Coronavirus in Neuenrade

Gertrüdchen: Fällt das Volksfest auch 2021 aus?

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Gedränge in der Gertrudenpassage: Solche Zustände sind angesichts der aktuellen Situation undenkbar. Doch momentan kann sich Bürgermeister Antonius Wiesemann nicht vorstellen, das Volksfest völlig zu verändern und in deutlich abgespeckter Form zu feiern.

Neuenrade – „Glaskugel-Guckerei“ – dazu will sich Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) nicht hinreißen lassen, wenn es um das bedeutendste Fest der Neuenrader geht.

Doch die Zeit sitzt dem Stadtoberhaupt im Nacken: „Spätestens Mitte des kommenden Monats muss entschieden werden, ob unser Gertrüdchen im kommenden Jahr stattfinden soll oder nicht.“ 

Auch von einer möglichen Tendenz möchte Wiesemann momentan noch nicht sprechen. „Wir müssen ganz genau beobachten, wie sich die Pandemie weiter entwickelt“, stellt er fest. Angesichts deutschlandweit steigender Corona-Infektionszahlen sehe es momentan natürlich nicht gut für die Durchführung des Traditionsfestes aus. Doch in etwa sechs Wochen könne noch eine ganze Menge passieren. 

Coronavirus in Neuenrade: Absage wäre für Schausteller "eine Katastrophe"

Dass eine mögliche Absage des Festwochenendes im März bereits im November notwendig ist, hängt mit den umfangreichen Planungen zusammen. Unter anderem müssen die Schausteller wissen, ob sie in der Hönnestadt Fahrgeschäfte, Los- und Verkaufsbuden aufbauen dürfen. „Für sie wäre es natürlich eine echte Katastrophe, wenn wir erneut absagen müssten. Schausteller sind eine der Berufsgruppen, die durch die Pandemie ganz besonders in ihrer Existenz bedroht sind“, stellt das Stadtoberhaupt fest. 

So wurde 2019 beim Gertrüdchen gefeiert:

Gertrüdchen: So lief der Samstag

Im Gegensatz zur Herbstlichen Landpartie, die am ersten Oktoberwochenende etwa 9400 Besucher ins benachbarte Balve gelockt hatte, sei das Gertrüdchen kein reines Freiluft-Event, bei dem es relativ einfach sei, Abstand von anderen Menschen zu halten: „In der Gasse, im Zelt, im Kaisergarten und noch an anderen Orten wird es eng – und es wird gefeiert.“ Zudem sei es nach dem Genuss einiger Gläser Bier oder des hochprozentigen Buba Bitter durchaus möglich, dass die Gäste coronabedingte Vorsichtsmaßnahmen vergessen würden. 

Das diesjährige Gertrüdchen hatte Bürgermeister Wiesemann am 4. März abgesagt – eineinhalb Wochen vor der Veranstaltung. Schon damals hatte er betont, dass es kaum vorstellbar sei, das Traditionsfest in abgespeckter Form zu feiern: „Ein halbes oder gar ein gedritteltes Gertrüdchen – das geht auf keinen Fall.“ Diese Aussage wiederholte er jetzt. 

Bürgermeister musste harsche Kritik einstecken

Allerdings zeigten im März längst nicht alle Neuenrader Verständnis für die Absage. Wiesemann musste – teils harsche – Kritik einstecken, sogar Rücktrittsforderungen wurden laut. Doch nur wenige Tage später wurde deutlich, dass das Stadtoberhaupt weitsichtig und besonnen gehandelt hatte: Am 11. März – zwei Tage vor dem ursprünglich geplanten Festbeginn – rief die Weltgesundheitsorganisation WHO die Pandemie aus, kurz darauf folgte der deutschlandweite Lockdown. 

Bilder vom Gertrüdchen 2019

Der Gertrüdchensonntag in Bildern

Müsste das Traditionsfest auch 2021 coronabedingt ausfallen, kann der Bürgermeister sicher auf deutlich mehr Verständnis hoffen. „Mein Gefühl sagt mir, dass unser Gertrüdchen nicht stattfindet,“ meint Jens Hilgert, Geschäftsführer des Hagebaumarktes Arens & Hilgert. In diesem Fall sei selbstverständlich auch der verkaufsoffene Sonntag im Rahmen des Volksfestes vom Tisch. 

Erneut ein Frühlingsfest?

Ob er an dem Samstag, an dem normalerweise in der Stadt gefeiert würde, erneut ein kleines Frühlingsfest im Hagebaumarkt planen möchte, konnte Hilgert noch nicht sagen. Allerdings erklärte er: „Vor einem halben Jahr waren wir noch unwissend und konnten nicht abschätzen, was da auf uns zukommt. Heute wägt man ganz anders ab und macht sich viel mehr Gedanken.“ 

Heinz Friedriszik, der Vorsitzende des Wirtevereins, befürchtet ebenfalls ein weiteres Jahr ohne Gertrüdchen. Allerdings könnte er sich vorstellen, das Traditionsfest umzustrukturieren und in abgespeckter Form zu feiern, um so dem Infektionsschutz Rechnung zu tragen. 

Situation für Gastwirte wird immer schwieriger

„Für uns Gastwirte wird die Situation von Monat zu Monat schwieriger“, stellt Friedriszik fest. Normalerweise lägen Anfang Oktober schon viele Anmeldungen für Weihnachtsfeiern vor. „Aber bisher ist kaum etwas angekommen.“ Die Menschen seien verunsichert – nicht nur, weil sie sich vor einer Infektion fürchteten. „Die Vorgaben ändern sich ständig und sind nicht einheitlich. Da blickt kaum noch einer durch.“ 

So wird beim Gertrüdchen gefeiert

So wird beim Gertrüdchen gefeiert

Sollte das Weihnachtgeschäft für die heimischen Gastronomen tatsächlich schlecht verlaufen, müsse man auf Silvesterfeiern erst recht keine Hoffnungen setzen. Die Frage sei, ob alle Wirte das noch lange durchhalten könnten: „Der Ausfall des Gertrüdchens wäre da nur das traurige i-Tüpfelchen“, so Friedriszik.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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