Von Alltag nichts zu spüren

Erster Schultag nach Corona-Pause: So lief der Neustart

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Mit Mundschutz saßen die Zehntklässler der Hönnequell-Schule am Donnerstag mit viel Abstand in ihren Klassenräumen.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Es ist schon ein trauriger Schulstart am Donnerstagmorgen: Kaum etwas ist von jener Euphorie oder Aufbruchstimmung zu spüren, die sonst nach einer längeren Schulpause bei den Schülern herrscht.

Die große Pause an der Hönnequell-Schule (HQS) ist dagegen von maskierten Schülern geprägt, die auf Abstand beieinander sitzen. Kein Gewusel, keine Gruppenbildung, kein Rufen, Rennen oder Gelächter. 

Offensichtlich unterbinden die Masken soziale Interaktionen. Mimik ist ja nicht zu erkennen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass die jüngeren Schüler fehlen und nur die eher vernünftigen 70 Zehntklässler auf dem Hof Pause machen. 

Coronavirus in Neuenrade: Start bestmöglich vorbereitet

In den vergangenen Tagen hatten die Verantwortlichen der HQS den Neustart nach der Corona-Zwangspause bestmöglich vorbereitet: Einbahnstraßensystem, telefonische Anmeldung fürs Schulsekretariat und offene Klassentüren, damit niemand möglicherweise corona-kontaminierte Klinken anfassen muss. Wer in die Schule hinein will, kann zwar normal durch den Haupteingang kommen, aber wieder hinaus geht es nur am anderen Ende des Gebäudes. Einbahnstraßenschilder zeigen klar die Richtung an. 

Schulleiterin Eva Päckert berichtet von „disziplinierten Schülern“, die von den jeweiligen Lehrern morgens an festgelegten Plätzen in Empfang genommen wurden, um dann in Kleingruppen im Gänsemarsch mit dem vorgeschriebenen Abstand in die Klassen geführt zu werden. „Dann ist Händewaschen Pflicht. Das dauert bei zwölf Schülern natürlich – aber die Zeit nehmen wir uns,“ sagte Päckert. 

Die Unsicherheit ist groß

Viele Fragen galt es zu beantworten und Regeln zu erklären. Die Schüler wollten wissen, was sie dürfen und was eben nicht. Eine ausdrückliche Maskenpflicht gibt es im Klassenraum nicht. Durch die Aufteilung in Gruppen ist genug Platz für die Einhaltung der Abstandsregelungen, die Maske darf dann abgelegt werden. Doch „in der Bewegung“ sei es eben schwer Abstand zu halten, deshalb sollen die Schüler in diesem Fall ihre Masken aufsetzen. Ansonsten ist Frontalunterricht angesagt, durch die Reihen marschieren geht nicht. Schulleiterin Päckert hat an diesem ersten Schultag nach den gut fünf Wochen den Eindruck, dass die Schüler „ganz froh und dankbar“ seien, wieder gemeinsam Unterricht zu haben. Sie glaubt, dass es für einige Zehntklässler in der zurückliegenden Zeit nicht einfach war: „Das sind ja keine volljährigen Abiturienten.“ Auch viele Lehrer hätten sich gefreut, wieder in der Schule unterrichten zu können. 

Auch die Lehrer der Hönnequell-Schule, hier Holger Bieda, sorgten für ihren Schutz.

In den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder in kurzer Zeit viel regeln zu müssen, sei schon eine Herausforderung gewesen: Videounterricht und spezielle Arbeitspläne, Rückmeldungen, Korrekturen und Gruppendiskussionen. Auch Lehrer hätten zuhause schließlich kleine Kinder oder andere familiäre Umstände. Rückblickend ist Päckert nun aber zumindest froh, dass auf diese Weise die Digitalisierung massiv vorangekommen sei. 

