Nachgefragt bei Vermietern

Corona-Mietstundungen: Unverschämtes Schreiben einer Laden-Kette

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Einen Kündigungsschutz für Mieter, die coronabedingt nicht mehr zahlen konnten, gab es bislang. Die Reglung ist Ende Juni jedoch ausgelaufen.

Neuenrade/Werdohl/Balve – Corona beutelt den Einzelhandel und Kleinunternehmer – trotz der mittlerweile geltenden generellen Lockerungen.

So hat Unternehmerin Ruth Echterhage einige kleinere gewerbliche Mieter, die noch Schwierigkeiten haben, ihre Miete zu zahlen. Da zeigt sich die Geschäftsführerin von Eco.Plan jedoch kulant, vor allem, wenn die Kommunikation stimme und es um kleine Unternehmer gehe. 

Man müsse in diesen schwierigen Zeiten nur miteinander sprechen. Und so will man auch nicht in jedem Fall Miete nachfordern. So lässt man in Neuenrade trotz des Fristablaufes in einem Fall die Mietreduzierung weiterlaufen. 

Regierung einigt sich nicht

Im März, also in der Hochzeit der Corona-Pandemie, hatte die Politik den Kündigungsschutz für Mieter verabschiedet. Üblicherweise kann ein Vermieter seinen Mietern kündigen, wenn sie zwei Monate hintereinander ihre Miete nicht zahlen. Diese Praxis war durch den Beschluss von März vorübergehend ausgesetzt, sofern Mieter glaubhaft machen konnten, infolge von Corona ihre Miete nicht zahlen zu können. Die Regelung lief Ende Juni aus, auf eine Verlängerung hatten sich die Regierungsparteien nicht einigen können. 

Unangenehm aufgefallen sind Ruth Echterhage im Beritt von Eco.Plan, das Unternehmen hat nicht nur Immobilien in Neuenrade, sondern auch im Münsterland oder in Ostdeutschland, allerdings Filialisten. Da gab es Ärger mit dem Betreiber einer Kette. Ruth Echterhage ist immer noch verschnupft, wenn sie daran denkt: „Da kam ein unverschämtes Schreiben“. Die Mietzahlung sei dann einfach eingestellt worden, die Tonlage des Schreibens kaum akzeptabel gewesen. Aus den Kreisen anderer Vermieter habe sie ebenfalls gehört, dass dieses Verhalten nicht sehr gut angekommen sei – insbesondere im Münsterland. 

Letztlich eine Lösung gefunden

Andere Betreiber von Ketten – zum Beispiel in Ostdeutschland – seien da wesentlich kommunikativer und angenehmer im Umgang gewesen. Selbstverständlich habe man gemeinsam mit diesem Unternehmen eine Lösung gefunden. Inzwischen würde der Filialist wieder bezahlen, auch fast alle anderen Mieter, die sich in einer Zwangslage befunden hätten. 

Ob nun aber die fehlenden Mieten in allen Fällen noch hereinkommen, glaubt Ruth Echterhage nicht. Sie vermutet, dass kleinere Vermieter das schlucken müssten. Der Einzelhandel habe nach wie vor ein coronabedingt schwieriges geschäftliches Umfeld. Jetzt sei auch der Abverkauf der Sommerkollektion trotz vieler Rabatte schwierig, weil das Wetter nicht mitspiele. 

Kaum Probleme bei der Woge

Was Wohnungsvermieter wie die Werdohler Wohnungsgesellschaft (Woge) oder Grandcity Property angeht, so waren bei der Woge die Mietstundungen im Prinzip kein Thema. Es habe bei den gewerblichen Mietern eine Anfrage gegeben, die dann aber auch nicht weiter verfolgt worden sei, hieß es auf Anfrage der Redaktion. Insgesamt habe die Woge nur zwei, drei Fälle gehabt – was bei den vielen Woge-Mietern nicht ins Gewicht falle. Zum Bestand der Woge gehören mehr als 1400 Wohnungen in Werdohl und Neuenrade. Auch die brancheninternen Statistiken würden nichts hergeben. Bei anderen Wohnungsgesellschaften seien coronabedingte Mietausfälle offenbar auch kein Problem. 

Das bestätigt auch Katrin Petersen, Pressesprecherin von Grand City Property. Die Wohnungsgesellschaft ist deutschlandweit tätig, vermietet unter anderem auch Objekte in Werdohl. „Es gab nur einige wenige Einzelfälle, in denen Mieter in Werdohl coronabedingt um eine Verschiebung der Mietzahlung gebeten haben. Wir haben für jeden dieser Einzelfälle schnell und gemeinsam eine Lösung gefunden – kulant und im Sinne der jeweiligen Mietpartei“, so Petersen. Die Grand City Property biete grundsätzlich immer allen Mietern eine persönliche Beratung bei möglichen Zahlungsengpässen an und suche eine Lösung, sofern die Mietpartei persönlich und direkt auf die Gesellschaft zukomme. Man sei stolz auf die hohe Mieterzufriedenheit von 97 Prozent und arbeite daran, dass das so bleibe. Das gehöre zum Mieterservice, ebenso wie die 24/7-Erreichbarkeit des Servicecenters, die Mieter-Service-App und lokale Ansprechpartner. „Wir wollen die Mieter langfristig behalten“, sagte Petersen. 

Haus und Grund: Eine Anfrage

Beim Haus- und Grundbesitzerverein Mittel-Lenne hatte man bislang mit dem Thema Mietstundung kaum zu tun. Geschäftsführerin Rosemarie Gollnik kann lediglich von „einer Anfrage durch einen gewerblichen Vermieter“ berichten. Das war es. 

Kurz und schmerzlos fällt auch die Antwort des Balver Unternehmers Matthias Camminady aus, der in der Hönnestadt verschiedene Objekte vermietet. Er habe wegen einer coronabedingten Mietstundung keine Anfragen von Mietern gehabt, weder von privaten noch gewerblichen.

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