Darum darf die Bürgerinitiative nicht in den Kaisergarten

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Bettina Griesenbruch bei der Veranstaltung der „Bürgerinitiative Neuenrade - Großmoscheebau verhindern“, zu der sie den Islamisten-Gegner Michael Stürzenberger eingeladen hatte. Kaisergarten-Pächter Groke will dieser Initiative seinen Saal nicht zur Verfügung stellen.

Neuenrade - Die Bürgerinitiative, die sich gegen den Bau der geplanten Moschee in Neuenrade wendet, plant eine Podiumsdiskussion, findet aber bis jetzt keinen Raum für eine solche Veranstaltung.

Kaisergarten-Pächter Engelbert Groke will seinen Saal dafür nicht hergeben. BI-Sprecherin Bettina Griesenbruch fühlt sich diskriminiert und wittert eine Verschwörung.

Die „Bürgerinitiative Neuenrade – Großmoschee verhindern“ plant eine Podiumsdiskussion oder eine ähnlich gelagerte Veranstaltung. Die Initiative hat aber Schwierigkeiten, einen Veranstaltungsort zu finden. Zunächst hatte Bettina Griesenbruch die Zusage von Kaisergarten-Pächter Engelbert Groke bekommen. Der sagte aber kurz darauf wieder ab.

Sein Grund: Er komme in einen Interessenskonflikt, weil er viele türkische Mitarbeiterinnen als Zimmerfrauen beschäftige, zudem habe er türkische Hochzeiten und Hennafeiern im Kaisergarten. Das schrieb er in einer E-Mail an Griesenbruch. „Ich habe geschäftliche und wirtschaftliche Bedenken“, sagte Groke auf Nachfrage. Zum geplanten Moscheeneubau habe er keine Meinung: „Das ist mir egal.“ Er ließ durchblicken, dass er sich als Wirt lieber aus derartigen gesellschaftspolitischen Konflikten heraushalte.

Absage stößt BI-Sprecherin sauer auf

Die Absage stößt Bettina Griesenbruch sauer auf. Sie bezeichnet die Absage im Gespräch mit der Redaktion als „diskriminierend“. Groke trage dazu bei, „die Meinungsvielfalt in diesem Lande zu unterdrücken“. Die Bürgerinitiative habe „nichts gegen Menschen, die Muslime“ seien, meint sie. „Wir möchten einzig und allein über die Islamisierung in Deutschland aufklären, die von Mächten betrieben wird, auf die die bei uns lebenden Muslime keinen Einfluss haben“, schreibt Griesenbruch. Zur „Islamisierung“ würden Moscheen „gezielt genutzt“, vor allem „solche repräsentativen Bauten wie die geplante Großmoschee.“

Absage mit Verwaltung und Politik abgesprochen?

Griesenbruch verweist auf den bekannten Neuenrader Ludger Heitmann, der in einem Leserbrief die Bürgerinitiative aufgefordert hatte, eine Podiumsdiskussion zu veranstalten. Weiter unterstellt sie Groke, dass die Absage „mit Sicherheit mit Verwaltung und Politik des Ortes abgesprochen“ sei.

Beim Kaisergarten handele es sich ihrer Meinung nach um ein „städtisches Haus“. Für die Protagonisten der Moschee sei die Absage der „einfachste Weg, der Diskussion aus dem Weg zu gehen“: „Das ist feige.“ Es sei schade, dass „sie sich alle“ vor den Karren des sich „immer weiter verengenden Meinungskorridors“ spannen ließen. „Träger der Meinungsvielfalt“ würden als „Aussätzige“ behandelt.

Groke weist zurück, dass es eine Absprache oder Beeinflussung gegeben habe: „Ich bin Pächter.“ Seine Vorgabe sei, wirtschaftlich ordentlich zu handeln. Als Pächter ist er Inhaber des Hotels und Restaurants Kaisergarten und Einzelunternehmer.

Kaisergarten gehört einer Stadt-GmbH

Das Gebäude gehört der Kaisergarten GmbH, die eine 100-prozentige Tochter der Stadt ist. Geschäftsführer ist Amtsleiter Dierk Rademacher. Der zeigte sich überrascht angesichts der Vorwürfe: „Das entbehrt jeder Realität. Es ist Herrn Grokes freie Entscheidung irgendetwas zu tun.“ Dass die Bürgerinitiative etwas im Kaisergarten plane, habe er gehört. Von der Absage wisse er nichts.

Unabhängig davon glaubt Griesenbruch, dass der Saal „für türkische Mitbürger kostenfrei zur Verfügung“ gestellt würde. Auch da widerspricht Groke. „Das stimmt so nicht. Wer bei mir feiert und Essen und Getränke hier ordert, muss keine Saalmiete zahlen“. Miete verlange er bei Kulturveranstaltungen oder Versammlungen, bei denen nichts oder zu wenig verzehrt werde.

Anderer Raum kaum zu finden

Griesenbruch und die Bürgerinitiative wollen weiterhin an der Location Kaisergarten festhalten. Es sei ein städtisches Gebäude, da müsse man als Bürger doch Ansprüche haben, meint sie. Zudem erwarte man viele Bürger zu so einer Veranstaltung, da gebe es kaum Alternativen in Neuenrade – und hier müsse es doch auch stattfinden.

Auch aus den Reihen der Ratsmitglieder sei die Forderung nach einer Podiumsdiskussion an sie herangetragen worden. Den Namen wollte sie nicht nennen. Mögliche Teilnehmer der Podiumsdiskussion sind für sie Bürgermeister Antonius Wiesemann, der türkisch-islamische Kulturvereinsvorsitzende Hamit Yilmaz, sie selbst sowie ein weiteres BI-Mitglied und die syrisch-orthodoxe Ordensschwester Hatune Dogan aus Warburg.

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