Stadtarchiv im MK

Dr. Rolf Dieter Kohl beim Studium historischer Dokumente.
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Dr. Rolf Dieter Kohl beim Studium historischer Dokumente.

Kein Zweifel: Der Historiker Dr. Rolf Dieter Kohl, einstiger Kreisarchivar und nun ehrenamtlicher Stadtarchivar in Neuenrade, hat alle Hände voll zu tun. Wenn er sich nicht gerade ums Stadtmuseum kümmert, betreibt er reichlich Forschung zuhause oder arbeitet Aufträge ab. Es ist ein Vollzeitjob – nur eben unbezahlt.

Neuenrade – Aufträge hat der Historiker derzeit reichlich vorliegen: Ein erheblicher Anteil befasst sich mit Nachfragen zur Ahnenforschung. Das ist ein Gebiet, das ihm immer mehr Arbeit beschere. „Offensichtlich haben viele Menschen in Zeiten von Corona mehr Zeit, um sich mit ihren eigenen Ahnen und der Geschichte zu befassen“, vermutet Kohl.

So erhält er derzeit eine Flut von genealogischen Anfragen: „Das habe ich so noch nicht erlebt.“ Anfragen gibt es meist aus der Region: Aus Eslohe, Altena, Letmathe, Balve, aber durchaus auch aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Ihm wird aber auch anderweitig Arbeit beschert: Ob er nicht mal eben eine Abbildung des großen Reitersiegels von Graf Engelbert besorgen und verschicken könne, oder ob man nicht mal eben in Wuppertal mit einem Bild die Gestaltung einer Werbewand unterstützen könne. Anfragen betreffen auch die Geschichte der Motte.

Und die Menschen rufen auch an. Rolf Dieter Kohl berichtet von sehr langen Telefonaten. Routine-Angelegenheiten kommen ebenfalls vor: „Sogar die Uni München schreibt das kleine Stadtarchiv in Neuenrade an“, sagt Rolf Dieter Kohl augenzwinkernd. Einen Rundbrief, der wohl an alle Archive rausgegangen sei, habe er bekommen. „Man wollte wissen, ob man in Neuenrade über mittelalterliche Urkunde von Kaiser Ludwig des Bayern verfüge.“ Derartige Rundbriefe sind eine durchaus Erfolg versprechende Methode, mit der manches Dokument ans Tageslicht komme. Da gebe es Glücksfälle. Gleichwohl: Dr. Kohl konnte dem Historischen Seminar in München in diesem Fall nicht helfen. Aber vielen anderen ist er ein große Hilfe.

Der Archivar weiß, wo er suchen muss und hat so seine Quellen, wenn es zum Beispiel um Ahnenforschung geht. Da ist das hilfreiche Archiv im Keller und die Tatsache, dass Dr. Kohl in der Lage ist , die alten Schriften zu entziffern. Dabei geht es nicht nur um Sütterlinschrift, sondern auch um Schreibgewohnheiten in früheren Zeiten, die sich nicht an einem allgemeingültigen Standard orientierten.

Dr. Kohl taucht in verschiedene Archive ein: Steuerlisten, Standesamtsachen, privatrechtliche Listen (Baugenehmigungen) und auch Schuldscheine. All das ist nicht mal eben zu bewältigen. Dr. Kohl beantwortet jede Anfrage auf ordentlichem städtischen Briefpapier. Erntet er Dank für seine Bemühungen? Dr. Kohl formuliert es so: „Es kommt vor, dass sich die Leute bedanken.“

Und dass sein Aufwand möglicherweise mal mit einer Spende verbunden wird? Das komme gar nicht vor. Rolf Dieter Kohl: „Wir hatten lange ein Sparschwein im Stadtarchiv – in all den Jahren hat sich ein einziger Cent dort angesammelt“, sagt er schmunzelnd.

Doch Dr. Kohl hilft gerne, vor allem, wenn es um Forschung geht. So hilft er auch gerne bei einer Anfrage, die von Dirk Unschuld kommt. Der Archivar des 1. FC Köln, forscht in Sachen Kriegsende, stellte Dr. Kohl Bildmaterial zur Verfügung und will weitere Infos zum Thema „Prisoner of War“, also Kriegsgefangene. Dabei geht es um jene deutschen Solddaten und jungen Männer, die nach Kriegsende auf Wiesen, Weiden und Dorfplätzen zusammengesammelt wurden, um von dort zu den Rheinwiesen gebracht zu werden, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen hausen mussten, bis sie irgendwann entlassen wurden. Etliche tausend starben.

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