Keine leichte Entscheidung für Bürgermeister Antonius Wiesemann 

Gertrüdchen wegen Coronavirus abgesagt - "Kann nicht mit dem Leben von Menschen spielen"

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Hoch her geht es immer an der Gertrudenpassage. Dicht gedrängt stehen hier die Massen. Ob der Neuenrader Kräuterschnaps Buba-Bitter als Prophylaxe durchgeht? Man weiß es nicht.

[Update, 4. März, 21.11 Uhr] Das Neuenrader Volksfest Gertrüdchen ist abgesagt worden - wegen des Coronavirus. Bürgermeister Antonius Wiesemann sprach von einer Entscheidung, die ihm nicht leicht gefallen sei. Doch letztlich stehe der Schutz der Menschen an erster Stelle

Neuenrade – Die kurzfristig einberufene Pressekonferenz im Rathaus hatte am Mittwochabend noch nicht begonnen – da verbreitete sich die Nachricht bereits wie ein Lauffeuer: Das Gertrüdchen, das vom 13. bis zum 15. März geplant war, wird aufgrund eines möglichen Infektionsrisikos mit dem Coronavirus nicht stattfinden.

Die Stimmung im kleinen Sitzungssaal des Rathauses war gedrückt, den Anlass der Zusammenkunft beschrieb Bürgermeister Antonius Wiesemann als „sehr traurig“. 

Gertrüdchen wegen Coronavirus abgesagt - "schwieriger Abwägungsprozess"

Nachdem er, unterstützt von weiteren Verantwortlichen aus dem Rathaus, eine Stunde zuvor den Kreis der Mitorganisatoren informiert hatte, sagte das Stadtoberhaupt, in seiner Funktion als Leiter der örtlichen Ordnungsbehörde, das Gertrüdchen offiziell ab.

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Wiesemann sprach von einem „schwierigen Abwägungsprozess“: „Es ist in der Geschichte der Stadt Neuenrade noch nicht vorgekommen, dass dieses Fest so kurzfristig abgesagt werden musste.“ Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, unterstrich er: „Aber da es um die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung geht, gab es aus meiner Sicht keine andere Möglichkeit.“ 

Größeres Infektionsrisiko im Gedränge - "Ich kann nicht mit dem Leben von Menschen spielen"

Er wisse, dass sicher nicht alle Bürger mit dieser Entscheidung einverstanden seien, hoffe aber letztlich auch auf deren Verständnis. „Wir können nicht ausschließen, dass es Infektionsquellen auf dem Gertrüdchen geben würde“, stellte der Bürgermeister fest – und verwies auf die „Nähe von Bürger zu Bürger“ etwa in der Gertrudenpassage oder im Zelt. 

Der Gertrüdchensonntag in Bildern

Auf die Frage, ob die Absage nicht übertrieben sei, wenn zeitgleich beispielsweise Fußballspiele mit zehntausenden Zuschauern stattfänden, hatte Antonius Wiesemann eine deutliche Antwort parat: „Ein solches Risiko gehe ich nicht ein. Ich kann nicht mit dem Leben von Menschen spielen.“ 

Auch er wisse, dass längst nicht alle Bürger in gleicher Weise gefährdet seien: „Aber es ist unsere Pflicht, an die Schwächsten in der Gesellschaft zu denken, die durch das Virus ernsthaft erkranken könnten.“ Er könne nicht nachvollziehen, dass andere Veranstalter offenbar gewillt seien, dieses Risiko einzugehen. 

Gertrüdchen: So lief der Samstag

Menschen verunsichert - wer weiß, wie viele Besucher überhaupt gekommen wären

Zudem seien inzwischen viele Menschen verunsichert, sagte der Bürgermeister. Er verwies auf Hamsterkäufe: „Wir wissen nicht, wie viele Besucher überhaupt gekommen wären.“ Den Gedanken, das Volksfest in abgespeckter Form zu feiern, habe man schnell verworfen: „Ein halbes oder gar ein gedritteltes Gertrüdchen – das geht auf keinen Fall“, erklärte Wiesemann. Besonders betrübt sei er auch mit Blick auf das neue Konzept – und die vielen Vereine, die sich einbringen wollten: „Wir waren so gut aufgestellt. Alle sind sehr traurig.“ 

So wird beim Gertrüdchen gefeiert

Diejenigen, die im Vorfeld finanzielle Unterstützung für das Traditionsfest zugesagt hätten, hielten die Absage aber für richtig. „Sie haben signalisiert, dass die Zusage für 2021 bestehen bleibt. Für mich ist das ein deutliches Signal.“ Wiesemann bedauerte, dass auch die Neuenrader Einzelhändler finanzielle Verluste hinnehmen müssten, denn auch der verkaufsoffene Sonntag am 15. März findet nicht statt. Dieser sei nur im Zusammenhang mit dem Volksfest genehmigt worden und müsse ebenfalls abgesagt werden.

Der Gertrüdchen-Freitag 2019 in Neuenrade

Coronavirus: Händeschütteln ist tabu

Und seit Ende vergangener Woche hat sich das Verhalten vieler Menschen geändert: Händeschütteln ist tabu, geschieht maximal nur noch reflexhaft, manchmal begleitet von Coronavirus-Witzen. Stattdessen heißt es alle paar Minuten: Hände waschen. 

In der Neuenrader Apotheke waren Desinfektionsmittel und Schutzmasken ausverkauft. Kein Zweifel, das Virus ist auch in der Hönnestadt das große Gesprächsthema,

Hönnequell-Schule bereitet sich vor

An der Hönnequell-Schule (HQS) wurde schon das Worst-Case-Szenario vorbereitet, falls durch den Märkischen Kreis eine Schließung der Schule angeordnet werden sollte. Dies erläuterte Schulleitungsmitglied Marcus Lubienski. Allerdings ohne Panik, sondern aus organisatorischen Gründen, wie der Abteilungsleiter durchblicken ließ. 

Denn für den Fall einer Schulschließung würden die Kinder einen Arbeitsplan bekommen, den sie abarbeiten müssten. Weitere Maßnahmen seien aktuell nicht geplant – ohnehin gebe es an der Schule unabhängig vom Corona-Virus Desinfektionsmittel. Eine Anfrage bei der Stadt ergab, dass man dort aktuell keinen Handlungsbedarf sehe. Offizielle Verlautbarungen würden abgewartet.

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