Dankbarkeit für die Möglichkeit, frei zu leben

Gerhard Nöbel (r., stellvertretender Bürgermeister der Partnerstadt Klingenthal) überreichte Klaus-Peter Sasse ein Gastgeschenk: ein Gemälde des Klingenthaler Marktplatzes.

NEUENRADE ▪ In der Erinnerung an die Geschehnisse vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten waren die Neuenrader im Festsaal des Hotels Kaisergarten tief berührt.

Während Bürgermeister Klaus-Peter Sasse Nicolaikirche, „Wir wollen raus“, „Wir bleiben hier“ und „Wir sind das Volk“, Montagsdemonstrationen, Michail Gorbatschow, Glasnost, Perestroika, den Platz des himmlischen Friedens sowie den Mauerfall am 9. November 1989 Revue passieren ließ, wäre das Fallen einer Stecknadel gut hörbar gewesen.

Sasse beschrieb den Atem der Geschichte, den er spüre. Er gab der Dankbarkeit und dem Glück, das ihn erfülle, Ausdruck. Und er forderte die Anwesenden der Feierstunde zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit auf, Leipzig zu besuchen – „es lohnt sich“.

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Feierstunde im Kaisergarten

Begonnen hatte die Festveranstaltung mit einem Video. Der Einheits-Song „Wind of Change“ der hannoveraner Scorpions war unterlegt mit Bildern vom Mauerbau am 13. August 1961 und vom Abriss des Bauwerkes vor gut 21 Jahren. „Irgendwann fällt jede Mauer“ stand am Schluss auf der Leinwand geschrieben.

20 Jahre genau ist es nun auch her, dass Neuenrade eine Städtepartnerschaft mit dem ostdeutschen Klingenthal einging. Der stellvertretende Bürgermeister der Partnergemeinde, Gerhard Nöbel – zum zehnten Mal Teilnehmer der Feierstunde am 3. Oktober –, sagte, er sei „stolz auf die Freundschaft zu Neuenrade“. Er griff den Text zu Peter Maffays Lied „Freiheit, die ich meine“ auf: „Wir sind in der glücklichen Lage, diese nun auch zu leben“, bilanzierte er – „dank der Hilfe aus Neuenrade“.

Schließlich verlieh Bürgermeister Sasse noch den Bürgerpreis an Irmhild Hartstein. Die Leiterin der Kiku-Kunstwerkstatt atmete tief durch, als sie ans Rednerpult trat. Sie hatte sichtlich nicht mit ihrer Nominierung gerechnet. Sasse gab dann auch zu, es sei der Jury dieses Mal sehr schwer gefallen, einen Preisträger zu benennen: „Man hat immer das Gefühl, wenn man sich für einen entscheidet, entscheidet man sich gleichzeitig gegen alle anderen.“

Hartstein zitterte. Die von Sasse gereichte Hand übersah sie vor Aufregung. Sie trat ans Mikrofon und sagte: „Es ist selten, dass mir die Worte fehlen.“ Ausgezeichnet wurde sie auch, weil ihr „Kommunales Gesamtkonzept für kulturelle Bildung“ vor zwei Jahren vom Land NRW mit 10  000 Euro belohnt wurde. „Ich habe damals drei Wochen – auch die Nächte durch – daran gearbeitet.“

Sie habe Fotos gemacht überall in der Stadt und das Konzept ansprechend grafisch gestaltet – ein offenbar erfolgreicher Weg. So ergatterte Hartstein mit ihrem Nachfolge-Konzept jetzt wieder den ersten Preis. Dieses Mal darf sie sich 5 000 Euro von der Landesregierung abholen. Im November wird sie Sasse zur Preisverleihung begleiten.

Der Bürgerpreis ist im Übrigen mit 500 Euro dotiert.

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