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Stadtmuseum bereitet Wiederöffnung vor: Das sind die neuen Exponate

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Klaus Peter Sasse und Heinz Werner Turk zeigen einen Produktkatalog der Firma Husberg, in dem auch das Grammophon zu sehen ist, das als neues Exponat im Stadtmuseum zu sehen ist.

Neuenrade – Das Neuenrader Stadtmuseum an der Ersten Straße wird für die Wiederöffnung nach Corona vorbereitet. Bis die ersten Gäste sich die Exponate anschauen können, wird es allerdings noch ein paar Wochen dauern.

Dafür lohnt ein Besuch dann besonders: Es wartet eine abwechslungsreiche, liebevoll gestaltete Ausstellung mit neuen Exponaten und einem zusätzlichen Raum. Dort widmet sich das Museum Neuenrader Vereinen wie der Schützengesellschaft, dem TuS Neuenrade, aber auch Handwerksbetrieben. Der Raum enthält sogar eine kleine Präsenzbibliothek. 

Vor der Öffnung gilt es noch einiges zu organisieren und zu vollenden. „Wir sind schon traurig, dass wir das Museum derzeit nicht präsentieren können“, sagt Klaus Peter Sasse, der sich zusammen mit Heinz Werner Turk, Uli Tillmann und Rolf Dieter Kohl um das Museum kümmert. Erster Öffnungstag nach der Corona-Zwangspause soll der 25. Juni sein. 

Coronavirus in Neuenrade: Warten auf Entscheidungen der Politik

Die Museumsmannschaft will vorher die nächste Politikerrunde abwarten, bei der neue Pandemie-Maßnahmen verkündet werden könnten. Sasse hält das Museum nach den aktuell geltenden Vorgaben begehbar für Publikum. Es gebe zwei Zugänge, so dass ein Einbahnstraßensystem – bei maximal drei Besuchern gleichzeitig in der Einrichtung – realisierbar sei. Die dürfen sich dann auf nicht so alltägliche Ausstellungsstücke freuen: Exponate, zu denen häufig ein Mensch und eine Geschichte gehören. 

Recht spektakulär ist ein Exponat aus den 1920er-Jahren – ein Turm-Grammophon aus dem Nachlass von Horst Stücken, das die Ausstellung zur Neuenrader Industriegeschichte bereichert. Zudem gibt es Geschäftspost aus diesem Nachlass. Heinz Werner Turk ersteigerte dazu einen alten Produktkatalog der Firma Husberg, in dem just dieses Grammophon enthalten ist. Damit es wieder ans Laufen kam, musste Klaus Peter Sasse sein Gedächtnis und Netzwerk aktivieren. So entsann er sich des privaten Museums Hüttel in der Nähe der Neuenrader Partnerstadt Klingenthal – ein Museum für Musikapparate aller Art. 

Altes Grammophon funktioniert wieder

Der Chef des Museums, Reiner Hüttel, sicherte Sasse zu: „Bring das Teil mit, ich repariere Dir das.“ Hüttel hat Wort gehalten. Im Neuenrader Museum spielt es nun Schallplatten ab: Heinz Werner Turk dreht an der Kurbel und das Gerät legt los – sogar in zwei Geschwindigkeiten. Es erinnert von der Form her schon an eine Turm-Stereoanlage, die in den 80er- und 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts modern war. 

Stadtmuseum wird für Wiederöffnung vorbereitet

Unter dem Grammophon ist direkt der Lautsprecher, der mit buntem Stoff bespannt ist. Mit der Grammophonmusik fühlt sich der Besucher sofort in ein anderes Zeitalter versetzt. In den 1920er-Jahren hatte die Musikindustrie in Neuenrade noch eine Rolle gespielt, bevor – so die Erklärung von Sasse – eine kulturelle Veränderung eingetreten sei, weil die Hausmusik nicht mehr die große Rolle gespielt habe. Aus dieser Neuenrader Industriephase zeugen Exponate wie Akkordeons und Gitarren. 

Jedes Exponat hat seine Geschichte

Jedes Exponat hat seine Geschichte. Wie das Unikat eines Akkordeons, das ein Vater extra für seinen Sohn gefertigt hatte. Oder das Vaterland-Fahrrad, mit dem ein Neuenrader einst seine Hochzeitsreise unternommen hatte – zur Sorpe. 

Auch zwei Bilder aus der erfolgreichen Werner-Turk-Ausstellung in Werdohl haben einen Platz im Museum gefunden. Werner Turks Sohn, Heinz Werner Turk, hat sie zur Verfügung gestellt. Das Bildnis einer jungen Frau mit Laute passt dabei wunderbar zu den Gitarren. 

Wichtige Dokumente als Übersetzungen

Im Raum zur Neuenrader Stadtgeschichte mit den vielen Urkunden findet sich ein Buch, das der ehemalige Bürgermeister Schmerbeck einst zum 50. Geburtstag geschenkt bekam. Der Clou: Es enthält die Übersetzungen zu den wichtigen Dokumenten der Stadtgeschichte, die just in diesem Raum ausgestellt wurden. Das passt. Hier können Besucher in Ruhe die Faksimiles bestaunen, sich anschließend niederlassen und die Übersetzungen lesen. 

Im neuen vierten Zimmer fallen sofort die historischen Schützenuniformen auf, welche zwei Schaufensterpuppen schmücken. Dazu gibt es reichlich Informationen zur Schützengesellschaft und Vitrinen mit allerlei Ausstellungstücken zum Beispiel über Friseur Gödde, der just in den Räumen des Museums einst seinem Handwerk nachging. 

Buch zur kommunalen Neuordnung

Die kleine Präsenzbibliothek enthält Kleinode der jüngeren Vergangenheit, wie Turks Fotoband zu Kyrill. Auch ein Buch zur kommunalen Neuordnung ist dabei. Die Schule am Wall ist Thema, ein Zeugnis aus den 1950er-Jahren ist zu sehen. Ebenso das Foto der TuS-Fußballabteilung nach dem Gewinn der Westfalenmeisterschaft (1973/1974), das mit Autogrammen versehen ist. 

Ein Besuch lohnt sich also.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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