Produkt in Rekordzeit entwickelt

So will eine Firma aus dem MK die Ansteckung mit dem Coronavirus verhindern

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Dennis Böhm hat mit seinem Unternehmen Böhm Plast Technology einen Hygienegriff entwickelt, der den direkten Kontakt mit Türgriffen oder den Griffen eines Einkaufswagens verhindern soll.

Neuenrade – In Zeiten von Corona den Türgriff oder den Griff des Einkaufwagens nicht mehr anfassen zu müssen – dies macht jetzt eine Entwicklung einer Firma aus Neuenrade möglich.

Denn in der Hönnestadt hat das Kunststoffunternehmen Böhm Plast Technology (ehemals Firma Klaes) mit Firmensitz an der Oststraße auf die Krise durch die Pandemie reagiert. In nur fünf Tagen haben Geschäftsführer Dennis Böhm und sein Vater Detlev, ebenfalls Geschäftsführer, einen sogenannten multifunktionalen Hygienehaken entworfen. Mittlerweile ist die Entwicklung des neuen Produkts so weit fortgeschritten, dass es in Serie produziert werden kann. 

Bei dem Griff handelt es sich im Grunde um ein einfaches Bauteil aus schwarzem, recycelten Kunststoff. Es sieht fast so aus wie ein überdimensionaler Flaschenöffner. Herzstück ist eine Öffnung in Sechskant-Form, die über den Türgriff oder auch den Griff des Einkaufswagens geschoben werden kann, sodass der Nutzer diese nicht mehr direkt anfassen muss. So soll in Coronazeiten das Ansteckungs- und Übertragungsrisiko reduziert werden. Aber auch das Risiko der Übertragung anderer Krankheiten, beispielsweise der Grippe, könnte durch die direkte Kontaktvermeidung verringert werden. 

Kunststoffteil etwa sechs Millimeter dick

Das etwa sechs Millimeter dicke Kunststoffteil ist ebenso einfach wie multifunktional. Es eignet sich nämlich nicht nur für Türen und Einkaufswagen, sondern auch zum Anheben von Toilettendeckeln, zum Betätigen von Lichtschaltern oder der Haltewunsch-Taste in Bus und Bahn. Stichwort Bus und Bahn: Dennis Böhm glaubt, dass es auch möglich sein müsste, sich mit dem Hygienegriff an den Haltestangen festzuhalten. 

„Eigentlich war es ein Hirngespinst, das Teil zu fertigen“, erzählt Dennis Böhm. Ein Kumpel aus Studienzeiten hatte ihm geschrieben und ein Foto von einem ähnlichen Artikel geschickt. Dieser war 3D-gedruckt und daher kaum tauglich für eine Massenproduktion. „Als ich das Foto gesehen habe, dachte ich sofort: Das können wir schneller, besser und schöner“, so Böhm junior. 

Coronavirus in Neuenrade: Deshalb mit spitzem Bleistift kalkuliert

Also sprach er mit seinem Vater über die Idee. Der gelernte Werkzeugmacher fertigte in kürzester Zeit eine Konstruktionszeichnung an. Der hauseigene Werkzeugbau entwickelte entsprechende Produktionsformen. „Wir haben von Beginn an mit spitzem Bleistift kalkuliert“, betont Böhm, dass die Firma nicht beabsichtige, mit dem Artikel großen Gewinn zu erzielen. Lediglich die Kosten für Personalaufwand und Material sollten wieder reinkommen. „Uns war einfach wichtig, als Unternehmen zu reagieren und einen Beitrag in der Krisensituation zu leisten.“ 

Überrascht ist Dennis Böhm davon, wie gut das Produkt bereits jetzt angenommen wird. Er habe schon mehrere Anfragen erhalten, so dass bereits an einem neuen Werkzeug mit mehr Kavitäten, also Aushöhlungen, gearbeitet werde. Dann können mehr Artikel mit einem Maschinenzyklus produziert werden. Gesondert verpackt werden die Artikel bei Einzelbestellungen nicht, sondern kommen direkt in eine Versandtasche. Auf diese Weise sollen Material, Zeit und somit Kosten gespart werden. An Händler wird der Artikel als Schüttgut geliefert. 

Firma erst 2019 übernommen

„Dass wir das Projekt überhaupt so schnell stemmen konnten, war durch unseren großen Maschinenpark und unsere Mitarbeiter möglich“, sagt der junge Geschäftsführer. Erst im vergangenen Jahr hatte der 28-Jährige mit seinem Vater die Firma übernommen. Sollte sich herausstellen, dass dauerhaft ein Bedarf an Hygienehaken besteht, denken die Unternehmer darüber nach, die Idee weiter auszubauen und eine Pro-Lösung anzubieten. Bei der könnte zum Beispiel ein Einkaufschiphalter integriert werden. „Was wir jetzt gelauncht haben, ist quasi die Quick-and-Dirty-Lösung, die so günstig bleibt wie möglich. Wir möchten auf keinen Fall, dass der Eindruck entsteht, dass wir Gewinn aus der Coronasituation schlagen möchten. Das ist nicht so“, sagt Dennis Böhm abschließend sehr deutlich.

Ein Hygienehaken von Böhm Plast Technology kostet 5,99 Euro und ist online unter www.hygienehaken.de erhältlich. Der Haken-Doppelpack, der zum Beispiel zum Schieben von Einkaufswagen nötig ist, liegt bei 9,99 Euro. In diese Preise sind Mehrwertsteuer, Verpackung und Versand inbegriffen.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen für die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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