Neuenrader Kulturmanagerin Monika Arens arbeitet mit Verschiebungen

Corona = Kein Auftritt, kein Geld

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Für diese Veranstaltung fand Kulturmanagerin Monika Arens noch einen Ausweichtermin im kommenden Jahr.

Wer mit Kultur sein Geld verdient, hat es noch nie leicht gehabt. Die Geschmäcker sind verschieden, die Interessen der Menschen breit gestreut. Kultur will bilden, Kultur will unterhalten und Kultur will verändern oder bewahren, aber auch Neues schaffen. In diesem Umfeld klingt die heutige Formel sehr einfach. Sie lautet: Corona = Kein Auftritt, kein Geld.

Neuenrades Kulturbeauftragte Monika Arens ist nah dran an ihren Künstlern, hört schlimme Geschichten in diesen Zeiten, aber erfährt auch in Anrufen und E-Mails unerschütterlichen Optimismus zum Beispiel von Agenturen wie die von Claudia Weber, die auf Künstler und Veranstalter als Spezialisten in Krisenbewältigung setzt und auf die Zeit nach Corona und „den großen Kulturhunger“ hofft.

"Corona killt Kultur"

Vielfältig auch die Zahl der Ideen, wie „Corona-killt-Kultur“-Zeiten überlebt werden können. The Twiolins weisen in ihrem Newsletter auf Aktionen hin, mit denen auch in diesen Zeiten etwas Geld in die Taschen der Künstler gespült werden kann: Videos auf YouTube anschauen bringe ein bisschen, Streaming auf Spotify oder Apple-Music bringe zwar nicht mal ganze Cents, aber hier mache es doch die Masse.

Auch der Kauf einer CD lasse ein bisschen die Kasse klingeln, genauso wie ein Merch-T-Shirt des Künstlers zu kaufen oder Noten für Kammermusik und für Musikschüler. Und schließlich gebe es noch die Möglichkeit, Konzerte zu streamen.

Monika Arens tun derlei verzweifelte Nachrichten in der Seele weh. 2000 Euro Vorschuss hat sie daher auch zwischendurch an jemanden gezahlt, den sie im kommenden Jahr noch unterbringen konnte. Denn: Die neue Kultursaison muss jetzt schon geplant werden, Corona hin oder her. Aber die Termine lassen sich natürlich nicht einfach auf das kommende Jahr übertragen. Die Komödie „Dieses bescheuerte Herz“ kann nicht einfach nachgeholt werden, aber für die „Drei Tenöre, drei Freunde“ konnte ein Ersatztermin gefunden werden.

Arens ist dabei optimistisch, dass der Saisonauftakt im September mit dem Tschechischen Jugendchor funktioniert, versprechen kann sie es allerdings nichts, auch wenn dessen Leiter sehr zuversichtlich ist. Im November würde es dann den Kabarettabend mit Anja Geuecke geben, dann folge im Dezember das traditionelle Weihnachtskonzert mit den Neuenrader Musikakteuren.

Im kommenden Jahr würde die neue Kultursaison mit einer Komödie starten, im Frühjahr ginge es weiter mit einem Schauspiel plus Musik und die neue Saison würde 2021 im April mit der Show Nornu und dem ungewöhnlichen Duo Schwarzblond und der Rossi Dance Company enden.

Trotz der Ungewissheit, ob die neue Saison im September beginnen kann, muss eine Kulturmanagerin wie Monika Arens planen. Sprich: Sie muss wissen, ob die Abonnenten dem Neuenrader Kulturbetrieb treu bleiben, kann aber wegen der ungewissen Lage im Mai noch kein Abo verkaufen. Daher bietet die Kulturbeauftragte der Stadt an, dass Kulturinteressierte das Abo schon bestellen können und eine Einzugsermächtigung erteilen. Doch die Abo-Gebühr wird erst eingezogen, wenn sicher ist, dass die Saison am 20. September starten kann. Vor Saisonbeginn werde die Stadt ihre Abonnenten informieren, anschließend die Gebühr einziehen und die Karten per Post zuschicken.

Der Abo-Preis beträgt für die neue Saison 70 Euro, in der ermäßigten Variante 45 Euro. Weil coronabedingt zwei Veranstaltungen ausfielen, dürfen die Betroffenen das Abo auf 50 Euro, ermäßigt 35 Euro reduzieren. Monika Arens betont aber: „Wenn sie einen Neustart der Kultur nach der Corona-Zeit unterstützen wollen, würden wir uns natürlich freuen, wenn sie auf die Reduzierung verzichten.“

Monika Arens jedenfalls hofft fest, dass nicht nur ihr Kulturhunger demnächst wieder gestillt wird. Nicht nur Musik, Tanz, und Theater fehlen ihr: „Ich vermisse meine Abonnenten.“ 40 Jahre macht Arens ihren Job als Kulturmanagerin und in all dieser Zeit hat sie manche Kulturfreundschaft bei den Abonnenten gefunden. Man kennt sich.

Und: „Jede Kulturveranstaltung ist ja auch ein gesellschaftliches Ereignis. Streaming kann das Live-Erlebnis nicht ersetzen.“ Bleibt noch zu erwähnen, dass Kleinstädte wie Neuenrade – und das dortige Publikum – mit einem üppigen Kulturprogramm einen wichtigen Beitrag zum Überleben der Kultur beitragen.

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