Masken sind "umständlich und ungewohnt"

Und wie ergeht es den Schülern? Colin Weiss ist sich nicht ganz sicher, ob es richtig war, die Schule zu öffnen angesichts der Infektionszahlen. Unterricht wäre seines Erachtens auch digital weiter möglich gewesen. Andere Schüler denken ähnlich. Es gibt aber auch Stimmen, die den digitalen Unterricht als „zu umständlich“ bezeichnen. „Umständlich und ungewohnt“ sind für einige auch die Masken. Einige Schüler fühlen sich darüber hinaus „unsicher“, ob sie gut auf die anstehenden zentralen Abschlussprüfungen vorbereitet sind. 

Am Burggymnasium Altena, das mit der Hönnequell-Schule eine Kooperation hat und von vielen Schülern aus Neuenrade und Werdohl besucht wird, ist der erste Tag nach langer Pause ebenfalls ein besonderer. Kaum etwas ist los an diesem Morgen, der übliche Bring-Verkehr fällt flach, kaum ein Schüler ist zu sehen. „Gruselig“ sei es in der Schule, weil eben geisterhaft leer. Denn nur ein Teil der Abiturienten nehme das freiwillige Angebot des Modulunterrichts in Anspruch, berichtet eine Schülerin. Unterricht bei geöffneten Türen sei ebenso ungewohnt wie das Tragen von Masken. „Einige stellen auch die Sinnhaftigkeit des Unterrichts infrage. Vor allem, da es in den schriftlichen Fächern eh zu wenig Live-Unterricht sei“, erzählt die Schülerin. Positiv bewerteten einige Abiturienten allerdings die Simulation einer mündlichen Prüfung und dass sie lang vermisste Freunde sehen könnten. 

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Auch in Werdohl wurde der Unterricht an der Albert-Einstein-Gesamtschule und an der Realschule für die Abschlussjahrgänge unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wieder aufgenommen. Ebenso in Balve, wo sich 58 Realschüler und 18 Hauptschüler auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten. 

Nina Fröhling (von links), Michael Bathe und Hans-Jürgen Stracke zogen nach dem ersten Schultag zufrieden Bilanz.

„Unsere Schüler freuen sich, wieder zum Unterricht kommen zu dürfen“, berichten die Schulleitungen Nina Fröhling (Realschule) und Hans-Jürgen Stracke (Hauptschule). Die Jugendlichen kämen endlich heraus aus der räumlichen Enge, in der sie eigene Lernschwerpunkte setzen mussten. „Es ist ein erster kleiner Schritt zurück in den Alltag“, hofft Fröhling. 

Schutzmasken für Fahr-Schüler

Die Stadt als Schulträger hatte in dieser Woche nicht nur für ausreichend Desinfektionsmittel in den Schulgebäuden gesorgt. Michael Bathe, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, übergab an die Schulleitungen Schutzmasken für die Fahr-Schüler. 78 sind es in den 10. Jahrgängen, die ab Neuenrade und Menden in Bussen nach Balve befördert werden. „Der Schulträger hat nicht die Pflicht, Masken zur Verfügung zu stellen, doch wir sehen uns dazu in der Verantwortung“, sagt Bathe. Die ausgewählten Masken seien mehrfach verwendbar. 

Einer Maskenpflicht im Unterricht stehen Nina Fröhling und Hans-Peter Stracke sehr kritisch gegenüber. „Der Unterricht einer Fremdsprache wird dadurch erschwert“, meint Stracke. Denn genaue Aussprache sei hier erforderlich. „Die allgemeine Kommunikation findet über Mimik und Gestik statt; eine Schutzmaske ist da hinderlich“, findet Fröhling. 

Erste Erfahrungen sollen helfen

Die ersten Erfahrungen, die in den kommenden Tagen mit dieser ganz besonderen Form des Unterrichts an Haupt- und Realschule gesammelt werden, sollen helfen, wenn ab 4. Mai schrittweise auch die Grundschulen wieder geöffnet werden und an den weiterführenden Schulen weitere Jahrgänge hinzukommen. 

Keine Probleme mit der Einhaltung von Abstandsflächen gab es laut Bathe in den Schulbussen bei der Beförderung der Schüler. „Zusammen mit den Verkehrsträgern überlegen wir jetzt, wie dies auch geschafft werden kann, wenn die Grundschüler hinzukommen“, sagt Bathe.

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