Lüftungsvorschriften

In Corona-Zeiten: Mit Decke und Mütze in die Schule

Regelmäßiges Lüften ist auch in den Herbst- und Wintermonaten in den Klassenräumen der Hönnequell-Schule und der Waldorfschule angesagt.
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Regelmäßiges Lüften ist auch in den Herbst- und Wintermonaten in den Klassenräumen der Hönnequell-Schule und der Waldorfschule angesagt.

In den vergangenen Tagen lagen die Temperaturen im Sauerland erstmals in diesem Herbst tief im einstelligen Bereich. Trotzdem müssen die Schulen die Lüftungsvorschriften des Schulministeriums einhalten.

Alle 20 Minuten gehen in den Klassen die Fenster auf, um die Luft auszutauschen und so Schüler und Lehrer vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, erklärt Eva Päckert, Leiterin der Hönnequell-Schule (HQS).

„Es wird für drei bis fünf Minuten quer- oder stoßgelüftet, je nachdem wie es die verschiedenen Klassenräume erlauben“, sagt Päckert. „Die meisten Lehrer stellen sich einen Wecker, um in regelmäßigen Abständen zu lüften. Oft übernehmen die Aufgabe auch die Schüler und erinnern die Lehrer daran.“ Wenn das Wetter es zulasse, blieben die Fenster sogar dauerhaft geöffnet. Dies sei tagesabhängig, sagt Päckert.

Schulleiterin sieht viel Verständnis bei den Schülern

In Anbetracht der kühlen Temperaturen haben die HQS-Verantwortlichen längst erlaubt, dass die Schüler sich Decken mit in den Unterricht nehmen. Auch Winterjacken und sogar Mützen seien erlaubt, wenn es knackig kalt wird, erklärt Päckert. Trotz dieser Widrigkeiten hätten die Schüler Verständnis für die Corona-Schutzmaßnahmen und würden sie akzeptieren, betont die Schulleiterin. „Unschön und ungemütlich ist es natürlich trotzdem für alle.“

Abgesehen von den vorgeschriebenen Maßnahmen, denke die HQS auch über zusätzliche Möglichkeiten nach, die die Schüler vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen könnten. Dabei spiele zum Beispiel der Öffentliche Personen-Nahverkehr eine Rolle, denn in den Bussen drängen sich Schüler gerade morgens dicht an dicht. Abhilfe könnte theoretisch ein versetzter Unterrichtsbeginn schaffen, sodass ein Teil der Schüler zum Beispiel um 8 Uhr käme und ein anderer um 8.30 Uhr, um dadurch das Aufkommen zu entzerren. „Das ist aber schwierig umzusetzen, weil die Schüler aus vielen verschiedenen Richtungen nach Neuenrade kommen, was die Sache kompliziert macht“, sagt Päckert. Sie spricht von den Nachbarorten Altenaffeln, Werdohl und Balve, aus denen die Kinder und Jugendlichen anreisen.

Versetzter Schulbeginn würde zu Problemen führen

„Ein weiterer organisatorischer Batzen ist, dass sich mit so einem Konzept natürlich auch die Arbeitszeit der Lehrer erhöhen würde“, sagt Päckert. Andernfalls müsste die Unterrichtszeit verkürzt werden, „aber die Freiheit dazu haben wir gar nicht“. Dasselbe gilt übrigens für den Online-Unterricht: Auch hier kann die Schule nicht selbst entscheiden. „Onlineunterricht gibt es im Moment nur für Kinder, die pandemiebedingt zu Hause sind.“

Päckert betont aber: „Sag niemals nie: Es kann sein, dass sich das alles noch ändern wird, nur im Moment ist es nicht wirklich umsetzbar.“

Eine kleine Verbesserung werde es aber schon bald geben, denn ab Montag fahre mittags nach Schulschluss ein weiterer Bus, um dadurch die Situation ein Stück weit zu verbessern. Viele Eltern würden ihre Kinder derzeit auch bringen oder abholen und so ebenfalls zur Entschärfung der Situation beitragen.

Heizung fährt in der Waldorfschule sehr früh hoch

Klaus Giljohann, Geschäftsführer der Waldorfschule, berichtet ähnliches wie Eva Päckert: Auch in den Schulgebäuden am Remmelshagen werden alle 20 Minuten die Klassenräume gelüftet. Bisher sei das kein Problem gewesen, denn noch spiele das Wetter mit. An kälteren Tagen dürften die Schüler sich mit Jacken oder Decken behelfen, um nicht zu frieren. „Unsere Heizung fährt morgens aber auch sehr früh hoch. Wenn man die Fenster öffnet, ist die Temperatur im Raum nicht schlagartig unten. Bisher ist das sehr erträglich“, sagt Giljohann.

Er habe auch zwei Luftfiltersysteme für die Klassenräume ausgetestet, die mit Hepa-Filtern oder UV-Reinigung arbeiten. Dabei hätten sich aber praktische Probleme ergeben. „Geräte, die einen ausreichenden Luftdurchsatz für die Klassenräume mit 70 Quadratmetern Fläche haben, sind extrem laut und erzeugen einen richtigen Luftzug“, sagt Giljohann. „Wir haben noch nicht das richtige Gerät für uns gefunden.“ Das sei im Übrigen auch eine Frage des Geldes. Würde er jedes seiner Klassenzimmer mit einer Luftfilteranlage ausstatten, beliefen sich die Kosten dafür auf schätzungsweise 45 000 Euro, schätzt der Geschäftsführer; Folgekosten für Austauschfilter exklusive. „Geld ist aber endlich, das Ganze muss schon bezahlbar sein. Es gibt Förderprogramme für Einrichtungen, die schon eine Lüftungsanlage haben. Unsere Schule zählt da aber nicht zu und für mobile Geräte gibt es zumindest bisher keine Fördermittel“, kritisiert Giljohann, dass die Politik in diesem Fall an der falschen Stelle ansetze.

Unterricht beginnt bereits zeitlich verzögert

Einen zeitlich verzögerten Schulbeginn gibt es am Remmelshagen im Gegensatz zu HQS schon seit längerer Zeit: Die Oberstufenschüler fangen dort immer um 8.30 Uhr mit dem Unterricht an, während er für alle anderen Klassen um 8.15 Uhr beginnt. „Dadurch entzerrt sich die Gruppe auf dem Schulhof ein bisschen.“ Wegen der vollen Busse habe Giljohann Kontakt zur Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) aufgenommen und erfragt, ob mehr fahren könnten. Die MVG habe ihm in Ermangelung von Busfahrern jedoch eine Absage erteilt. Die Fahrzeuge hätten zu ähnlichen Zeiten fahren sollen, wie jetzt auch, denn nicht alle Schüler seien flexibel. „Wir haben ein großes Einzugsgebiet: Unsere Schüler kommen zum Teil aus Attendorn, Arnsberg und Iserlohn.“

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