Ex-Neuenrader meldet sich

Post aus Peking für den Bürgermeister

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Als Dominik Sprenger im Nordosten Chinas Skiurlaub machte, gab es auch in seinem Hotel Corona-Fälle.

Neuenrade – Ungewöhnliche Post bekam Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) Mitte April. Aus Beijing, hierzulande eher unter dem Namen Peking ein Begriff, meldete sich Dominik Sprenger.

Sprenger ist ehemaliger Neuenrader, fühlt sich seiner Heimatstadt sehr verbunden und bot dem Bürgermeister an, 2000 Einweg-Schutzmasken zu spenden. 

Wiesemann nahm das Angebot gerne an, zumal wenig später auch in Neuenrade die Maskenpflicht eingeführt wurde und durchaus Knappheit herrschte. Sprenger brachte die 2000 Schutzmasken zügig in zwei Paketen per Luftfracht auf den Weg. Ehrensache für den großzügigen Spender, dass er auch etwaig anfallende Zollgebühren übernehmen würde. 

Coronavirus in Neuenrade: Verbundenheit zur Stadt

Schon am 4. Mai kamen die Pakete. Die Masken werden im Rathaus eingesetzt für Besuche, in der Bücherei, für die Jugendarbeit, in den Schulen und auch im Stadtgebiet für den spontanen Bedarf. Dominik Sprenger bot dem Bürgermeister auch an, dass er sich bei weiterem Bedarf noch mehr kümmern könne, um weitere Masken auf den Weg zu bringen. 

„Es ist immer wieder schön, wenn sich junge Leute an ihre Wurzeln, ihre Heimat erinnern und – dann auch noch Hilfe leisten“, sagt Wiesemann dankbar. Das zeige die Verbundenheit zur Stadt und zur Familie. 

Für die Hanns-Seidel-Stiftung in China

Der Vater von Dominik Sprenger war viele Jahre als Lehrer und als Konrektor der ehemaligen Hauptschule tätig. In dem Gebäude ist heute die Hönnequell-Schule untergebracht. Dominik Sprenger arbeitet für die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung. In China kümmert sich die Stiftung mit ihrem Repräsentanzbüro um das Thema Bildung. 

Dominik Sprenger stammt gebürtig aus Neuenrade.

Dominik Sprenger begann 2008 in Bochum Chinesisch und Politikwissenschaften zu studieren und schloss später sein Studium in China mit dem Master ab. Seit 2017 arbeitet er für die Stiftung als Projektmanager und Dolmetscher. „Ziel unserer Arbeit in China ist es, das gegenseitige Verständnis zwischen China und Deutschland zu fördern, gerade vor dem Hintergrund zweier sehr unterschiedlicher politischen Systeme“, erzählt Sprenger im Gespräch mit der Redaktion. 

Verschiedene Herangehensweisen

Der politische Hintergrund helfe auch, die verschiedenen Herangehensweisen an die Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus in China und Deutschland zu verstehen, betont Sprenger. „Anfangs wurden in China Informationen über die Entdeckung des Virus nicht rechtzeitig an die politische Führungsebene weitergegeben. Als die Zentralregierung von der Existenz des Virus erfuhr, handelte sie aber dann schnell und effizient“, berichtet der gebürtige Sauerländer. 

Ausgangsbeschränkungen seien früher und umfassender in Kraft getreten als in Deutschland und seien beibehalten worden, „bis die Verbreitung des Virus weitestgehend unterbunden“ war. „In der Hauptstadt Peking mit mehr als 20 Millionen Einwohnern gab es seit rund einem Monat keine neuen Infektionsfälle, sodass mittlerweile das Leben wieder weitgehend zur Normalität zurückgekehrt ist“, sagt Sprenger. Er berichtet, wie die Chinesen den Umgang der Europäer mit dem Virus sehen: „Die europäische Strategie, die Infektionszahlen auf niedrigem Niveau stabil zu halten, statt sie auf Null herunterzufahren, erscheint vielen Menschen in China dagegen als langwieriger und kräftezehrender Balanceakt, der der Gesellschaft über die kommenden Monate sehr viel abverlangen wird.“ 

Ab Ende Januar von den Maßnahmen betroffen

Sprenger war von den Pandemiemaßnahmen in China ab Ende Januar betroffen. „Ich war gerade im Skiurlaub im Nordosten Chinas als das Virus entdeckt und als Gefahr für die öffentliche Gesundheit eingestuft wurde. Später habe ich erfahren, dass in einem Hotel, in dem ich mich aufgehalten hatte, auch zwei Infektionen zum Zeitpunkt meines Aufenthalts nachgewiesen wurden“. 

Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) freut sich über die Maskenspende aus China. Der gebürtige Neuenrader Dominik Sprenger schickte 2000 Einweg-Schutzmasken in die Hönnestadt

Als er dann wie geplant nach Peking zurückgefahren sei, habe er während des Frühlingsfestes zum Glück fast den gesamten Zug für sich alleine gehabt. Beim Eintreffen in Peking hätten die Schutzmaßnahmen, ähnlich wie später auch in Deutschland, gegriffen. Sprenger sagt: „Das Frühlingsfest hat bei der Eindämmung des Virus geholfen. Viele Geschäfte und Betriebe haben während dieser Zeit ohnehin geschlossen, diesmal kam die Wirtschaft fast komplett zum Erliegen“. Dann habe die Regierung die einwöchigen Ferien an besonders betroffenen Orten noch verlängert. Verwandtenbesuche, die in dieser Zeit eigentlich üblich seien, habe man verboten. Kontaktsperren seien noch einige Zeit in Kraft geblieben. 

Ausländer dürfen nicht einreisen

„Unzählige Menschen wurden in Sammeleinrichtungen unter strikte Quarantäne gestellt, weil sie Kontakt zu Infizierten hatten“, berichtet Sprenger aus erster Hand. Und wie sieht es aktuell in China aus? „Seit einiger Zeit gibt es in China kaum noch neue Infektionen. Restaurants, Cafés und Schulen haben wieder geöffnet. Ausländer dürfen derzeit bis auf sehr begrenzte Ausnahmen nicht mehr einreisen. Auch ich dürfte nicht zurück, wenn ich das Land verlassen würde. Einige meiner Kollegen stecken derzeit auch noch in Deutschland fest.“

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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