Ordnungsamt hat mehr als gut zu tun

Coronaregeln: Viele Neuenrader sind verunsichert

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Neuenrade – Sabine Rogoli hat gut zu tun: Ihr Telefon im Rathaus läuft heiß – und das auch schon lange bevor sich Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch auf eine weitere Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen einigten.

Neuenrader jeder Couleur rufen an: Von älteren Menschen bis hin zu Gastronomen. Der Grund: Unsicherheit wegen der Corona-Vorschriften. Denn oft heißt es bei den Bürgern: Nichts genaues weiß man nicht. 

Der Abteilungsleiterin im Ordnungsamt fällt es nicht schwer die Anrufer zu klassifizieren: Da habe es bislang jene Anrufer gegeben, die nach einem Ausweg suchen, trotz Corona doch einen nicht ganz so runden Geburtstag zu feiern, aber auch verzweifelte, finanziell gebeutelte Wirte, die genauere Informationen wollten. „Da geht es immer wieder um Perspektiven“, so Rogoli. 

Coronavirus in Neuenrade: Vorschriften nicht immer klar formuliert

Zuletzt habe Rogoli verstärkt auch Fragen von Bürgern beantworten müssen, die sich erkundigten, was dennoch noch erlaubt ist. „Darf ich noch zum Turnverein gehen“, benennt Rogoli eine der Fragen. Oder auch die Frage, ob überhaupt und wenn ja mit wie vielen Personen man denn Essen gehen dürfe. Es sei häufig das Alltagstypische, um das sich die Fragen rankten. Vieles kann sie nachvollziehen, denn nicht immer sei alles in den Vorschriften klar formuliert. Auch sie müsse „manches zweimal lesen“. Rogoli betonte indes, dass es bei den Reaktionen keinerlei Ausfälligkeiten gegeben habe. Teilweise habe man sich höchstens enttäuscht gezeigt, wenn die Corona-Regeln ein Vorhaben verhinderten. 

Abseits der Telefongespräche gibt es Beratungsgespräche wie mit den Schützen, die am Freitag trotz der Corona-Rahmenbedingungen ihre Hauptversammlung im Kaisergartensaal veranstalten wollen. Rogoli erzählt, dass man gemeinsam dort vor Ort war und mit den Schützen die Details besprochen habe. Auch ein Hygienekonzept hat der Verein vorgelegt. Und: „100 Leute sind momentan ja noch erlaubt“, sagt Rogoli. Ansonsten dürfen im öffentlichen Raum nur Festivitäten bis zehn Personen stattfinden. Geschützt ist derzeit noch der private Bereich: „Private Feiern werden noch nicht kontrolliert,“ sagte Rogoli. 

Coronavirus in Neuenrade: Kontrollen der Quarantänepflicht

Doch auch ohne am Telefon verunsicherten Menschen Vorschriften zu erläutern, wird die Abteilung Ordnungsangelegenheiten neben dem Tagesgeschäft bei der Neuenrader Stadtverwaltung nicht arbeitslos – im Gegenteil. Bei der aktuellen Situation mit den elf positiv getesteten Neuenradern und den unter Quarantäne stehenden Kontaktpersonen haben Amtsleiter Marcus Henninger, Sabine Rogoli und Co. sehr gut zu tun. Denn: Es gelte zu überprüfen, ob denn überall auch die Hygienekonzepte wie angeordnet durchgezogen werden. „Da kontrollieren wir auch, ob die Flasche mit Desinfektionsmittel noch gefüllt ist.“ Zudem sieht sie mit einem Blick aus dem Fenster, ob die Maximal-fünf-Personen-in-der-Öffentlichkeit-Regel eingehalten wird oder die Maskenpflicht auf dem Spielplatz am Stadtpark. 

Die Einhaltung der Quarantäne wird ebenfalls überprüft. „Da reichen Telefonanrufe nicht aus,“ sagte Sabine Rogoli. „Anrufen und vorbeifahren, das ist wirklich wichtig“. Denn: Kontaktvermeidung sei das Gebot der Stunde. 

Coronavirus in Neuenrade: Die Bürger "sind vernünftig"

Aus ihrer Warte als Abteilungsleiterin des Ordnungsamtes sagt sie über die Neuenrader: „Die sind vernünftig. Im Großen und Ganzen verhalten die sich okay.“ So habe man in jüngster Zeit noch keine Bußgelder verhängen müssen. „Jeder will doch sich und andere schützen.“ Es gehe am langen Ende doch um die gesellschaftliche Solidarität. „Man muss eben an das Sozialverhalten der einzelnen Personen appellieren, dass die auch an andere denkt“, glaubt Rogoli, dass solche Appelle mehr bewirken als der erhobene Zeigefinger. 

Das Wirrwarr der vergangenen Wochen in Deutschland mit den unterschiedlichen Corona-Regelungen in jedem Bundesland ist für Rogoli kein Dauerzustand. Sie persönlich hält bundeseinheitliche Regelungen in vielen Fällen für sinnvoll. Unterschiede von Bundesland zu Bundesland stifteten in diesen Zeiten nur Verwirrung und sorgten für Unsicherheiten. „Gleichzeitig gibt es aber örtliche Unterschiede, die aus wirtschaftlichen Gründen durchaus richtig sind“, sagt Rogoli. Deshalb kann sich die Abteilungsleiterin sicher sein: Ihr Telefon wird auch in den nächsten Tagen sehr häufig klingeln...

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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