Nach Urlaub in Ägypten

Mit Coronavirus infiziert: Hausarzt aus dem MK muss selbst in Quarantäne

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Im Ägyptenurlaub infizierte sich Dr. Paul Gotthardt, hier mit seiner Frau vor dem bekannten Felsentempel in Abu Simbel, mit dem Coronavirus.

Neuenrade/Kairo – Eigentlich hatte sich Dr. Paul Gotthardt mit seiner Frau nur einen Urlaubstraum erfüllen wollen. Einmal auf dem Nil fahren, Kairo erkunden, Tempel und Pyramiden besichtigen.

Jetzt ist klar: Bei seiner Ägyptenreise hat sich der Allgemeinmediziner aus Neuenrade mit dem Coronavirus angesteckt. 

Angefangen hatte alles vor gut einer Woche. Noch im Urlaub hatten sich erste Symptome bei Dr. Gotthardt gezeigt: Halsschmerzen und ein trockener Reizhusten. Drei bis vier Tage habe das angehalten, schildert der Arzt. Sorgen machte er sich deshalb zunächst nicht. 

Test erst in Deutschland durchgeführt

Auf Drängen seiner Frau entschieden sich beide aber doch zu einen Coronatest als sie in Deutschland gelandet waren – prophylaktisch wie sie zunächst angenommen hatten. „Ich fühlte mich nur ein bisschen schlapp. Das hätte ich nie auf das Coronavirus zurückgeführt“, sagt der 64-Jährige. Schmunzelnd ergänzt er: „Eher auf den Fluch des Pharao.“ 

Den Rachenabstrich konnte er selbst vornehmen. „Das ist der Vorteil: Wenn man Arzt ist, geht das alles ein bisschen einfacher.“ Kurze Zeit später kam die Nachricht, dass der Test positiv ist. 

In häuslicher Quarantäne

Seitdem ist das Ehepaar in häuslicher Quarantäne. Paul Gotthardt geht es laut eigener Aussage aber schon wieder recht gut. Er lobt das Vorgehen des Gesundheitsamtes, das die schnelle Diagnose und damit auch sofortiges Handeln möglich machte. „Zum Glück sind wir nicht in Ägypten gestrandet.“ Zuhause kümmert er sich um Post und Schriftsachen. „Schade ist natürlich, wenn man bei dem tollen Wetter das Haus nicht verlassen darf.“ 

Zurück ins Sauerland gekommen sind der Neuenrader und seine Frau am Donnerstag. Auf der Rückreise von Kairo nach Deutschland habe er nur mit wenigen Menschen Kontakt gehabt. Mit Ausnahme des Flugzeugs, das rappelvoll gewesen sei. Daher musste der Arzt dem Gesundheitsamt auch genau erläutern, in welcher Sitzgruppe er gesessen hatte. „Ich hoffe, dass meine Viren einfach abgesaugt und dann nach draußen gepustet wurden“, erklärt er, Bezug nehmend auf die Flugzeuglüftung. 

Im Zug nur wenig los

Der IC von Frankfurt nach Hause sei dagegen recht leer gewesen, so dass Gotthardt nicht glaubt hier jemanden gefährdet zu haben. 

Froh ist er im Hinblick auf seine Erkrankung und ihren Verlauf. Einerseits, weil sie so früh festgestellt wurde und er deshalb keinen seiner eigenen Patienten unwissentlich infizieren konnte. Und andererseits, weil die Krankheit bei ihm vergleichsweise mild verlief. „Ich habe einen Bekannten, der wegen einer Lungenentzündung aktuell intensivmedizinisch versorgt werden muss.“ 

Fiebertagebuch für das Gesundheitsamt

Bis Ende der Woche muss der Neuenrader Hausarzt noch in Quarantäne bleiben. „Wenn das Fiebertagebuch okay ist, das ich an das Gesundheitsamt schicken muss, können wir am Samstag vielleicht wieder raus“, hofft er. In Deutschland waren die Gotthardts dann gut eine Woche isoliert. Das liegt daran, dass die Krankheit schon in Ägypten ausbrach. Die erste Infektionswoche verbrachten sie also während der Reise. 

Am nächsten Montag soll im Optimalfall auch die Praxis wieder öffnen. Gerade jetzt wäre das wegen das Ärztenotstands in Neuenrade wichtig, betont Gotthardt. Ab Mittwoch, 1. April, würde er zusätzliche Unterstützung von einem Kollegen erhalten, sodass zwei Ärzte in der Praxis zur Verfügung stünden. 

Appell: Situation ernst nehmen

An die Menschen appelliert Gotthardt, die Situation ernst zu nehmen und zu Hause zu bleiben, sofern möglich. Von der Politik hätte er sich deutlichere Worte gewünscht: „Die Gastronomen müssen schließen und gleichzeitig sagt Frau Merkel, dass die Coronapartys nur ,inakzeptabel’ sind?!“

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